Wie sich Anton Callenbeck (14) nach seiner Geburt mit Herzfehler zurück ins Leben kämpfte

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Anton Callenbeck kam 2005 mit einem Herzfehler zur Welt. Seine Lebenserwartung war minimal. Doch Anton kämpfte sich ins Leben zurück. Und freut sich jetzt auf seine „eigene“ Sportgruppe.

Heek

, 25.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Anton Callenbeck am 8. Juli 2005 in einer Coesfelder Klinik das Licht der Welt erblickte, da gaben ihm die Ärzte nur wenige Tage auf dieser Welt. „Nehmen Sie Ihren Sohn mit nach Hause. Er wird noch 14 Tage leben oder es wird für Sie alle ein langer beschwerlicher Weg werden.“

Diesen Worte trafen die Eltern Marion und Markus Callenbeck ins Mark. Doch Anton war willensstark.

Denn trotz seines angeborenen Herzfehlers kämpft sich Anton seit mittlerweile 14 Jahren durchs Leben. Und Anton fiebert dem neuen Jahr entgegen. Denn seine Familie wird ihm zu Liebe eine Sportgruppe für Menschen mit Beeinträchtigung („besondere“ Kinder, wie Marion Callenbeck betont) beim Verein RW Nienborg gründen.

Einmalig in der Gemeinde Heek. Für den „glühenden BVB-Fan“ eine Riesensache. „Darauf freue ich mich total“, sagt Anton mit glänzenden Augen.

Sportverein war von der Idee der Callenbecks direkt begeistert

Das Schöne: Marion Callenbeck ist selbst vom Fach. Als Erzieherin arbeitet sie auch beruflich mit behinderten Kinder zusammen.

„Inklusion ist für mich ein großes Thema - privat und beruflich.“ Den notwendigen Übungsleiterschein hat sie bereits in der Tasche.

Ab Samstag, 11. Januar, soll es losgehen in der Sporthalle der Bischof-Martin-Grundschule. Von 14 bis 15 Uhr und dann jeweils einmal pro Woche.

„Menschen, die sich so engagieren, wollen und werden wir, mit allem was möglich ist, unterstützen.“
RWN-Vorsitzender Martin Mensing

Und die Idee, die im Laufe dieses Jahres entstand, stieß beim Vorsitzenden von RWN, Martin Mensing, natürlich sofort auf offene Ohren. „Für uns ist das ein Glücksfall. Menschen, die sich so engagieren, wollen und werden wir mit allem, was möglich ist, unterstützen.“

Anmeldungen sind übrigens noch über den Sportverein möglich. Zudem werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht. „Zehn Kinder wären eine gute Gruppengröße. Wir lassen uns überraschen, was auf uns zukommt“, so Marion Callenbeck.

Anton hat nie seinen Lebensmut verloren

Dass diese Idee überhaupt entstehen konnte, liegt schlicht daran, dass Anton nie seinen Lebensmut verlor und trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung an all dem Spaß hat, was Kinder in diesem Alter mögen. „Anton liebt Sport. Davon kann er nicht genug bekommen“, sagt Markus Callenbeck mit einem Lächeln.

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Und da spielt es für Anton selbst auch keine Rolle, dass sein Bewegungsapparat deutlich eingeschränkt ist. Auch seine Restsehkraft von nur zehn Prozent hält ihn nicht davon ab, sich auf dem heimischen Trampolin auszutoben.

„Wir müssen ihn oft etwas bremsen. Zu viel körperliche Anstrengung verkraftet sein kleines Herz nicht gut“, so Marion Callenbeck.

Der Leidensweg von Anton war schier unendlich lang

Und dieses kleine Herz wurde auf schier unendliche Proben gestellt. Fünf Tage war Anton mal gerade auf der Welt, da erfolgte die erste stundenlange OP.

Durch seinen angeborenen Herzfehler musste in diesem komplizierten Eingriff das „Zweikammerherz“ in ein „Einkammerherz“ umgewandelt werden. Ein palliativer Eingriff. Keiner, der nachhaltig die Lebensumstände verbesserte. Und das war erst der Anfang von Antons Leidensweg.

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Viele weitere teils stundenlange Operationen musste der kleine Junge in den folgenden Jahren über sich ergehen lassen. Und selbst Herzstillstände, eine Hirnblutung und eine Lungenembolie überstand Anton.

Sein Lebenswille war einfach stärker. „Er ist ein richtiger Kämpfer“, sagt sein Vater.

Antons Eltern waren oft mit dem Nerven am Ende

„Wir waren teilweise mit den Nerven am Ende. Es war so belastend, wenn man sein Kind so leiden sieht“, blickt Marion Callenbeck zurück. „Wir wussten ja bei keiner Op, was uns danach erwartet“, ergänzt ihr Ehemann.

Die vielen Eingriffe verlangten Antons Eltern nervlich alles ab. „Mehr als man eigentlich aushalten kann“, sagt Markus Callenbeck. Und auch Antons großer Bruder Niklas musste in dieser Zeit sehr tapfer sein.

Wie sich Anton Callenbeck (14) nach seiner Geburt mit Herzfehler zurück ins Leben kämpfte

Das Anton nach den vielen, vielen Monaten weg von Zuhause das Weihnachtsfest 2009 endlich im Kreise seiner Familie in Nienborg mitfeiern konnte, war für Familie Callenbeck das „pure Glück auf Erden“. © Privat

Erst eine korrigierende 14 Stunden Herzoperation im November 2009, die aus dem Einkammerherz wieder ein Zweikammerherz machte, brachte die Wende zum Guten. Denn nach dieser Operation, bei der Antons Überlebenschance laut der Ärzte bei 50 Prozent lag, durfte der kleine Junge nach vielen, vielen Monaten Krankenhaus und Rhea endlich nach Hause.

Das Weihnachtsfest bei Callenbecks ist etwas ganz besonderes

Es war der 23. Dezember 2009. Das Weihnachtsfest konnte die Familie also endlich mal zusammen, in aller Besinnlichkeit, in Nienborg feiern.

„Wir hatten gar nicht viel geschmückt oder vorbereitet, wir waren einfach nur froh, das Anton bei uns war“, erinnert sich Markus Callenbeck. „Es war das pure Glück auf Erden“, fügt seine Frau hinzu.

„Wir haben gelernt, was wahres Glück bedeutet.“
Marion Callenbeck

Nicht nur seit diesem Augenblick hat das Weihnachtsfest für die Familie Callenbeck ein ganz besondere Bedeutung. Eine, die nichts mit der sonst vielerorts praktizierten Konsumgesellschaft und Geschenken zu tun hat.

„Wir haben gelernt, was wahres Glück bedeutet“, sagt Marion Callebeck, „das Zusammensein als Familie in den eigenen vier Wänden ist einfach unbezahlbar und mit nichts zu vergleichen.“

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