Zentrale Unterbringung von Flüchtlingen in der Kritik - Haltern als positives Beispiel

Flüchtlingshilfe

Das Halterner „Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt“ lädt zu einer Veranstaltung ein. Dabei soll es um den Vergleich von zentraler und dezentraler Unterbringung von Flüchtlingen gehen.

Haltern

13.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zentrale Unterbringung von Flüchtlingen in der Kritik - Haltern als positives Beispiel

So sieht die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) an der Bochumer Straße in Dorsten von oben aus. © Bludau

Aktuelle Entwicklungen der Flüchtlingspolitik in Haltern und Umgebung sind das Thema einer öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung am Donnerstag (14. November) in der Stadtbücherei, Lavesumer Straße 1 g.

Im Fokus soll dabei eine kritische Betrachtung der zentralen Unterbringung der Flüchtlinge im Vergleich „zum erfolgreichen dezentralen Halterner Modell“ stehen, heißt es in der Ankündigung.

Veranstalter ist das Halterner „Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt“, das sich in den Halterner Nachbarstädten Marl und Dorsten zwei der zentralen Sammelunterkünfte (ZUE) des Landes angeschaut und mit allen Beteiligten gesprochen hat.

„Im Praxistest bestätigen sich die Vorbehalte gegen diese Sammelunterkünfte“, bemerken die Forumsmitglieder und stellen die Vorzüge der dezentralen Unterbringung und Flüchtlingsbetreuung in Haltern gegenüber. „Daraus wollen wir Forderungen an die Politik ableiten“, betonen die Veranstalter.

„Ankerzentren“

Bereits vor der Einrichtung der zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) und zuvor der sogenannten „Ankerzentren“ für Flüchtlinge hatte es darüber bundesweit heftige Diskussionen und Kritik von Experten, Sozialverbänden und Flüchtlingsräten gegeben.

Auch in NRW hat jüngst der Caritasverband der Diözese Münster betont: „In Einrichtungen mit mehr als 200 Plätzen ist keine sinnvolle Integrationsarbeit möglich. Bewohner von kleineren, innerstädtisch liegenden Einrichtungen haben viel bessere Kontakte zur Bevölkerung und zu den ehrenamtlichen Betreuern.“

Beitrag in einer Zeitschrift

Diese Problematik haben sieben Autoren des Halterner „Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt“ mit ihren Veröffentlichungen in der letzten Ausgabe der Ruhrgebiets-Zeitschrift „AMOS“ kritisch aufgearbeitet, die seit 50 Jahren im Ruhrgebiet erscheint.

Das aktuelle Titelblatt: „Flüchtlinge weggesperrt?“ Unter der Gesprächsleitung von Dr. Marion Lillig, langjährige Flüchtlingsreferentin der Caritas, die auch einen Input über die aktuelle Situation in den ZUEs geben wird, werden die Autoren ihre Aufsatzthesen kurz zusammenfassen.

David Schütz, Ehrenamtskoordinator beim Caritasverband Datteln und Haltern und ebenfalls einer der Zeitschriftenautoren, meint: „Das System der zentralen Unterbringung ist menschenunwürdig und erzeugt große Empörung bei all denen, die wie in Haltern am See bewiesen haben, wie erfolgreich eine dezentrale, kommunale Unterbringung ist.“

Betreiber machen „erhebliche Gewinne“

Werner Nienhüser, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Duisburg-Essen, meint: „Flüchtlingspolitik hat auch mit Geld zu tun. Der Betreiber der Marler ZUE, das Essener Unternehmen European Homecare, hat in den letzten Jahren erhebliche Gewinne gemacht.“

Die Veranstaltung am Donnerstag (14. November) in der Stadtbücherei beginnt um 18.30 Uhr und dauert bis 20 Uhr. Alle Interessierten sind willkommen. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. www.forumdrv.de

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