Das Fachgeschäft Pieper kapituliert vor Internet-Dumpingpreisen – gibt aber nicht auf

hzWirtschaft in Heek

Das Fachgeschäft Pieper in Heek gibt es seit 54 Jahren. Jahrzehntelang war alles im Lot. Doch seit Mitte der 2000er-Jahre setzen die Internet-Dumpingpreise dem Familienunternehmen stark zu.

Heek

, 12.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Name Pieper ist in Heek seit 1965 fest mit den Begriffen Uhrmacherhandwerk und Schmuck verbunden. Das Familienunternehmen, das jetzt in zweiter Generation von Uhrmachermeisterin Jutta Kösters (52) geführt wird, hat sich jahrelang der massiven Internet-Konkurrenz widersetzt. Doch letztlich wurde der Preisdruck zu groß. Jutta Kösters zieht Konsequenzen. Eine Konzeptumstellung soll langfristig den Erhalt des Familienunternehmens sichern.

„Da blutet mir schon das Herz, aber im Familiengespräch wurde uns klar: Es muss etwas passieren. So konnte es nicht weitergehen“, sagt Jutta Kösters, die das Geschäft 2007 von ihren Eltern übernahm. Bereits Anfang des Jahres habe man sich Gedanken über eine Veränderung gemacht.

Der Preiskampf gegen die Internetangebote wurde zu groß

Das Problem: Uhren und Schmuck gibt es auf unzähligen Internetseiten zu kaufen. Selbst auf großen Versteigerungsplattformen bekommt man diese Artikel in jeder erdenklichen Qualität. Und das oftmals zu einem Preis, bei dem Jutta Kösters nicht mitgehen kann. Und auch nicht will.

Das Fachgeschäft Pieper kapituliert vor Internet-Dumpingpreisen – gibt aber nicht auf

Noch sind die Schaufenster bei Pieper mit Uhren und Schmuck gefüllt. Doch das ändert sich mit Beginn des kommenden Jahres. Der „Abverkauf“ läuft auch Hochtouren. © Till Goerke

„Da muss man einfach die Vernunft walten lassen“, sagt sie. Den Preiskampf hat das Internet gewonnen. Dass das mal so kommen würde, habe sich bereits 2007 angedeutet. Lange wehrten sich Jutta Kösters (52) ihr Mann Ralf (52), der im Geschäft tatkräftig aushilft, und Teilzeitkraft Ute Brüning dagegen. Doch letztlich mussten sie zähneknirschend in die Preiskampfniederlage „einwilligen“.

Aufgeben ist für Jutta Kösters keine Option

Doch Aufgeben war nie eine Option. „Dazu hänge ich viel zu sehr an diesem Familiengeschäft. Da steckt so viel Herzblut drin“, so die 52-Jährige. Die Lösung? Eine Konzeptumstellung. Mit dem Jahreswechsel trennt sich Jutta Kösters von all dem, was sich finanziell überhaupt nicht mehr rentiert. Uhren und Schmuck wird es dann bei Pieper nicht mehr zu kaufen geben. „Viele denken, wir schließen, aber das stimmt nicht. Wir verändern nur etwas.“

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Unberührt soll das „Trauringstudio“ sein. „Das lassen wir erst mal weiterlaufen. Die Nachfrage gibt uns Hoffnung. Bei diesem emotionalen Thema suchen die Menschen die Fachberatung.“

Die Beratung soll in den Mittelpunkt rücken

Und Beratung ist das entscheidende Wort der Konzeptumstellung. „Wir wollen mit all dem punkten, was das Internet nicht bieten kann“, stellt die Uhrmachermeisterin klar. Persönlicher Service, Beratung und natürlich auch weiterhin die Reparatur von Uhren. „Das ist das Schöne an der Sache. Ich kann mich wieder vermehrt auf das konzentrieren, was mir besonders Spaß macht.“

Das Fachgeschäft Pieper kapituliert vor Internet-Dumpingpreisen – gibt aber nicht auf

Jutta Köster`s Arbeitsplatz in der kleinen Werkstatt. Zukünftig will sich die Uhrmachermeisterin wieder mehr auf diese Arbeit konzentrieren. © Till Goerke

Und das ist das Handwerk rund um Uhren. „Da ist die Nachfrage glücklicherweise gut, ein wichtiges Standbein für uns.“ Und ein Blick in die kleine Reparaturwerkstatt belegt das. An der Wand hängen fein säuberlich aufgereiht etliche Uhren. Reparaturauftragsarbeiten. 2015/2016 übernahm Jutta Kösters diesen Bereich des Geschäftes von ihrem Vater, ebenfalls Uhrmachermeister. „Er hatte sich den Ruhestand ja auch mal verdient.“

Viele Kunden nutzen das Uhr-Reparaturangebot

Dass Reparaturarbeiten bei Uhren gefragt sind, wird am Donnerstagmorgen beim Vor-Ort-Gespräch deutlich. In regelmäßigen und nicht langen Abständen betreten immer wieder Kunden das Geschäft. „Ich möchte meine Uhr abholen“ oder „die Batterie meiner Uhr muss gewechselt werden“, ist dabei nicht nur einmal zu hören.

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Übrigens: Alle Schützenvereine können beruhigt sein. Auch zukünftig können sich diese bei Pieper ihre Königschilder anfertigen lassen. Das gilt auch für Pokale, Gravuren und Ehrenpreise. Auch der der Altgold und -silberankauf sowie der Passfoto-Service wird aufrechterhalten. Uhren und Schmuck werden hingegen aus den Auslagen verschwinden.

Der Abräumverkauf läuft

Und damit diese leer werden, läuft bereits seit dem Laternensonntag (10. Dezember) der „Abverkauf“ noch bis zum Jahresende. „Es muss eben alles raus“, sagt Jutta Kösters. Und was passiert dann mit der großen Fensterfront, in der die Ware bisher präsentiert wird? „Wir haben da schon einige Ideen.“

So könnte die lange Fensterfront in den entsprechenden Bereichen beispielsweise mit einer Sichtschutzfolie beklebt werden, auf der mit Symbolen die Dienstleistungen abgebildet sind, welche das Fachgeschäft weiterhin anbietet. „Also ein Trauring, Pokale und ein Uhrwerk. Wir sind noch in der Planung.“

Die Öffnungszeiten werden sich ändern

Einhergehend mit der Konzeptänderung wird es auch geänderte Öffnungszeiten geben. Ab 2020 wird das Geschäft an der Bahnhofstraße nur noch an zweieinhalb Tagen in der Woche die Türen öffnen. Was im ersten Moment verwunderlich klingt, ist durchdacht. „Die Öffnungszeiten sind an das veränderte Angebot angepasst. Alles andere würden sich auch gar nicht mehr lohnen“, erklärt Jutta Kösters.

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