Ursache für Windrad-Einsturz in Haltern steht fest

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Am Tag nach dem Einsturz war das ganze Ausmaß des Einsturzes zu sehen. Jetzt steht die Ursache fest.
Nach dem Einsturz des Windrades am 29. September in der Hohen Mark stand ein betrübter Geschäftsführer Dr. Bernhard Klocke vor den Trümmern. Heute lobt er die gute Zusammenarbeit mit Nordex. © Bludau Foto
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Eigentlich sollten 60 geladene Gäste am 30. September mitten in der Hohen Mark die Einweihung der beiden neuen, je 1200 Tonnen schweren Windräder von RAG Montan Immobilien und Stadtwerke Haltern feiern. Das Zelt stand, die Reden waren fertig und dann funkte ein Ereignis dazwischen, das alle fassungslos machte.

Eines der beiden neuen, 450 Meter voneinander entfernten Windräder des Typs Nordex N149/4.0 – 4.5 mit jeweils 4,5 Megawatt maximaler Leistung stürzte ein. „Auf einmal war der Turm weg“, beschrieb damals Heinz Himmelmann als Augenzeuge die Havarie.

Nun liegen nach Monaten des ungeduldigen Wartens die Gründe für den Unfall vor. Danach haben Schwachstellen des Spannbetonteils des Beton-Stahl-Hybridturms die Havarie ausgelöst. „Bestätigt wird dieses Ergebnis durch Gutachten und Stellungnahmen unabhängiger Sachverständiger“, sagt ein Unternehmenssprecher der Nordex Group Hamburg. Der Hybridturm stammte nicht aus dem eigenen Unternehmen, so wird ausdrücklich betont, sondern sei von einem ehemaligen Zulieferer hergestellt, geliefert und errichtet worden.

Am Tag nach dem Einsturz war das ganze Ausmaß des Einsturzes zu besichtigen.
Am Tag nach dem Einsturz war das ganze Ausmaß des Einsturzes zu besichtigen. © Bludau Foto

Die mehrmonatigen Untersuchungen der internen Experten und externen unabhängigen Sachverständigen konzentrierten sich zuletzt auf den Spannbeton-Teil des Hybrid-Turms. In Simulationen an Computermodellen konnte die Havarie nachgestellt und die Annahmen zu ihrer Ursache wiederholt bestätigt werden, heißt es aus Hamburg.

Rotorblätter und Stahlturmteil zeigten keine Auffälligkeiten

Die ausgelesenen Daten der Bottom Box der havarierten Windturbine brachten keine Hinweise auf eine Fehlfunktion der Anlagensteuerung oder der weiteren Anlagenkomponenten zum Zeitpunkt der Havarie, teilt die Nordex Group weiter mit. Auch die Analyse der Daten der Rotorblätter und des Stahlturmteils des Hybridturmes hätten keine Auffälligkeiten gezeigt.

Jessika Meier und Dr. Bernhard Klocke, Geschäftsführer der Windpark Haltern AV9 GmbH, erklärten, für sie sehr wichtig gewesen zu sehen, dass Nordex schnell gehandelt und alle Anlagen gleichen Bautyps abgeschaltet habe. Von Nordex sei zügig die Zusage gekommen, eine neue, identische Anlage mit einem anderen Turm innerhalb eines Jahres wieder zu errichten.

„Das ist gelungen, deshalb sind wir bei allem Ärger und den Problemen, die solch eine Havarie mit sich bringt, sehr zufrieden mit der Partnerschaft mit Nordex“, sagten Jessika Meier und Dr. Bernhard Klocke.

Auf der Einsturzstelle baute Nordex ein neues Windrad, es geht in Kürze in Betrieb.
Auf der Einsturzstelle baute Nordex ein neues Windrad, es geht in Kürze in Betrieb. © Privat

Der Aufbau eines neuen Windrades ist Anfang August erfolgreich abgeschlossen worden. Nach der Inbetriebnahme wird die neue Anlage grünen Strom für den durchschnittlichen Bedarf von rund 4.200 Haushalten erzeugen.

18 weitere Anlagen sollen bis Mitte 2023 wieder laufen

Insgesamt baute die Nordex Group in Deutschland weitere 18 mit dem havarierten Windturbinentyp baugleiche Anlagen. Diese wurden unmittelbar nach dem Vorfall in Haltern aus Sicherheitsgründen gestoppt. Parallel wurden Sicherheits- und Schadensanalysen durchgeführt. Alle Anlagen werden saniert. Mit dem Austausch der Betontürme der betroffenen Windturbinen habe man begonnen, so Nordex. Bis Mitte 2023 sollen sich die Flügel wieder drehen.

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