Die Heekerin Elke Koziol wird zu Hause unruhig und ist erst im Bürgerbus entspannt

hzEhrenamts-Serie

In unserer Ehrenamts-Serie stellen wir Heeker vor, die sich mit Herzblut um Gesellschaft und Dorfleben verdient machen. Elke Koziol will nicht zu Hause sitzen und fährt lieber Bürgerbus.

Heek

, 21.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Jeden zweiten Mittwochvormittag steht Elke Koziol an der evangelischen Kirche und wartet auf den Bürgerbus. Das Prozedere ist eingespielt: Hans Funke nimmt sie mit durch Nienborg und über die Bült geht es zur Legdener Straße, wo Elke Koziol das Steuer übernimmt. Viele Worte brauchen sie nicht. „War viel los?“, fragt Koziol. „Sieben Leute. Eher Durchschnitt“, so die Antwort.

Seit sechs Jahren fährt Elke Koziol den Bürgerbus alle zwei Wochen. Drei Stunden dauert ihre Tour inklusive Anfahrt: Legden, Heek, Ahaus und zurück. Die Strecke kennt sie inzwischen im Schlaf. Ihre Mitfahrer begrüßt sie fast alle persönlich. Und immer mit einem Lächeln. „Das sind fast immer die gleichen. Man kennt sich.“

Als Fahrerin ist sie auch Zuhörerin. „Manche erzählen mir in zehn Minuten ihr ganzes Leben“, sagt die 73-jährige. Ist es anderswo verboten, den Busfahrer anzusprechen, gehört der Schnack im Bürgerbus einfach dazu.

Kein Verständnis für Raser

In Asbeck hupt sie und winkt der Postbotin zu. „Die ist bei mir im Chor“, erklärt sie. Man kennt sich. Ansonsten braucht sie die Hupe eher selten. Denn am Steuer ist sie die Ruhe selbst. Geduldig macht sie Treckerfahrern Platz, wenn es mal eng wird.

Für Stress und Raserei im Verkehr hat sie kein Verständnis. „Immer schön easy. Man braucht doch gar nicht schnell fahren“, sagt die Rentnerin. Wie zur Bestätigung hält sie für fünf Minuten am Legdener Bahnhof, weil sie vor der fahrplanmäßigen Abfahrt da ist.

Die Heekerin Elke Koziol wird zu Hause unruhig und ist erst im Bürgerbus entspannt

Am Steuer lässt Elke Koziol sich nicht stressen. © Falko Bastos

Auch in der Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe in Nienborg engagierte sich die Rentnerin. Im Chor „Gospeltrain Ahaus“ ist sie Notenwartin. „Ich will nicht zu Hause rumsitzen“, erklärt sie ihre Motivation. „Langeweile ist nicht meins.“ Vor sechs Jahren sei sie dann angesprochen worden, ob sie den Bürgerbus fahren will – und war gleich überzeugt. „Das ist doch eine super Sache.“ Einmal wöchentlich fuhr sie anfangs. Aber weil neue Fahrer dazukamen, ist es nur noch im zwei Wochen-Takt. An ihr liegt es nicht. „Ich würde gerne öfter fahren.“

Privat fährt sie Fahrrad – und Wohnmobil

Denn: „Ich will beim Fahren dranbleiben“, erklärt sie. Privat besitzt sie kein Auto mehr. „Ich nehme für fast alles das Fahrrad oder den Bus“, sagt die Rentnerin. „Man kommt ja überall hin.“

Wenn sie Auto fährt, dann meist ein Nummer größer. Einmal im Jahr allerdings fährt sie mit einer Freundin mit dem Wohnmobil in den Urlaub, kürzlich bis nach Kroatien. Dort habe sie ungläubige Blicke geerntet, verrät sie. „Das ist doch nichts anderes als ein normaler Pkw. Es soll auch Frauen geben, die so etwas können.“

Es bleibt ein ruhiger Vormittag im Bürgerbus. Ein Fahrgast in Legden, einer in Nienborg. „Ab und zu steigt auch gar keiner ein.“ Elke Koziol nimmt es wie es kommt. „Dann kann ich mir die Landschaft ansehen.“

  • Der Bürgerbus fährt fünfmal täglich von Montag bis Freitag zwischen den Endstationen Bahnhof Legden und dem St. Marien-Krankenhaus Ahaus. 56 Minuten dauert die Fahrt zwischen den Endstationen.
  • Dabei werden je Strecke 38 Haltestellen in von Legden - Asbeck - Wehr - Schöppingen/Gemen - Nienborg - Heek - Ahle und Ahaus angefahren.
  • Der Bürgerbus ging 1985 als bundesweit erster an den Start und hat seitdem über 125 Nachahmer in NRW gefunden.
  • Derzeit fahren etwa 40 Fahrer den Bürgerbus als Ehrenamtliche. Für den erforderlichen Personenbeförderungsschein ist sowohl ein polizeiliches Führungszeugnis, als auch eine regelmäßige medizinische Untersuchung nötig, die der Bürgerbusverein übernimmt.
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