Blick auf die Fassade der Wohnanlage am Eltritt © Ingrid Wielens
Meinung

Wohnanlage Elterbreischlag: Die Nachbarn sind doppelt gestraft

Paradox: Ein Gutachter bestätigt, dass die Stadt Haltern bei der Genehmigung der Wohnanlage im Elterbreischlag Fehler gemacht hat. Konsequenzen hat das aber nicht. Eine Meinung dazu.

Ist das bitter für die Nachbarn der seniorengerechten Wohnanlage im Elterbreischlag. Der unabhängige Gutachter, den der Kreis Recklinghausen bei der rechtlichen Überprüfung des Baugenehmigungsverfahrens der Stadt Haltern eingeschaltet hat, hat ihnen Recht gegeben. In drei Punkten (Gebäudehöhe, Anzahl der Geschosse und Treppenaufgänge aus blickdichtem Mauerwerk) ist die Bauausführung nicht durch den Bebauungsplan gedeckt. Die Stadt Haltern hätte dafür keine Befreiung erteilen dürfen.

Die Kritik der Anwohner hat sich also bestätigt. Das Ergebnis der Untersuchung wird jedoch keine Konsequenzen haben. Die Familien, die gutes Geld für ihre Grundstücke bezahlt haben und dachten, sie lassen sich in einem Vorzeigequartier mit Leuchtturmprojekt nieder, müssen weiter mit der Realität leben. Die ist von der einstigen Planung so weit entfernt wie der gute Vorsatz zur guten Tat.

Ein Rückbau der Wohnanlage, um die Vorgaben des Bebauungpslanes einzuhalten, ist ausgeschlossen. Die Nachbarn, vor allem diejenigen am Eltritt, müssen weiter mit der entstandenen Großstadtfassade, mit Schattenwurf und viel Beton und Stein statt Grün leben. Sie fühlen sich zu Recht betrogen, weil ihre Interessen nicht einmal erfragt, geschweige denn berücksichtigt wurden.

Bauherrin hat Vorstellungen durchgesetzt

Die TSC Osmium, Bauherrin des Wohnprojekts, hat dagegen ihre Vorstellungen durchgesetzt. Bis heute ist nicht einsichtig, warum die Stadt Haltern diesem Berliner Investor so entgegenkam und die Veränderungen in der Bauausführung genehmigte. Allerdings dürften die Verantwortlichen bei der TSC nicht wirklich Freude an ihrem Projekt in Sythen haben, denn es kommt bisher in Haltern nicht an.

Es sieht so aus, als hätten sich die Immobilienmakler aus der Hauptstadt verzockt. Seit dem Frühjahr 2020 werden die Wohnungen in Sythen vermarktet und noch immer stehen die meisten leer. Für den Halterner Wohnungsmarkt sind sie zu teuer und auch ihre Gestaltung mit geschlossenen Laubengängen und fehlendem Keller kommt vor Ort nicht an.

Es ist ein trauriges Bild: Wo ein lebendiges Quartier entstehen sollte, in dem sich Jung und Alt begegnen, findet sich momentan trostloser Leerstand.

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Silvia Wiethoff

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