Daniel Gausling (43) über „Bausünde“ im Brinker Esch: „Unfassbar, was hier passiert!“

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Im Brinker Esch ist über viele Jahre eine idyllische Einfamilienhaus-Siedlung entstanden. Doch das jüngst angelaufene Bauprojekt untergräbt dieses beschauliche Bild. Zum Ärger der Nachbarn.

Heek

, 10.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Daniel Gausling (43) kann nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn er in seinem Garten im Brinker Esch steht. „Unfassbar, was hier gerade passiert“, sagt der 43-Jährige und deutet auf die Baustelle, die derzeit rückwärtig an sein Grundstück angrenzt. Als „Bausünde“ bezeichnet er das Bauwerk, das dort seit Januar hochgezogen wird.

Rückblende: Ende der 90er-Jahre hat die Gemeinde Heek im Brinker Esch mit dem Bebauungsplan „Heidkamp II“ Häuselbauern die Möglichkeiten eröffnet, Eigenheime in Form von Einfamilienhäusern zu bauen. So ist im Laufe der Jahre eine Siedlung entstanden, die ein einheitliches Straßenbild prägt. Zwei Grundstücke blieben jedoch unbebaut. Auf einem der Beiden ensteht aktuell jenes Bauvorhaben, welches das idyllische Bild der Siedlung laut Daniel Gausling untergräbt.

Die Baugrenze wird um 1,30 Meter überschritten

Denn es entsteht eine Doppelhaushälfte mit insgesamt vier Wohneinheiten. Ein Novum in der beschaulichen Siedlung. Das Treppenhaus soll laut Planung mit einer Stahltreppe außerhalb des Gebäudes liegen. Die zwei geplanten Balkone ragen unmittelbar an die Grundstücksgrenze der Gauslings heran, denn die eigentlich geltende Baugrenze wurde um 1,30 Meter überschritten.

Die Balkone des Neubaus liegen auf Höhe der gut zwei Meter hohen Hecke der Gauslings.

Die Balkone des Neubaus liegen auf Höhe der gut zwei Meter hohen Hecke der Gauslings. © Till Goerke

Schließlich mussten auch noch fünf der sechs rechtlich notwendigen Stellplätze ihren Platz auf dem Grundstück finden – im vorderen Bereich. Darum musste der Bau nach hinten rücken. Auf den sechsten Stellplatz verzichtet der Bauherr. Stattdessen zahlt er der Gemeinde eine Ablösung. Das ist über die Stellplatzsatzung der Gemeinde möglich. Rechtlich alles sauber. Das bestätigt Bauamtsleiter Herbert Gausling auf Nachfrage.

Ist das Bauvorhaben rechtlich zulässig?

Aber wie sieht es mit dem Bauvorhaben als solches aus? Es sei ein komplexes Thema, an dem viele Parteien beteiligt seien, so der Bauamtsleiter. Mehrfach sei das Bauvorhaben im nicht-öffentlichen Teil des Bauausschusses behandelt worden. „Die Planungen wurden mehrfach geändert. Es ist jetzt eine rechtlich zulässige Lösung.“ Und eine Entscheidung der Lokalpolitiker. Die Baugenehmigung erteilte der Kreis Borken als Bauaufsichtsbehörde.

Im Hintergrund ist das Haus von Daniel Gausling zu sehen. Seine Sorge: Dass das aktuell noch brach liegende Grundstück ebenfalls auf „fragwürdige“ Weise bebaut wird.

Im Hintergrund ist das Haus von Daniel Gausling zu sehen. Seine Sorge: Dass das aktuell noch brach liegende Grundstück ebenfalls auf „fragwürdige“ Weise bebaut wird. © Till Goerke

Dinge, die Daniel Gausling herzlich wenig interessieren. „Für uns und die umliegenden Nachbarn ist es ist auch eine Wertminderung der Grundstücke. Es ist schade, dass die Gemeinde die bedachten Bebauungsrichtlinien einfach so über den Haufen geworfen hat.“ Im Spätsommer 2019 habe er, so erzählt der 43-Jährige, von dem Bauvorhaben durch den Bauherren erfahren. „Wir haben da schon unsere Bedenken geäußert.“ Letztlich vergeblich.

Festsetzungen des Bebauungsplans in Frage gestellt?

Daniel Gausling sagt: „Die Gemeinde hat ihr Einvernehmen zu einem Bauvorhaben erteilt, dass die Festsetzungen des Bebauungsplans „Heidkamp II“ grundlegend in Frage stellt.“ Und: „Warum leistet die Gemeinde Heek fiskalischen Einzelinteressen ohne nachvollziehbaren Grund Vorschub, obwohl damit letztlich eine ausgewogene, seit Jahrzehnten tragfähige Planung konterkariert wird?“

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Denn grundsätzlich wäre es ja möglich gewesen, dort nur zwei Wohneinheiten und somit eine „normale“ Doppelhaushälfte zu bauen. „Es ist der politische Wille, maßvoll nachzuverdichten“, stellt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Anfrage klar. Natürlich sei der aktuelle Fall das Maximum, was baurechtlich an dieser Stelle zulässig sei. „Wir haben über die Entscheidung intensiv diskutiert und uns diese nicht leicht gemacht.“

Es prallen viele Einzelinteressen aufeinander

Letztlich prallen viele Einzelinteressen aufeinander. Pläne des Bauherren, Wille der Politik und das Interesse der Nachbarn. Eine klassische Zwickmühle. „Wir als Gemeinde müssen zusehen, dass Baugebiete in Zukunft zu hundert Prozent erschlossen werden“, so Franz-Josef Weilinghoff. Damit eine Situation wie im Brinker Esch gar nicht mehr erst entstehen könne.

Und wie geht es für Daniel Gausling und seine Familie jetzt weiter? Kurzfristig sei das Pflanzen eines weiteren, großen Baumes im Garten geplant. Als natürlicher Sichtschutz. „Und wir prüfen weitere rechtliche Schritte. Auch mit Blick darauf, dass so etwas hier in der Gemeinde nicht noch mal passiert“, so der 43-Jährige.

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