Bürgermeister Weilinghoff setzt auf Elektromobilität

Surrend in die Zukunft

Die Jungfernfahrt mit einem Elektroauto ist für jeden Neuling in diesem Metier etwas Besonderes - erst recht, wenn in dem kleinen, leisen Gefährt 170 Pferdestärken stecken. Die Münsterland Zeitung konnte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff übers Lenkrad gucken, während er die Neuinvestition der Gemeinde durch Heek steuerte.

HEEK

, 17.04.2016, 19:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nagelneu: das Elektromobil der Gemeinde Heek

Nagelneu: das Elektromobil der Gemeinde Heek

"Der Verkäufer meinte, an der Ampel lassen Sie alle stehen." Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff wundert sich immer noch über das, was sich da an Möglichkeiten unter der Haube des BMW i3 Rex (Range extender) verbirgt. Der auf den ersten Blick eher kleine Wagen straft viele Vorurteile gegenüber Elektroautos Lügen. Weilinghoff lacht: "Ich musste mich erstmal an die Power gewöhnen."

Forschungsprojekt Premium

Auf zwei Jahre hat die Gemeinde den Wagen geleast. Möglich machte es das Forschungsprojekt "Premium" des Bundesumweltministeriums, das von der Universität Duisburg begleitet wird.

Vorteil des Modells: Neben dem Elektromotor hat der Wagen einen Benzinmotor und einen kleinen Benzintank, wodurch sich die Reichweite, die für den Akku noch bei etwa 150 Kilometern liegt, auf etwa das Doppelte erhöht.

"Ich bin begeistert"

Weilinghoff steuert den Wagen auf die Bahnhofstraße. Ein leises Schnurren verrät, dass der Motor läuft. "Der hat das eingebaut, damit Fußgänger ihn hören können", mutmaßt der Bürgermeister.

Eben erst hat er den Wagen aus Münster abgeholt. Für beide ist es eine Jungfernfahrt: Der Wagen ist fabrikneu. "Ich bin begeistert", sagt Weilinghoff. "Der fährt zügig und ist gut in der Beschleunigung." Sonst fahre er einen Smart, bekennt Weilinghoff. Da hat der Neue trotz E-Motor einiges mehr zu bieten - vom Komfort angefangen über den Platz bis hin zur Power. Auf der B70 gibt Weilinghoff kurz Gas, um den Effekt zu demonstrieren. "Das merkt man schon", lacht er.

Absolut straßentauglich

Umgekehrt gefalle ihm, dass er fast nur den Gashebel bedienen muss. Sobald der Fuß vom Gas geht, bremst der Wagen ab - und führt Energie zurück in den Akku. Das erste Fazit fällt positiv aus: "Aus meiner Sicht ist der absolut straßentauglich", freut sich der Mann am Steuer.

Wer alles damit fahren darf, steht noch nicht ganz fest. "Ich möchte ihn gerne allen Gemeindebediensteten zur Verfügung stellen", erklärt er. Im Detail sei das noch zu klären.

"Tanksäule" am Rathaus

Genau wie der Ladeturnus. Wie die Ladezeiten aussehen, könne er noch nicht sagen. Eine "Tanksäule" hat die Gemeinde indes bereits am Rathaus installiert, mit Unterstützung der RWE. Zwei Plätze für Elektroautos stehen dort demnächst zur Verfügung. Der Wagen könne allerdings auch mit 230 Volt aus der "normalen" Steckdose geladen werden. Für die Uni müsse die Gemeinde dann regelmäßig berichten. Auf die Ergebnisse sei auch er gespannt. Und nicht nur darauf: "Wie der sich in den Wintermonaten verhält, das wird spannend."

Einziger Pferdefuß ist und bleibt der Preis, der nun wiederum alle bekannten Vorbehalte bestätigt: "In der Liste steht er mit 43000 Euro", sagt Weilinghoff. Sonst wäre der Wechsel auch privat durchaus eine Option. "Wenn die in Serie gingen, wäre das für mich überhaupt keine Überlegung."

Auch hier könne das Projekt einen Schritt in Richtung Besserung bedeuten, weil höhere Nachfrage und staatliche Förderung positiv auf die Preise einwirken. "Wenn wir als öffentlicher Träger das nicht machen, wer dann?", fragt sich der Bürgermeister. Und er ist sicher: "Der alte Otto-Motor - das ist ein Auslaufmodell."

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