Wie bekommt die Stadt Haltern ihre Ackerrandstreifen zurück?

hzAntrag der Grünen

Wo sind Flächen in Haltern massiv überackert? Das möchten die Grünen wissen und stellten deshalb den Antrag, die Stadt möge das überprüfen - ohne die Bauern unter Generalverdacht zu stellen.

Haltern

, 08.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Antrag an Bürgermeister Bodo Klimpel fordern die Grünen, die Ackerrandstreifen, die auf „nicht legale“ Weise von Landwirten bewirtschaftet werden, für den Artenschutz zurückzugewinnen. Hintergrund ist der Artenschwund vor allem auch in Nordrhein-Westfalen. „Fast die Hälfte der untersuchten Insektenarten sind bedroht, extrem selten geworden oder bereits ausgestorben“, heißt es in der Begründung des Antrags.

Häufig bis an den Rand

Man könne den Landwirten nicht vorschreiben, was sie anbauen und wie sie ihre Flächen nutzten, aber gemeindeeigene Wegraine, Feldwege und Ackerrandstreifen sollten wieder für den Artenschutz zur Verfügung gestellt werden. „Denn in Haltern erfolgt die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen häufig bis an den Rand von befestigten Straßen oder Wirtschaftswegen“, schreiben Fraktionsvorsitzender Michael Zimmermann und Maaike Thomas (Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss).

Die Stadt sieht sich allerdings nicht in der Lage zu einer flächendeckenden Überprüfung. Dafür müsste die Verwaltung Vermessungsbüros beauftragen. Eine Grenzherstellung vor Ort koste allerdings 130 Euro pro Stunde. Insgesamt wären Kosten im oberen fünfstelligen Bereich zu kalkulieren. „Eine Erfassung der überackerten Flächen ist zwar möglich, wäre aber sehr kosten- und personalintensiv und kaum dauerhaft zu überwachen“, sagt die Bauverwaltung.

Freiwillige Basis

Stattdessen schlägt die Verwaltung vor, mit den Bauern und Landwirten eine Regelung auf freiwilliger Basis zu suchen und sie für das Problem zu sensibilisieren.

Im Ausschuss Stadtentwicklung und Umwelt nutzte Ralf Bürgers (CDU) die Gelegenheit, auf Bemühungen der Landwirtschaft zugunsten der Umwelt hinzuweisen.

Über 60 Blühstreifen

Landwirte hätten in diesem Jahr auf 18 Hektar Land Blühstreifen für Insekten angelegt. Das sei zweieinhalb Mal so viel wie beispielsweise in Steinfurt. Mit 360 Kilogramm Saatgut seien über 60 Blühstreifen ausgesät worden. „Diese Nachhaltigkeit verdient ein Kompliment und auch Unterstützung“, betonte der Lavesumer Lokalpolitiker.

Doch den Grünen geht es in dem Antrag nicht um die Blühstreifen, die im Frühjahr mit einer Blühmischen angesät werden. Ihnen geht es um die Ackerrandstreifen. Das ist ein Randbereich an Äckern, der ohne den Einsatz von Herbiziden und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet wird, damit sich dort Ackerwildkräuter und die an sie angepasste Tierwelt ausbreiten und überleben können.

Stimmung ist gereizt

„Ich bin ratlos, wie dieser Antrag ohne Neuvermessungen rechtssicher umgesetzt werden soll“, sagt Ortslandwirt Ludger Winkelkotte - auch mit dem Hinweis, dass an vielen Stellen Grenzsteine fehlen. Er wolle nicht abstreiten, dass an der einen oder anderen Stelle zu dicht an Wegen geackert werde. Aber grundsätzlich ärgert er sich: „Wir Landwirte haben auf freiwilliger Basis durch zusätzliche Arbeit schon so viel für den Umweltschutz getan und dafür Flächen auch ohne Entschädigungen aus der Produktion genommen. Wenn wir dann immer noch kritisiert werden, verlieren wir allmählich die Lust.“ Die Stimmung in der Landwirtschaft sei ziemlich gereizt. Ludger Winkelkotte schlägt vor: „Man sollte mit uns reden und nicht über uns.“

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