Traumatisiert und mittellos: Flüchtlingsfamilie in Heek steht nach Haus-Abriss vor dem Nichts

hzSturmtief „Sabine“

Durch das Sturmtief „Sabine“ hat eine siebenköpfige Flüchtlingsfamilie ihr Haus verloren. Sie steht vor dem Nichts. Und die Kinder sind traumatisiert. Eine Spendenaktion soll jetzt helfen.

Heek

, 13.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Sturmtief „Sabine“ hat in Heek für eine Tragödie gesorgt. Eine siebenköpfige Flüchtlingsfamilie aus Syrien verlor ihr Zuhause. Die Wucht des Sturms riss den Giebel ihres Hauses an der Ludgeristraße am Sonntagabend mit einem lauten Knall zu Boden. Das Haus wurde in der Folge abgerissen. Ein traumatisches Erlebnis, besonders für die fünf Kinder.

Ein persönliches Gespräch zwischen der Familie und dieser Redaktion hat es trotz vorheriger Zusage der Eltern nicht gegeben. Zuvor soll die Bild-Zeitung versucht haben, die Familie zu kontaktieren. Das berichten Zeugen am Mittwochabend (12. Februar) dieser Redaktion in einem Telefongespräch. Möglich, dass der Rückzieher der Familie damit zusammenhängt. Beweisen lässt sich das allerdings nicht.

Die fünf Kinder sollen stark traumatisiert sein

Dessen ungeachtet seien die fünf Kinder der Familie durch die jüngsten Ereignisse stark traumatisiert. Die Zerstörung des Hauses, der Krach, die „Flucht“ – all das habe Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse im Syrienkrieg wieder real werden lassen. Das berichtet die Heekerin Claudia Kersten, eine jahrelang enge Freundin der siebenköpfigen Familie.

Traumatisiert und mittellos: Flüchtlingsfamilie in Heek steht nach Haus-Abriss vor dem Nichts

Der Krieg in Syrien tobt seit 2011. Rund 11,6 Millionen Syrer waren 2015 auf der Flucht. Rund 5 Millionen Syrer sollen es geschafft haben, das Land zu verlassen. So wie die siebenköpfige Familie aus Heek. © pa/obs Aktion Deutschland Hilft

Die nachfolgenden Schilderungen basieren auf ihren Ausführungen. Denn Claudia Kersten möchte der Familie „einfach nur helfen.“ Die Menschen, so sagt sie, sollen erfahren, was diese Familie schon an Leid hat erfahren müssen und jüngst durch „Sabine“ wieder erfuhr.

Es werden viele Spenden benötigt

„Schön wäre es, wenn sich möglichst viele Menschen finden würden, die der Familie mit einer Spende in dieser Notsituation helfen.“ Möglich ist das über das Spendenkonto der Caritas Ahaus/Vreden.

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Spendenkonto:
  • Jede Spende geht auf das Spendenkonto der Caritas.
  • Die IBAN ist bei der Caritas oder Claudia Kersten, Tel. (0151) 67513651, erhältlich.
  • Bei Verwendungszweck muss folgendes angegeben sein: Heek, Ludgeristraße - zur freien Verwendung.

Und wie bitter nötig jeder Cent ist, zeigt sich mit Blick auf das Hab und Gut, das der Familie nach dem Sturm noch geblieben ist. Fünf Tragetaschen. Gefüllt mit ein bisschen Kleidung und Bettzeug. Und ein paar Elektrogeräte. Mehr nicht. Die Möbel wurden verschrottet. Zu groß war das Risiko, das Haus an der Ludgeristraße noch mal zu betreten. Aus statischen Gründen.

Die Suche nach einer angemessenen Wohnung läuft

Aktuell ist die Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in der Brinkstraße untergebracht – unter „fragwürdigen“ Bedingungen. Doch mehr konnte die Gemeinde in der Kürze der Zeit für eine Familie dieser Größe nicht organisieren. Hinter den Kulissen wird fieberhaft an einer angemessenen Lösung gearbeitet.

Traumatisiert und mittellos: Flüchtlingsfamilie in Heek steht nach Haus-Abriss vor dem Nichts

Schätzungen zufolge sollen bis April 2018 rund 400.000 Menschen im Syrienkrieg getötet worden sein. Die siebenköpfige Familie aus Heek hatte bei der Bombardierung ihres Hauses viel Glück im Unglück – alle überlebten mit nur kleineren Blessuren. © dpa

„Eine Wohnung, ein Ort der Sicherheit ist jetzt ganz wichtig für die Familie.“ Es müsse nichts Extravagantes sein, nur etwas, das „menschenwürdig“ sei. „Alle brauchen jetzt Ruhe und das Gefühl von Geborgenheit, um das Erlebte aufarbeiten zu können.“ Denn besonders der psychische Zustand der Kinder sei kritisch.

Alte Ängste spielen plötzlich wieder eine Rolle

„Feuerwerkskörper zu Silvester haben schon ausgereicht, um den Kindern eine höllische Angst einzujagen.“ Doch all das sei nichts gegen die jüngste Sturmtragödie gewesen. „Das muss dem, was die Familie im Syrienkrieg erlebt hat, sehr nahe gekommen sein.“ Angst, Trauer und Unsicherheit. All das spiele plötzlich wieder eine Rolle.

Vier der fünf Kinder mussten 2014 miterleben, wie das Haus der Familie in der Nähe der libanesischen Grenze einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Das fünfte Kind, jetzt im Kindergartenalter, wurde in Deutschland geboren. Nur mit viel Glück kam die Familie lediglich mit kleineren Blessuren davon. Innerhalb kürzester Zeit machten sie den spärlichen Rest ihres Besitzes zu Geld. Und flüchteten. Richtung Deutschland.

Familie flüchtete über die Türkei nach Deutschland

14 Tage marschierte die Familie nur mit dem allernötigsten Richtung Türkei, um von dort über Ungarn nach Deutschland in einem großen Sammellager zu landen. Mehr Details habe die Familie nicht preisgegeben, sagt Claudia Kersten. „Sie haben darüber nur wenig gesprochen. Sie schämen sich zudem, hier als Bittsteller dazustehen.“

Traumatisiert und mittellos: Flüchtlingsfamilie in Heek steht nach Haus-Abriss vor dem Nichts

Die Möbel musste die Familie im Haus an der Ludgeristraße zurücklassen. Auch die Kinderbettchen fielen dem Abrissbagger zum Opfer. © Till Goerke

Denn vor den Bombenangriffen führte die Familie in Syrien ein ganz normales Leben. Sie Lehrerin, er selbstständiger Handwerker. „Sie standen mitten im Leben. Hatten alles im Griff.“ Und auch in Deutschland arbeiteten die Eltern daran, diese Unabhängigkeit wieder zu erlangen. 2016 kam die Familie nach Heek. Seit 2018 wohnte sie in der Ludgeristraße. Bis der Sturm „Sabine“ alles zerstörte.

Die Sicherheit war in Syrien nicht mehr gegeben

Die Kinderbettchen und das Spielzeug, alles weg. Verschrottet. „Die Eltern habe viele Monate fast auf alles verzichtet, nur um den Kindern schöne Kinderzimmer einzurichten. Ihre Kinder sind ihr ein und alles.“ Ohne diese, vermutet Claudia Kersten, wäre die Familie vermutlich auch nie nach Deutschland geflüchtet. Doch die Sicherheit der Kinder war in Syrien einfach nicht mehr gegeben.

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Wie es für die Familie jetzt in der Dinkelgemeinde weitergeht, ist noch offen. Bleiben möchte sie, das versichert Claudia Kersten. Heek sei zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt geworden. Doch dafür braucht es eine geeignete Bleibe und jede Menge Spenden. Der Familie ist ja praktisch nichts geblieben. Und im Idealfall findet sich noch eine Fachkraft, die sich um die traumatisierten Kinder kümmert. So diese eine solche Hilfe annehmen würden.

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