Die Suche nach dem eingestürzten Windrad hatte sich zunächst schwierig gestaltet. © Bludau
Einsatz in Haltern

Windrad in Haltern komplett eingestürzt: „Katastrophe allererster Kategorie!“

Ein Windrad ist am späten Mittwochabend in der Hohen Mark in Haltern am ehemaligen Schachtgelände AV 9 komplett eingestürzt. Ein Hubschrauber war im Einsatz.

In der Nähe der ehemaligen Schachtanlage AV 9 in Haltern-Lippramsdorf ist am späten Mittwochabend ein Windrad vollständig eingestürzt. Auf einer Höhe von etwa zehn Metern war die Anlage aus bislang unbekannter Ursache abgebrochen. Trümmer lagen überall verstreut.

Auch die Halterner Feuerwehr war im Einsatz. © Bludau © Bludau

Polizei, Feuerwehr und die Stadtwerke als Energieversorger waren gegen 19.20 Uhr alarmiert worden. Die Suche nach dem Unglücksort gestaltete sich zunächst schwierig. „Ortskundige, die uns alarmiert hatten, brachten die Polizeibeamten schließlich zu der Stelle mitten im Wald“, erklärte ein Sprecher der Polizei des Kreises Recklinghausen. „Die Stelle ist sehr abgelegen mitten in der Hohen Mark.“

Hubschrauber rund ums Windrad mit Wärmebildkamera im Einsatz

Ein mit einer Wärmebildkamera ausgerüsteter Hubschrauber wurde eingesetzt. Damit wurde das gesamte Gelände nach möglichen Unglücksopfern abgesucht.

Wie die Polizei weiter mitteilte, sei die Gefahr eines Stromschlags nicht gegeben. Die Stadtwerke waren ebenfalls vor Ort, um die Lage zu prüfen.

Die Ursache für den Einsturz war zunächst vollkommen unklar.

Bei dem Windrad handelt es sich um eine von zwei Anlagen, die die RAG Montan Immobilien zusammen mit den Stadtwerken Haltern als Kooperationspartner gebaut hat. Am Donnerstag sollte eine Einweihungsfeier vor Ort stattfinden. „Wir haben natürlich jetzt Fragen an den Hersteller“, sagte Thomas Liedtke, Sprecher der Stadtwerke Haltern.

Auf einer Höhe von rund zehn Metern war die Windkraftanlage abgeknickt. © Bludau © Bludau

„Wir sind erst einmal froh, dass niemandem etwas passiert ist.“ Die Stadtwerke würden unverzüglich darauf drängen, dass der Hersteller Ursachenforschung betreibe. Nichts habe auf diese Katastrophe hingewiesen.

Stadtwerke Haltern: „Eine Katastrophe allererster Kategorie“

Dr. Bernhard Klocke (Stadtwerke Haltern), zusammen mit Jessica Meier (RAG Montan Immobilien) Geschäftsführer der „Windpark Haltern AV9 GmbH“, ist schockiert. Er sagte gegenüber der Halterner Zeitung: „Das ist eine Katastrophe allererster Kategorie!“ Noch im Laufe der Nacht werde ein Techniker von Nordex eintreffen, um die Lage in Augenschein zu nehmen und Aufräumarbeiten in die Wege zu leiten.

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Windrad in Haltern eingestürzt

Typgleiche Windrkraft-Anlagen deutschlandweit abgeschaltet

Derweil wurde – auch mit Hilfe des Baubetriebshofes – die Unglücksstelle weiträumig abgesperrt. „Große Teile der Anlage sind in den Wald gefallen“, schilderte Dr. Klocke die Ausmaße.

Es wird eine Nachtwache vor Ort sein, außerdem wurde die zweite Anlage des AV9-Windparks in unmittelbarer Nähe abgeschaltet. Dr. Klocke: „Wir wollen auf Nummer sicher gehen.“ Er sagte auch, dass Nordex unmittelbar nach dem Einsturz alle Anlagen des Turbinenbauers gleichen Typs in ganz Deutschland sofort abgeschaltet habe.

Die höchsten Onshore-Windräder Deutschlands

Seit März produzieren die Windräder bereits Strom, dieser wird ins öffentliche Netz eingespeist. Die Partner hatten sich im Juni 2019 zur Windpark Haltern AV9 GmbH zusammengeschlossen, um im Umfeld des ehemaligen Wetterschachtes – dort, wo ursprünglich die Forensik gebaut werden sollte – erneuerbare Energie zu erzeugen.

Lauter Trümmerteile lagen im Wald verstreut. © Bludau © Bludau

Die beiden Anlagen des Windenergieanlagen-Herstellers Nordex (der inzwischen tief in den roten Zahlen steckt) sind rund 239 Meter hoch mit einer Nabenhöhe von 164 Metern und einem Rotordurchmesser von 149 Metern. Die rund 450 Meter voneinander entfernt stehenden Anlagen haben jeweils eine Nennleistung von 4,5 Megawatt. Sie gehören zu den höchsten Onshore-Windrädern Deutschlands. RAG und Stadtwerke haben rund 10,8 Millionen Euro investiert.

Betonsegmente haben ein Gewicht von 17 Tonnen

Der untere Turmabschnitt ist bis auf die Höhe von 98,5 Meter aus einzelnen vorgefertigten Beton-Segmenten mit achteckigem Grundriss zusammengesetzt. Auf diesen wurden dann noch zwei Stahlturm-Segmente mit 28,5 m und 35 m Länge aufgesetzt. Das größte eingebaute Betonsegment hat ein Einzelgewicht von 17 Tonnen. Das Gesamtgewicht eines der baugleichen Türme inklusive der zwei Stahlturm-Segmente liegt bei etwa 1200 Tonnen. Die Fundamente der beiden Anlagen haben ein Gewicht von je rund 2100 Tonnen, die die Standsicherheit auch bei großen Windbelastungen gewährleisten. Eigentlich…

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Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens
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