Wanderfalke Rosa machte Bruchlandung auf den Markt und löste so eine Rettungsaktion aus

hzErste Brut im Sixtusturm

Der Falkennachwuchs in der Sixtus-Kirche ist flügge. Aber der erste Ausflug aus dem Nest in gut 30 Metern Höhe brachte Rosas kleines Herzchen zum Rasen. Er mündete in einer Bruchlandung.

Haltern

, 04.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Wanderfalken im Turm der St. Sixtus-Kirche haben in diesem Jahr zum ersten Mal erfolgreich gebrütet. Drei Junge sind aus den Eiern geschlüpft, alles Weibchen. Gut sieben Wochen harrten sie in ihrem Zimmer mit Aussicht aus, dann wurden sie unruhig. In der vergangenen Woche wagten sie ihren ersten Sprung aus dem Nest hinab ins menschliche Getümmel auf dem Alten Markt - und der ging für einen Jungvogel gehörig schief.

Erste-Hilfe-Tipps

Es folgte eine herzerwärmende Rettungsaktion, an der einige Halterner beteiligt waren. Der ungeschickte Flugversuch des jungen Falken endete fast am Boden, er konnte sich so gerade noch auf einen Stuhl des Cafés Extrablatt retten. Ratsfrau Maaike Thomas sah das Malheur, alarmierte Babsy Deckers und Julia Ludwig in der Stadtagentur, die wiederum riefen unverzüglich Dr. Markus Holt vom Natur- und Vogelschutzverein an, der in weiser Voraussicht Tage zuvor Informationsblätter zum erwarteten Premierenflug mit Erste-Hilfe-Tipps in den Häusern rund um die Kirche verteilt hatte.

Wanderfalke Rosa machte Bruchlandung auf den Markt und löste so eine Rettungsaktion aus

Timon Pracht barg den jungen Wanderfalken in solcher einer Weinkiste, bis Thorsten Thomas vom Natur- und Vogelschutzverein eintraf und das Tier zurück in den Sixtusturm brachte. © Elisabeth Schrief

Bis zum Eintreffen professioneller Hilfe ging Julia Ludwig auf das völlig verängstigte junge Tier zu. „Sie hat es beruhigt wie ein kleines weinendes Kind“, erzählt Babsy Deckers. „Die Jungvögel haben natürlich Angst, sie wehren sich, laufen aber nicht davon“, erklärt Dr. Markus Holt. Timon Pracht, Mitarbeiter des Geschäftes Bilkenroth, eilte mit einer Weinkiste herbei und barg mithilfe von Josef Löbbing (Leiter der Stadtagentur) das verunglückte Tier.

Zurück ins Nest

Wichtig sei, so hatte Dr. Holt im Vorfeld informiert, das Tier dunkel und schattig aufzubewahren, bis professionelle Hilfe kommt. Solange hütete Küsterin Susanne Heisterkamp-Austrup mütterlich den jungen Vogel in der hölzernen Behausung.

Wanderfalke Rosa machte Bruchlandung auf den Markt und löste so eine Rettungsaktion aus

Der erste Flugversuch des jungen Wanderfalken misslang, aber freundliche Halterner und Thorsten Thomas vom Natur- und Vogelschutzverein „fingen“ Rosa auf. © Julia Ludwig

Naturschützer und Falkenexperte Thorsten Thomas trug den Wanderfalken schließlich zurück in den Nistkasten, der sich im Turm der Kirche seitlich zum Rossini befindet. Seit der spektakulären Aktion hat die Bruchpilotin einen Namen. „Wir haben sie Rosa getauft“, sagt Babsy Deckers. Täglich halten alle Ausschau, wie sie mittlerweile mit ihren Schwestern flugsicher und unerschrocken ihre Kreise rund um den Marktplatz zieht.

Erster Brutversuch misslang

Dr. Markus Holt hat 2014 mit Zustimmung der Pfarrei den Nistkasten im Sixtusturm installiert. Seit 2015 habe es immer wieder Besuch von Wanderfalken gegeben, aber 2018 setzte sich erstmals ein Paar nieder, um zu brüten. „Doch der Brutversuch wurde abgebrochen“, berichtet Dr. Holt, „vermutlich wurde das Männchen vergiftet, aber wirklich geklärt ist das nicht.“ Im März 2019 ist dann wieder ein Pärchen ins „Familienzimmer“ eingezogen. Nach etwa 38 Tagen schlüpften drei Küken, alles Mädels wie sich bei der Beringung herausstellte. Der Naturschutzbund weiß auch, dass die Mutter aus dem Westmünsterland nahe der holländischen Grenze stammt.

Nach gut sieben Wochen wagten die Jungvögel erste Flugversuche. „Die Wanderfalken stellen sich nicht unbedingt sofort geschickt an“, weiß Markus Holt. Bei den Premierenflügen könne es zu Bruchlandungen kommen, in der Natur passiere das genauso wie in der Stadt. „Die Jungvögel sind dann noch nicht in der Lage, wieder selbstständig zu starten.“ Damit sie aber nicht hilflos liegen bleiben, hatte Markus Holt in guter Voraussicht schon Tage vor dem ersten Flug Handzettel in den umliegenden Häusern verteilt.

Neues Wappentier?

„Für die Bürger sind sie in diesem Jahr schon zu so etwas wie Halterns neuem Wappentier geworden“, findet Dr. Markus Holt. Dass die Wanderfalken zum ersten Mal erfolgreich gebrütet haben, freut den Natur- und Vogelschutzverein Haltern und die Sixtusgemeinde sehr. Denn Wanderfalken sind immer noch selten. „Der Sixtus-Gemeinde helfen sie, teure Gebäudeschäden zu vermeiden, die durch die zu hohe Taubendichte entstanden sind“, erklärt Markus Holt. Die Wanderfalken halten die Tauben während der Brutzeit auf natürliche Weise von der Sixtus-Kirche fern.

Nun geben die Wanderfalken bald ihr Einfamilienhaus im Kirchturm auf, sie ziehen künftig in der Region umher. Der Natur- und Vogelschutzverein wird im Herbst den Nistkasten säubern - in der Hoffnung, dass sich im nächsten Frühjahr wieder ein Wanderfalken-Pärchen einquartiert und Nachwuchs groß zieht.

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Welthungertag-Aktion mit Video

Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an Hunger - Hilfsorganisationen informieren in Haltern