Bürgerschützen Nienborg: Schützenfeste und ein spezieller Königsschild

hzSerie zum Jubiläum

Der Allgemeine Bürgerschützenverein Nienborg „feiert“ 2020 sein 500-jähriges Bestehen. In einer Serie blicken wir auf die Vereinsgeschichte zurück. In Teil fünf geht es um die Zeit nach 1945.

von Martin Mensing

Heek

, 29.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die ganz große Sause gab zum 500. Geburtstag in diesem Jahr nicht. Die Coronakrise machte den Bürgerschützen Nienborg einen Strich durch die Rechnung. Doch ein kleines Rahmenprogramm hatten sich die Schützen dann doch für das erste Augustwochenende überlegt.

Und auch, wenn die Feierlichkeiten schon ein paar Wochen zurückliegen: Die Serie zum großen Jubiläum geht in die nächste, die fünfte Runde. Dabei geht es diesmal um die Zeit nach 1945. Und in dieser sah es zunächst gar nicht so gut aus aus für die Nienborger Schützen.

Ein Schützenfest schien lange unmöglich

Denn der Gedanke an ein Schützenfest als Volksfest schien nach dem Zusammenbruch 1945 für lange Zeit unmöglich. Die Militärregierung löste die Schützenvereine offiziell auf. Nur die „Katholische Historische Deutsche Schützenbruderschaft“ wurde genehmigt.


Nicht wenige waren von Skepsis erfüllt, ob die Zeit schon wieder reif sei, um ein Schützenfest feiern zu können. Letztlich überwog aber den Wunsch, an überlieferte Traditionen wieder anzuknüpfen. Im Frühjahr 1948 wurden erste Überlegungen angestrengt, in Nienborg wieder ein Schützenfest zu feiern.

Brauchtum wird wieder aufleben gelassen

Um dieses Brauchtum wieder aufleben zu lassen, trafen sich im Juni 1948 die damaligen Nienborger Schützenvereine: Callenbeck, Bürgerschützen und Wext, Wichum, Ammert. Sie schlossen sich für eine kurze Zeit zu einer „Historischen Schützenbruderschaft Nienborg“ zusammen, jedoch mit eigenen Befugnissen und Schützenfesten.

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In den vorläufigen Vorstand wurden gewählt: Rudolf Heemann, Bernhard Hewing (Nienborg), Wilhelm Schlichtmann, Theodor Holtkamp (Callenbeck), H. Niehoff, Hermann Alte-Epping (Wext, Ammert, Wichum). Zur ersten öffentlichen Versammlung nach den Kriegswirren kamen die Schützenbrüder am 15. Mai 1949 in der Gaststätte Enseling zusammen.

Schützen- und Sommerfest wird wieder gefeiert

Im Folgejahr wählten die Bürgerschützen auf der Generalversammlung in der Gaststätte Wissing einen elfköpfigen Vorstand. Die Mitglieder gedachten besonders dem im Krieg gefallen Vorsitzenden Franz Fabry. Zu seinem Nachfolger wurde Bernhard Lammers gewählt, sein Stellvertreter blieb Rudolf Heemann.

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Anschließend erklärte die Versammlung einstimmig den Austritt aus der „Katholischen Historischen Deutschen Schützenbruderschaft“, da die laufenden Kosten nicht aufgebracht werden konnten. Damit war zugleich die „Historische Schützenbruderschaft Nienborg“ aufgehoben. Weiter wurde beschlossen, von nun an alle zwei Jahre ein Schützenfest zu feiern, dazwischen jeweils ein Sommerfest.

Presse berichtet über das Schützenfest

Diese Festfolge wird seitdem beibehalten. In den ersten Jahren nach dem Krieg führte Otto Haase als Oberst das Offizierscorps an. Das erste Schützenfest feierten die Nienborger 1950. Auf dem Sportplatz wurde eine neue Schützenstange errichtet. Es war ein großes Volksfest. Die Schulkinder zogen im Schützenzug mit zur Vogelstange.

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Die Presse berichtete „Nienborg feiert sein Bürgerschützenfest - König Bernhard regiert – Alter Brauchtum lebte wieder auf.“ Königspaar wurden Bernhard Borgers und Guste Kurth. Präsident Bernhard Lammers wurde am letzten Schützenfesttag Scheibenkönig.

Neuer Vereinsgruß in Satzung aufgenommen

Beim Clemensmarkt am 23. November 1950 fand ein Beisammensein zahlreicher Schützenbrüder zum gemeinsamen Moosessen in der Gaststätte Hoffkamp statt. In der Generalversammlung Anfang 1951 wurde folgender Vereinsgruß in die Satzung aufgenommen: „Horrido“, „Hussa“, „Hussasa“. Für die Offiziere wurden 11 Degen angeschafft. 1953 wurde das Kriegerehrenmal renoviert.

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1956 feierte der Allgemeine Bürgerschützenverein sein 275-jähriges Jubiläum. Zum Jubiläumsfest wurde das Amt des Generals, der ranghöchste Offizier, geschaffen. Hierzu wurde der bisherige Oberst Heinrich Blömeke ernannt, der das Amt seit 1952 inne hatte. Das Fest wurde in erster Linie unter den Mitgliedern des Vereins nach alter Tradition gefeiert.

Königsschild aus einem 5-DM-Stück

Mit Ausnahme des Vereins Ahle-Süd waren sämtliche Schützenvereine aus dem Amtsbezirk Nienborg der Einladung zum Jubiläumsfest gefolgt. Das 1000 Quadratmeter große Zelt war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele ehemalige Nienborger nahmen daran teil. Um die Bewirtung der Festgäste kümmerte sich Festwirt Hans Mümken aus Nienborg. Jubiläumskönig wurde Schmied Bernhard Schlüter. Zu seiner Königin erkor er sich seine Ehefrau Josefine Schlüter, geborene Hinkers. Aus einem 5-Mark-Stück fertigte er sich sein Königsschild.

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Für den Preis von 1350 DM erwarb der Verein im Jahr 1960 bei der Firma Fahnen Reuther eine neue Schützenfahne. Der Schriftzug über dem Wappen der Provinz Westfalen „Für Bürgersinn und Heimattreue“ steht sinnbildlich für die im Verein bestehende Einigkeit, Brüderlichkeit und inneren Zusammenhalt von Jung und Alt.
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Im Januar 1966 wurde Josef Pelster neuer General. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm drei Jahre später Bürgermeister Josef Pegel von Bernhard Lammers. Ende der 60er Jahre wurden das Stern- bzw. Scheibenschießen und das Aufziehen der Wachen und das Aufstellen der Ehrenposten aufgegeben.

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