Allzweckwaffen und Schweigepflicht

Im Friseursalon

Friseure sind die besseren Psychiater– das wird ihnen zumindest nachgesagt. Und wie sieht`s damit so aus in Heek? Werden hier die Dorfskandale ausgepackt? Wir haben für unsere Sommerserie "Eine Stunde ..." im Friseursalon von Simone Wermelt an der Bahnhofstraße Mäuschen gespielt.

HEEK

11.08.2017, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mareen Heying lässt sich von Simone Wermelt  verwöhnen,

Mareen Heying lässt sich von Simone Wermelt verwöhnen,

Es ist noch recht ruhig um Simone Wermelt und ihr Team. Die Zeiten haben sich eindeutig geändert. „Früher war der Freitag der Tag, an dem sich alle noch einmal schnell die Haare machen lassen für das Wochenende.“ Simone Wermelt ist seit über 15 Jahren im Geschäft und kann sich gut zurückerinnern.

Verwöhnen lassen

Trotzdem: Einige zieht es dann doch um 10 auf den Friseurstuhl, zum Beispiel Mareen Heying. Die Erzieherin aus Heek führt hier ihr Verwöhnprogramm der letzten Tage weiter durch: „Ich komme gerade aus dem Urlaub. Ich war zusammen mit einer Freundin auf Bali.“ Pure Entspannung für die 26- Jährige, allerdings nicht für ihre Haare. „Die Urlaubssonne hat mein Blond dann doch eher in ein Weiß verwandelt.“ Sie wird wohl noch die nächsten zwei Stunden hier sein. So lange möchte der kleine Lutz auf keinen Fall hier bleiben. Er ist drei Jahre alt, wurde von Papa Bernd zum Friseur geschleift. Bei ihm wird nur schnell der Pony gestutzt, damit er wieder den Durchblick hat. „Unsere kleinsten Kunden sind tatsächlich oft auch die schwierigsten“, erzählt Mitarbeiterin Nadine Büter. Will ein Kind den Kopf mal so gar nicht still halten, greift Nadine zur Allzweckwaffe: „Ablenkung klappt heute noch am besten mit dem Handy.“

Alles bleibt im Salon

Der kleine Lutz stopft sich noch schnell einen Belohnungsbonbon in den Mund und macht seinen Platz frei für Mechtild Kemper-Baum, die direkt von gegenüber kommt: „Ich arbeite bei Edeka und meine Schicht startet erst im Nachmittag. Also bin ich noch schnell rüber zum Schneiden und Färben.“ Sie ist mit dem Friseurteam per Du, so wie die meisten Kunden hier. Man kennt sich. „Das liegt wohl auch daran, dass unsere Kunden uns viel privates erzählen. Da wird man natürlich schnell vertraut“, so Simone Wermelt. Verraten werde aber nichts, sie und das Team hätten eine intern vereinbarte „Schweigepflicht“. Interessante Geschichten gäbe es immer wieder, extravagante Wünsche dafür selten. Salonhund Käthe gähnt und kuschelt sich verschlafen auf die grüne Wartecouch. Die Skandale bleiben heute wohl doch eher aus.

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