Heike Fries aus Haltern gründete eine Gruppe für jung Verwitwete für das Münsterland. Ein Internetportal half ihr nach dem Tod ihres Mannes in ihrer schwierigen Situation.

Haltern

, 24.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr Mann verstarb 2004 an einer Krebserkrankung. Heike Fries war damals 45 Jahre alt und hatte drei Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren. „Für uns war seitdem die Unbefangenheit verloren“, sagt sie heute.

Heike Fries war zunächst mit ihrer Familie vom Niederrhein nach Dülmen gezogen. Inzwischen lebt sie in Haltern. „Verwandte wohnten damals nicht in der Nähe, einen großen Freundeskreis hatte sich noch nicht aufgebaut“, erinnert sie sich. Dementsprechend groß waren die Schwierigkeiten, mit denen sie sich konfrontiert sah. „In meinem Umfeld gab es niemanden, der eine vergleichbare Situation kannte“, sagt sie.

Ein Internetportal ermöglicht den Erfahrungsaustausch

Heike Fries hatte als EDV-Dozentin für die Volkshochschule gearbeitet. „Damals war das Internet noch nicht so im Alltag präsent wie heute“, erklärt sie. Aber dort fand sie die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten, die die gleichen Erfahrungen gemacht hatten. „Ich stieß auf das Portal „verwitwet.de“. Dort meldete ich mich an und merkte: Es gibt so viele, die das Gleiche erlebt haben!“

Hinter dem Internetportal steht ein gleichnamiger Verein, der auch Treffen von jung Verwitweten zum Erfahrungsaustausch organisiert.

Heike Fries suchte auch dort Kontakt und musste feststellen, dass es in der näheren Umgebung keine Gruppe gab. Und dadurch reifte ihr Entschluss, selbst so eine Gruppe ins Leben zu rufen. 2007 gründete Heike Fries die Gruppe Münsterland in Dülmen.

Wenn der Partner früh verstirbt: Halternerin gründete Gruppe für Hinterbliebene

Heike Fries gründete 2007 eine Gruppe für jung Verwitwete. © Jürgen Wolter

Monatliche Treffen in Dülmen

Seitdem treffen sich dort jung Verwitwete einmal im Monat zum gemeinsamen Austausch. „Es steht immer ein Thema im Mittelpunkt“, sagt Heike Fries. „Themen können sein: Wie gestalte ich die Wohnung um? Wie gehe ich mit der Trauer der Kinder um? Wie reagieren meine Freunde? Kann ich alleine Urlaub machen? Will und kann ich eine neue Beziehung eingehen? Wie bewältige ich finanzielle Probleme? Gibt es allerdings aktuelle Notsituationen, dann weichen wir auch vom Thema ab. Es bildet nur den Rahmen der Treffen“, sagt Heike Fries.

Zum ersten Treffen kamen neun Personen, heute nehmen regelmäßig bis zu 35 an den Treffen teil. Es haben sich inzwischen Untergruppen gebildet „Zum Beispiel treffen sich die Verwitweten mit Kindern unter zehn Jahren auch separat, weil sie oft andere Fragen diskutieren als die Älteren, deren Kinder schon erwachsen sind.“

„Das Drüber-Sprechen hilft“

Jung verwitwet, wer fällt eigentlich darunter? „Die grobe Grenze bei uns lautet: Wer vor dem Rentenalter ist, gehört dazu. Bei Älteren stellen sich oft noch wieder ganz andere Probleme“, so Heike Fries. Nicht allein sein mit den Fragen und Problemen, sich gegenseitig Tipps geben, aber auch Trost spenden, das leistet die Gruppe. „Das Drüber-Sprechen hilft. Hier wissen alle, wovon ich rede. Ich muss mich nicht erklären“, sagt ein Teilnehmer. „Und manchmal hilft es noch mehr, wenn einen einfach mal jemand in den Arm nimmt.“

Wieder gemeinsam lachen

„Es geht in der Gruppe nicht nur um Tod und Trauer“, betont Heike Fries. „Wir können eine unglaublich lustige Truppe sein. Aber es kommen bei jedem auch immer wieder die Momente, in denen man mit der Trauer allein ist. Sie begleitet einen über das ganze Jahr.“

Inzwischen gehört Heike Fries zum Vorstand des Vereins „Jung verwitwet“. Sie berät auch Interessenten, die eine neue Gruppe gründen wollen. „Das Internetportal ist so etwas wie unser Vereinsheim“, sagt sie.

Die Gruppe jung Verwitweter trifft sich an jedem 3. Sonntag im Monat im Pfarrheim neben der Kirche, Rödder 25, in Dülmen. Weitere Informationen gibt es bei Heike Fries, entweder per Email: heikefries@web.de oder telefonisch unter: (0171) 4484780.

In Deutschland gibt es etwa 600.000 Verwitwete im Alter zwischen 20 und 49 Jahren. Mehr als eine Million Kinder sind Halb- oder Vollwaisen. Jährlich sterben etwa 35.000 verheiratete Deutsche dieser Altersgruppe. Das bedeutet, dass täglich 100 Frauen und Männer zu jungen Witwen und Witwern werden.
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