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442 Halterner leben auf dem Campingplatz

Die Stadt will mehr Kontrolle

Dauercamper leben zwar auf kleinstem Raum, dafür aber meistens günstig und oft auch schön. Aber dürfen sie das überhaupt? In Haltern hat die Stadt aber Bedenken und gründet jetzt einen Arbeitskreis.

Haltern

, 18.12.2017 / Lesedauer: 3 min
442 Halterner leben auf dem Campingplatz

Rund 25.000 Menschen haben in Nordrhein-Westfalen ihren Lebensmittelpunkt und ersten Wohnsitz auf einen Campingplatz verlegt, am „Freizeitpark Hoher Niemen“ am Ostufer des Stausees wohnen 160 Personen dauerhaft.Kindel © Foto: Kevin Kindel

Eigentlich ist das permanente Wohnen auf einem Campingplatz in Deutschland nicht erlaubt. Entweder gibt es Ausnahmen oder es wird still geduldet. Wie in Haltern. Hier haben 442 Personen ihren einzigen Wohnsitz auf einem der fünf Campingplätze gemeldet, davon fallen 26 Anmeldungen und drei Ummeldungen innerhalb Halterns auf das Jahr 2017, sagte Stadtsprecher Georg Bockey auf Anfrage.

Camping verstößt gegen Baurecht

Jeder kann nach den bestehenden Vorschriften des Melderechts seinen Hauptwohnsitz auf dem Gebiet eines Campingplatzes anmelden. Allerdings kollidieren die Vorschriften des Melderechts mit den baurechtlichen Vorgaben. Das Wohnen auf Campingplätzen verstößt gegen das Baurecht, da die Plätze in Erholungsgebieten liegen, in denen eben das nicht gestattet ist. „Ein Dauerwohnen stellt Ansprüche an die Infrastruktur, deshalb ist es in Haltern nicht erlaubt und auch nicht erwünscht“, mit dieser Aussage ging Baudezernentin Anette Brachthäuser kürzlich in den Ausschuss Stadtentwicklung und Umwelt. Diesem Ausschuss lag ein Antrag von Dietmar Harsveldt, Betreiber des Camping- und Wochenendplatzes an der Marina Flaesheim, auf Legalisierung von Dauerwohnen vor. Dieses Anliegen wurde abgeschmettert. „Wir wollen die Innenentwicklung Halterns stärken und keine neuen Wohngebiete an isolierten Standorten fördern“, betont Anette Brachthäuser gegenüber der Halterner Zeitung. An der Marina müsse Freizeit und naturnahe Erholung im Vordergrund stehen

Das gilt ebenso für den Campingplatz Hoher Niemen. Nach dem Besitzerwechsel verpflichtete die Stadt den Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Franz Prein, die privatrechtlichen Verträge mit den Ferienhausnutzern so zu regeln, dass eine Dauerwohnnutzung nicht zugelassen ist. Bei der Aufstellung des neuen Bebauungsplanes für diesen Bereich am Stockwieser Damm in der Nähe von Stever und Stausee hatten auch Naturschutzverbände Bedenken angemeldet. Es sei eine Entwicklung zu befürchten, wie sie bereits von den Siedlungen Overrath und Heimingshof bekannt sei: Ursprünglich als Wochenendhausgebiete gedacht, befänden sich die Häuser heute vorwiegend in permanenter Wohnnutzung mit wachsenden Ansprüchen und Anforderungen an die dortige Infrastruktur sowie Ver- und Entsorgung. „Auch in der ehemaligen Ferienhaussiedlung Stockwiese musste bekanntlich erst kürzlich die tatsächliche Nutzung durch Ausweisung als Allgemeines Wohngebiet im Nachhinein legalisiert werden“, schrieben sie im Rahmen der Offenlage.

Arbeitskreis gründet sich
Die Politik will, dass die Zustände kontrolliert werden. „Wir machen uns unglaubwürdig, wenn wir beide Augen zudrücken“, gibt Maaike Thomas (Die Grünen) zu bedenken.

Beim Kreis wird jetzt ein Arbeitskreis mit Vertretern aus allen zehn kreisangehörigen Städten gegründet. Dieser soll eine einheitliche Regelung finden, wie mit dem Dauerwohnen auf einem Campingplatz umgegangen werden kann. Die Städte stecken in der Bredouille, die Camper leben in einer Grauzone. Zumindest ein Teil der Dauercamper in Haltern ist wirtschaftlich in einer schwierigen Lage, er hat kaum Chancen, anderen bezahlbaren Wohnraum zu finden.

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