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Wegen Baumängeln ist eine Kita-Notlösung im Jugendzentrum Trigon geplant

hzKindergarten-Engpass

Der Abend endete mit verhaltenem Applaus, doch davor gab es eine Menge sehr wütende Worte. So geht es weiter mit dem lange verzögerten Kita-Neubau an der Lohausstraße in Haltern am See.

Haltern

, 14.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Rund 60 Eltern sind am Montagabend in die Aula an der Holtwicker Straße gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Die Stadtverwaltung informierte über die lange verzögerte Kindergarten-Baustelle an der Lohausstraße.

Das Problem

Eigentlich sollte der geplante Kindergarten-Neubau an der Lohausstraße noch im Jahr 2018 bezogen werden. Wegen eklatanten Baumängeln kam es zu starken Verzögerungen. Zuletzt platzte der Eröffnungstermin für diesen Mai. „Wir hatten extreme Schwierigkeiten mit dem Generalunternehmer“, sagte Baudezernentin Andrea Rüdiger am Montag.

Es gab Fehlabsprachen, das Dach der Kita musste Anfang des Jahres komplett beseitigt werden, weil die Arbeiten „dermaßen schlecht erledigt wurden“, so Rüdiger. „Wir vom Team sind alle startklar und warten auf die Eröffnung der Kita“, sagte die zukünftige Kindergarten-Leiterin Julia Slawiniak.

Die Sicht der Eltern

Die Eltern, die ihre insgesamt knapp 90 Kinder schon lange für die Einrichtung angemeldet haben, sind größtenteils stocksauer. „Wenn ich so arbeiten würde, hätte ich keinen Job mehr“, sagte eine Mutter. Von einer anderen hieß es: „Sagen Sie doch lieber, dass die Kita erst am 1. September eröffnet, bevor wir wieder vernatzt werden.“

Wegen Baumängeln ist eine Kita-Notlösung im Jugendzentrum Trigon geplant

Rund 60 Eltern, die Kita-Mitarbeiter und Vertreter der Stadtverwaltung waren in die Aula an der Holtwicker Straße gekommen. © Kevin Kindel

Viele Eltern haben sich schon im vergangenen Jahr darauf verlassen, dass die Kinder betreut werden und müssen sich jetzt anderweitig kümmern. Für die ersten Kita-Wochen nehmen sich viele von ihnen Urlaub vom Beruf und können ihren Arbeitgebern bislang keine verlässlichen Daten dafür nennen. „Da riskiere ich inzwischen eine Abmahnung“, hieß es bei der Versammlung. Trotz aller Verzögerung gab es auch den Einwand: „Auch wenn‘s spät ist, möchte ich mein Kind nirgendwo unterbringen, wo es von Schimmel geplagt ist.“

Die Sicht der Stadtverwaltung

Nach den Enttäuschungen der vergangenen Monate möchte die Stadtverwaltung feste Zusagen vermeiden, die die Eltern aber dringend verlangen. Noch am Montagmorgen habe sie sich unter anderem mit Bürgermeister Bodo Klimpel die Baustelle angesehen, sagte Baudezernentin Rüdiger: „Stand heute sind wir auf einem guten Weg, die Kita zu Anfang Juli in Betrieb zu nehmen.“

„Seit mehr als einem Jahr haben wir jeden Tag mit dieser Baustelle zu tun“, sagte Jugendamtsleiter Gisbert Drees merklich vom Thema berührt. „Der 1. Juli ist ein durchaus realistischer Termin“, so Drees zu den Eltern: „Uns ist klar, dass wir Sie nicht bis dahin vertrösten können und wollen.“

Wegen Baumängeln ist eine Kita-Notlösung im Jugendzentrum Trigon geplant

Baudezernentin Andrea Rüdiger (l.) mit der zukünftigen Kita-Leiterin Julia Slawiniak. © Kevin Kindel

Die Lösung

Nach hitziger Diskussion gibt es jetzt drei verschiedene Einstiegstermine.

  • 3. Juni: Wer schnellstmöglich ein Angebot fürs Kind braucht, bekommt eine Notlösung geliefert: Ab dem 3. Juni werden Kinder vom zukünftigen Lohausstraßen-Team im Trigon an der Weseler Straße 131 betreut, zweieinhalb Kilometer von der Lohausstraße entfernt. Dort ist Platz für 20 Kinder. Sollte der Bedarf größer sein, könnte man auf einen Saal in der Seestadthalle am Lippspieker ausweichen.
  • 1. Juli: Die Öffnung an der Lohausstraße ist für den 1. Juli geplant. Doch niemand möchte diesen Termin schriftlich festlegen. Viele Eltern sind skeptisch, unter anderem auch weil für drei Wochen im August Ferien in der Einrichtung geplant sind. Das mache die Eingewöhnung für die Kinder schwierig. Die angestellten Erzieher haben ihren Urlaub bereits geplant. Zur Notbetreuung wird für diese Zeit eine Unterbringung in Marl angeboten.
  • 1. September: Wer seinem Kind die Ferien direkt nach der Eingewöhnung - und damit möglicherweise eine doppelte Eingewöhnung - ersparen will, bringt es erst zum 1. September an die Lohausstraße. „Wenn Sie Ihr Kind erst zum 1.9. bringen, wird auch erst dann der Elternbeitrag fällig“, versprach Jugendamtsleiter Drees.

Die Reaktionen der Eltern

Die Stimmung war angespannt, die Gespräche liefen aber konstruktiv ab, zum Abschied gab es verhaltenen Applaus. „Niemand hat hier heute wirklich mit einem festen Eröffnungsdatum gerechnet“, sagte Claudia Neubauer nach der Versammlung. Wenn der beschlossene Zeitplan so eingehalten wird, können die Eltern damit leben. Andrea Rüdiger sei sehr bemüht gewesen, viele Besucher waren aber enttäuscht, dass sie, die erst seit Anfang April dieses Jahres im Amt ist und das Projekt zuvor nicht verantwortete, die Veranstaltung leitete.

Bürgermeister Bodo Klimpel hatte in der Einladung sein Kommen zugesagt, war aber nicht vor Ort. „Er hatte einen wichtigen Termin beim Heimatministerium in Düsseldorf, der erst nach unserer Einladung auf diesen Tag verschoben wurde“, sagte Sprecher Georg Bockey. Unter anderem mit dem zuständigen Staatssekretär ging es dabei um die Gründung einer Flächenentwicklungsgesellschaft für Haltern am See.

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