Dürre bringt Maisernte in Gefahr: Nur noch genügend Regen könnte Heeker Landwirten helfen

hzLandwirtschaft in Heek

Der Blick auf manches Maisfeld treibt den Landwirten in Heek und Nienborg Sorgenfalten auf die Stirn. Je nach Boden ist er halb so groß wie normal. Und trocken. Wird vorzeitig gehäckselt?

Heek

, 30.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Getreideernte haben die Landwirte abgehakt – aktuell ist es der Mais, der ihnen Sorgen macht. Schon für den Laien ist von weitem zu erkennen, dass die Maispflanzen auf vielen Äckern einfach nur trocken ist. Die Profis, Paul Weßling als Ortslandwirt für Nienborg und Heinz Benfeld als Ortslandwirt von Heek, bestätigen den Eindruck im Gespräch mit der Redaktion. Guter und ergiebiger Regen könnte vieles ändern. Aber er müsste bald kommen, sagen beide.

Die Landwirtschaft ist vom Wetter abhängig. Das kennen die Landwirte. Der Blick auf den Wetterbericht ist tägliches Ritual. Aktuell aber ist Regen wirklich das Zünglein an der Waage, wenn es darum geht, wie die Maisernte ausfällt. Wenn es nun in der zweiten Wochenhälfte, wie eigentlich angekündigt, regnet, könnte mancher Maisanbauer wieder Hoffnung schöpfen. „Wenn richtig Regen kommt dieser Tage, dann ist das gut. Aber die Frage ist trotzdem: Nimm die Maispflanze ihn auch auf?“, sagt Heinz Bendfeld, worauf es ankommt.

Nur noch genügend Regen könnte Heeker Landwirten helfen

Denn je nachdem, auf welchem Boden der Mais – eine Tropenpflanze – steht, könnte es schon zu spät sein dafür, dass sich die Maiskolben richtig ausbilden. „Der Mais lebt von der Hand in den Mund“, beschreibt Paul Weßling den bisherigen Wachstumsverlauf. Rein punktuell seien vorvergangenen Samstag Schauer gefallen. Und wenn dieser Regen Mais auf schwerem Boden erwischt hat, könnte dieser sich noch gut entwickeln. Aber wenn der auf Sandboden angepflanzte Mais seit Wochen keinen Regentropfen gesehen hat und auch in den nächsten Tagen keinen Regen abbekommt, müssen die Eigentümer sich bald Gedanken machen, ob sie diese Pflanzen vorzeitig häckseln.

Müssen die Häcksler schon bald starten?

Auf rund zwei Wochen schätzt Paul Weßling diesen Zeitraum des Abwägens ein. Mit und ohne Regen. Wie gesagt: Es bleibt abzuwarten, ob die Pflanzen etwaigen Regen aufnehmen und dann Früchte bilden. „Wir können ja nicht in die Zukunft gucken“, beschreibt der Heinz Bendfeld das Dilemma. Es könne sich ja von Tag zu Tag ändern.

Dürre bringt Maisernte in Gefahr: Nur noch genügend Regen könnte Heeker Landwirten helfen

Der Nienborger Ortslandwirt zeigt, worauf es ankommt: Entwickelt sich die Frucht noch weiter? Falls nicht, muss der Mais schon bald gehäckselt werden – Wochen vor der eigentlichen Erntezeit. © Markus Gehring

Wenn die Maispflanze keine Kolben bildet, dann werden die Landwirte häckseln und den Mais silieren. Das müsse sein, weil für das Silieren die Pflanzen noch eine Grundfeuchte haben müssen. „Stehen lassen geht gar nicht“, betont Paul Weßling, dass es keine Alternative gibt. Von dem Dilemma wären dann vor allem die Schweinemäster betroffen, die den Körnermais an ihre Tiere verfüttern wollen, sagt Heinz Bendfeld. Diese müssten dann die frühzeitig gehäckselte Silage an Rindviehhalter oder Biogasanlagenbetreiber verkaufen – und von dem Erlös das Futter für ihre Schweine kaufen. Und hoffen, dass sie am Ende bei plus minus Null wieder rauskommen.

Auch beim Getreide kommt es auf die Bodenbeschaffenheit an

Ein kurzer Rückblick auf die Getreideernte zeigt, dass es auch da auf die unterschiedlichen Böden ankommt. Heinz Bendfeld selbst hat eine bessere Ernte eingefahren als letztes Jahr, was nicht heißt, dass sie an die Durchschnittserträge der vergangenen Jahre herankommt. Die Trockenheit hat sich überall ausgewirkt, „die Grundfeuchte ist einfach nicht im Boden“, erklärt der Heeker Ortslandwirt. „Bei den besseren Böden ging es“, hat Paul Weßling erfahren und von seinen Berufskollegen aus Nienborg gehört.

Sieben Tonnen Gerste pro Hektar hat er eingefahren – aber in richtig guten Jahren sind es auch schon mal elf Tonnen pro Hektar. „Bei mir ist die Gerste so gerade mit dem Wasser ausgekommen“, blickt Weißling zurück. Bei Weizen und Triticale sei die Ernte nach seiner Kenntnis auch unterdurchschnittlich gewesen. Selbst die Grasernte ist nicht gut ausgefallen: Der zweite Schnitt für die Silage hätte längst geschehen müssen. Es ist zu trocken dafür.

Landwirte stehen vor schwieriger Entscheidung

Heinz Bendfeld hält fest, dass es gerade in diesem Jahr, nach der lang anhaltenden Trockenheit, jede Kleinigkeit in der Bearbeitung der Felder auswirke. „Es ist schwierig zu entscheiden, wann man welchen Schritt machen muss“, sagt er. Die Landwirte halten eine Fruchtfolge ein, das heißt, sie wechseln bei der Bewirtschaftung ihrer Äcker die Pflanzen. Heinz Bendfeld hat einen Acker mit leichtem Boden, da wäre nächstes Jahr Mais an der Reihe. Aber soll er es wagen? Kommt ein dritter trockenes Jahr?

Heinz Bendfeld spricht davon, die Hoffnung auf Besserung nicht zu verlieren. Und auch Paul Weßling: „Sonntag ist Siebenschläfer vorbei, vielleicht ist dann Hoffnung.“ Wie gesagt, die Landwirtschaft ist vom Wetter abhängig. Das kennen die Landwirte.

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