Brauchtum Osterfeuer: Osterkerze und Fackel sind der Anfang des Loderns

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Osterfeuer – Brauchtum, Romantik und noch vieles mehr. Wegen der Corona-Krise aber nicht in diesem Jahr. Darum werfen wir mal einen Blick in die spannende Nienborger-Osterfeuer-Geschichte.

Heek

, 05.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie macht auch vor der Brauchtumspflege keinen Halt. Und so fällt das zentrale Osterfeuer in Nienborg in diesem Jahr ins Wasser. Die strengen Sicherheitsauflagen ließen keinen Spielraum. Doch wie steht es allgemein um diese Tradition und wie hat sich diese vor Ort entwickelt? Fragen, die wir mit einem Blick in die Geschichte beantworten.

Denn ein für das vergangene Jahrhundert belegter kirchlicher Brauch des Allgemeinen Bürgerschützenvereins ist die Organisation des Osterfeuers. Dabei ist der Brauch des Osterfeuers germanisch-heidnischen Ursprungs. Das älteste schriftliche Zeugnis ist ein Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharis aus dem Jahr 751.

In Nienborg ist das Osterfeuer fest verankert

In diesem Brief wird ein Brauch beschrieben, der als „ignis pachalis“ (Passahfeuer) bezeichnet wird. Da die Frage aufgeworfen wird, wie im Sinne der Kirche damit umzugehen sei, lässt sich schließen, dass die römisch-katholische Kirche Osterfeuer noch gar nicht kannte. Davon ab ist das Osterfeuer im Sinne des Brauchtums ein in der Nienborger Orts- und Glaubensgemeinschaft eine fest verankerte öffentliche Veranstaltung, bei der es primär um das Gemeinschaftserlebnis geht.

Das Osterfeuer hat in Nienborg eine lange Tradition und hat seinen „Standort“ im Laufe der Geschichte gewechselt.

Das Osterfeuer hat in Nienborg eine lange Tradition und hat seinen „Standort“ im Laufe der Geschichte gewechselt. © Privat

Ursprünglich diente dieser Brauch dazu, den Winter zu vertreiben. So sollen die Menschen früher glaubt haben, dass der Schein des Feuers eine reinigende Wirkung habe und die keimende Saat vor bösen Geistern schütze. So galten die Feuer auch als Kult zur Sicherung der Fruchtbarkeit, des Wachstums und der Ernte.

Die Christen übernehmen den Brauch des Osterfeuers

Später wurde dieser Brauch dann von den Christen übernommen. Vor der Feier der Osternacht am Samstagabend wird an der Pfarrkirche St. Peter und Paul ein kleines Feuer entfacht. Daran entzündet der Priester die Osterkerze, die er anschließend ins Gotteshaus trägt.

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Während heutzutage das Holz für das Osterfeuer auf Veranlassung des Schützenvereins durch verschiedene Vereine zusammengefahren wird, hatten vor 1900 zwei durch das Los bestimmte Schäffer noch für das benötigte Holz zu sorgen. Auf ihre Veranlassung hin fuhren Nienborger Ackerbürger am Karfreitagmorgen das Holz für das Osterfeuer zusammen und stockten es auf. Dafür bekamen sie nach getaner Arbeit von den Schäffern „Zuckerbier“.

Die Bürgerschützen organisieren das Osterfeuer

Mittlerweile organisiert der Schützenverein das Osterfeuer, zu dessen Gestaltung auch der Musikverein Nienborg beiträgt. Bis 1939 fand es auf der Kusenborg statt. Ab 1950 wurde es alljährlich neben dem Nienborger Sportplatz abgebrannt, ehe es in den 90er-Jahren zur Callenbeck weiterzog.

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Dass nicht immer alles wie geplant lief, zeigt ein Vorfall vom Ostermontag 1982. Unbekannte setzten das Osterfeuer einfach eigenmächtig in Brand. Immerhin kam das neue Tanklöschfahrzeug 8/18 des Löschzugs Nienborg so zu seiner Premiere. In einem stundenlangem Einsatz gelang es den Feuerwehrmännern letztlich, den kompletten Abbrand zu verhindern – der dann am Tag darauf nachgeholt wurde.

2019 erfährt das Osterfeuer grundlegende Veränderungen

2019 erfuhr das zentrale Osterfeuer eine grundlegende Änderung. Denn die Stelle lag weit außerhalb des Ortes, sanitäre Anlagen waren nicht vorhanden, es bestand kein Schutz vor der Witterung und der Weg ab der Straße Hoge Stegge in Richtung Callenbeck war nicht ausgeleuchtet.

So sah das Osterfeuer 2019 in Nienborg aus. In der Feuerschale loderten die Flammen unter den wachsamen Augen des Löschzuges.

So sah das Osterfeuer 2019 in Nienborg aus. In der Feuerschale loderten die Flammen unter den wachsamen Augen des Löschzuges. © Privat

Einer der Gründe, so vermuten die Bürgerschützen, dass sich in den Jahren zuvor immer weniger Menschen beim Osterfeuer eingefunden hatten. Eine Lösung musste her. Und diese kam. 2019 wurde das Osterfeuer erstmals auf dem Festplatz in der Niestadt angezündet.

Pater Joy Madassery steckte in der Abendmesse an der Osterkerze eine Fackel an, mit der das Feuer entzündet wurde. Übrigens: Anstelle eines großen Osterfeuers wurde das Feuer auf einer eigens dafür angefertigten Feuerschale abgebrannt. Der Löschzug Nienborg sorgte dabei für ein „sicheres“ Abbrennen. Der Erlös des Volksfests ging an die karitative Einrichtung „Familie in Not“.

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