Amtsgericht kann 55-Jährigem gefährliche Fahrweise nicht nachweisen

hzAutobahn 31

Wegen massiver Drängelei auf der Autobahn stand ein 55-Jähriger vor Gericht. Doch das Opfer konnte ihn nicht identifizieren. Um ein Haar hätte der Mann aber doch noch den Täter geliefert.

Heek

, 11.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der A31 wurde im vergangenen September eine 32-jährige Frau aus Essen von einem anderen Autofahrer bedrängt, bedroht und ausgebremst. Der Vorfall hatte am Freitag ein Nachspiel vor dem Ahauser Amtsgericht.

Die Polizeibeamtin war damals an einem freien Tag auf der A31 unterwegs. In Höhe Heek fuhr ein anderes Auto auf der Überholspur erst sehr dicht auf. Später drohte ihr der Fahrer und scherte unmittelbar vor ihr ein. Beim nächsten Überholmanöver zog der Mann dann plötzlich wieder vor ihr auf die linke Spur und bremste sie extrem aus.

„Ich hab auf den Tacho gesehen. Es waren nur noch 40 Stundenkilometer“, sagte die Frau. Hätte sie nicht selbst so schnell reagiert, wäre es ohne Zweifel zum Unfall gekommen.

55-jähriger Angeklagter beteurt, nicht gefahren zu sein

Die Frau merkte sich das Kennzeichen und zeigte den Vorfall schließlich an. Im Gericht erkannte sie im Angeklagten zunächst den Fahrer. Sie habe ihm bei der Vorbeifahrt kurz erkannt. Doch der 55-Jährige aus Nordhorn beteuerte, selbst nicht gefahren zu sein.

Das Auto werde von etlichen Familienmitgliedern bewegt. Wer es gewesen sein könnte, sagte der Mann jedoch nicht. Allerdings legte er Fotos mehrerer Familienmitglieder vor, die ihm ähnlich sahen. Auf den Bildern konnte die Frau dann nicht mehr zweifelsfrei erkennen, wer im Auto saß.

Der Mann ließ über seinen Verteidiger weiter erklären, dass sein Name nur zufällig ins Spiel gekommen sei. Das Auto sei auf seine Frau zugelassen. Die habe nach der Anzeige Post von der Polizei bekommen, den Fragebogen aber wohl nicht richtig verstanden.

Vertreter der Staatsanwaltschaft sieht Lage eindeutig

Für den jungen Vertreter der Staatsanwaltschaft schien die Lage dennoch eindeutig: Die Zeugin habe den Angeklagten ja erkannt. Die Unsicherheit habe ja nur daher gerührt, dass sie nichts falsches sagen wollte. Eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe sei möglich.

Das ließ der Verteidiger nicht stehen: „Die Zeugin konnte nicht ausschließen, dass es vielleicht auch der andere Mann auf dem Foto gewesen ist“, sagte er und forderte Freispruch. Und in Richtung Staatsanwaltschaft: „Wenn solche Restzweifel bestehen, kann ein Gericht einen Angeklagten eben nicht verurteilen.“

Verteidiger bremst Angeklagten

Das sah der Richter auch so und sprach den Angeklagten frei. „Ich bin überzeugt, dass es diesen Vorfall gegeben hat, wir können nur nicht sagen, ob Sie der Täter waren“, machte er deutlich.

„Wenn einer Ihrer Angehörigen gefahren ist, sprechen sie ein ernstes Wort mit ihm. Das ist saumäßig gefährlich und geht überhaupt nicht.“

Der Angeklagte nickt. Leise sagte er, dass er das schon gemacht habe. Der Verteidiger hob da nur noch die Hände: „Ist gut, ist gut. Einfach nur zuhören!“

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