Ahnenforschung ist jetzt für alle möglich

Ortsfamilienbücher sollen helfen

Es ist eine echte Fleißarbeit: Bernhard Probst und der Arbeitskreis Ahnenforschung haben Tausende Datensätze aus Kopien alter Kirchenbücher zusammengetragen, um so genannte "Ortsfamilienbücher" im Internet anzulegen. Ziel: Jeder soll jederzeit von jedem Ort der Welt aus seine Familiengeschichte erforschen können.

HEEK

, 26.10.2016, 17:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Ich habe da früher gar nichts von gehalten." Bernhard Probst lacht. Er sei ja eher der Naturwissenschaft verbunden, meint er. Biologie und Mathe hat der ehemalige Rektor der Franziskusschule in Ahaus unterrichtet. Doch über die letzten Jahre ist der 72-Jährige der Geschichtsforschung verfallen.

Digitales Ortsfamilienbuch ist das Ziel

"Arbeitskreis Ahnenforschung in der Gemeinde Heek" heißt der Verein, den Probst und einige andere geschichtsbeflissene Heeker vor fünf Jahren ins Leben riefen, darunter auch so bekannte Größen wie Alfons Efkemann. Am 26. November trafen sich die Männer zur Gründungsversammlung für einen Verein, dessen Lebensdauer begrenzt sein soll. Denn: Der AK Ahnenforschung hat im Grunde nur ein Ziel. Anhand von Kopien historischer Kirchen- und Gemeindebücher wollen Probst und seine Mitstreiter ein digitales Ortsfamilienbuch erstellen.

"Wenn man solche Daten auswertet, müssen sie auch der Öffentlichkeit zugänglich sein", findet Probst. Bis Ende 2017, so schätzt er, könnte das Ortsfamilienbuch fertig sein und dann allen zur Verfügung stehen, die private Ahnenforschung betreiben oder sich für die Geschichte der Gemeinde interessieren.

In den USA forschen viele nach ihren Ahnen 

In den USA ist Ahnenforschung ein großes Thema. Besonders die Mormonen betreiben intensiv Ahnenforschung, weil sie glauben, dass auch Verstorbene noch Sakramente wie etwa die Taufe empfangen können. Darum sammeln sie Geburts-, Heirats- und Todesdaten aus Kirchen- und Gemeindebüchern weltweit.

Alfons Effkemann aus Ahle habe von den Mormonen Kopien erwerben können, erzählt Probst. Aufbauend auf diesem Grundstein und durch einige Spenden ermöglicht, habe der Verein dann Akten übersetzen und in neue Schriftsprache übertragen lassen können. Ein spezielles Programm hilft beim Einpflegen der Daten ins Online-Ortsfamilienbuch. Diese Aufgabe hat der Ahauser Alfons Nubbenholt übernommen, der auch in der AG Westmünsterland Genealogie aktiv ist.

Geburtsdaten aus 110 Jahren (bis 1906), Heiratsdaten aus 70 Jahren (vor 1946) und Sterbedaten aus 30 Jahren Heeker Geschichte (vor 1986) hat der Verein zusammengetragen, ausgewertet und bei zweifelhafter Lesbarkeit überprüft.

Verwandte "kennenlernen"

Auf die Möglichkeit, ein Ortsfamilienbuch online einzupflegen, sei er durch private Recherchen gestoßen, sagt Probst. Für seine Mutter habe er eine Familienchronik erstellen wollen, weil sie aus Schlesien stammte und durch die Vertreibung viele Informationen nicht mehr hatte. Leider sei die Mutter über der aufwendigen Arbeit daran gestorben. Fertiggestellt hat er sie dennoch - und viel dabei gelernt über die Familie, die Geschichte und das eigene Werden. Auch seine dann doch gewachsene Faszination mit der Materie erklärt, sich aus der Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln. "Ich habe meine Familie besser kennengelernt", sagt der Pensionär. "Erst durch die Arbeit daran habe ich viele Verwandte getroffen, die ich vorher gar nicht kannte."

 

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