Heimatforscher lüftet Geheimnis um 118 Jahre alte Postkarte aus Heek

hzHistorische Postkarte

Die Reise der Postkarte aus Heek ist verworren und der Anlass des Verfassers, diese zu schreiben, ist noch heute in Heek zu finden. Heimatforscher Rudolf Nacke hat das Geheimnis gelüftet.

Heek

, 01.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leicht vergilbt, fünf Bilder aus Heek von Kirche bis Bahnhof auf der Rückseite und auf der Vorderseite der Aufgabenstempel „Heek 11. September 1902“. Die Reise dieser Postkarte, die einst der preußische Soldat Karl Schneider aus Heek in die Heimat nach Elberfeld (Wuppertal) schickte, ist eine besondere, die sogar bis in die USA führte. Heimatforscher Rudolf Nacke (69) hat das Karten-Geheimnis gelüftet.

Die auf der Postkarte abgebildete Kirche, das Pfarrhaus und die Schule (heute Brinkstraße 3) haben die Zeit überdauert, der Bahnhof und die alte Linde (ebenfalls an der Brinkstraße) mussten weichen. Und dennoch zeichnet die Karte ein lebendiges Bild vom Leben in Heek im September 1902. „Es ist auf seine ganz eigene Art besonders“, sagt Rudolf Nacke.

Heimatforscher entdeckt die Karte zufällig wieder

Der pensionierte Realschullehrer aus Epe, der einst jahrelang eine Immobilie in der Dinkelgemeinde besaß, entdeckte die historische Postkarte 115 Jahre nach dem Verschicken wieder. Aber nicht in irgendeinem Archiv. Nein, auf einer Versteigerungsplattform im Internet. Zufällig.

Der pensionierte Lehrer Rudolf Nacke hatte schon immer Interesse an Geschichte.

Der pensionierte Lehrer Rudolf Nacke hatte schon immer Interesse an Geschichte. © Martin Borck (A)

„Da musste ich dann einfach aus alter Heimatverbundenheit mit dem Westmünsterland zuschlagen“, erzählt der 69-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Und, weil er schon immer ein Interesse für Geschichte und das Sammeln hatte. Da wundert es auch nicht, dass eines seiner unterrichteten Fächer einst Geschichte war. „Gerade die vor der eigenen Tür ist spannend.“

Die Karte kostete nur ein paar Euro

Und darum ersteigerte Rudolf Nacke vor knapp drei Jahren für umgerechnet wenige Euro die historische Postkarte. Interessant: Der Verkäufer erstellte die Auktion in den USA. „Wie die Karte von Heek aus dorthin gelangt ist, konnte ich noch nicht klären.“ Denkbar, dass die Karte einst nach einem der beiden Weltkriege in den Vereinigten Staaten landete. Gesichert ist das nicht.

Klar ist hingegen, wer der Adressat der Postkarte war: Heinrich Schneider. Es war der Bruder des preußischen Soldaten Karl Schneider. Und dieser Bruder arbeitete bei der Seidenfirma „H.E. Schniewind“ in Elberfeld. Dieser Umstand, so vermutet Rudolf Nacke, könnte auch der Auslöser für das Schreiben der Karte gewesen sein.

Heeker Familien nehmen die Soldaten gastfreundlich auf

Zur Erklärung: Der preußische Soldat Karl Schneider war einst mit der 14. Division zu einem Manöver ausgerückt. Dieses verschlug ihn 1902, also 12 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, nach Heek. In der Dinkelgemeinde wurden die Soldaten in privaten Quartieren untergebracht. „Sie sind wohl gastfreundlich und fürsorglich von Heeker Familien aufgenommen worden“, berichtet Rudolf Nacke von seinen Forschungsergebnissen.

Anhand des Aufgaben- und Ankunftsstempels auf der Vorderseite der Karte wird klar, dass die Post seinerzeit sehr schnell gearbeitet hat.

Anhand des Aufgaben- und Ankunftsstempels auf der Vorderseite der Karte wird klar, dass die Post seinerzeit sehr schnell gearbeitet hat. © Repro Rudolf Nacke

Und so soll der preußische Soldat nicht schlecht gestaunt haben, dass auch in Heek für die Firma „H.E. Schniewind“ mit Sitz in seiner Heimat Elberfeld produziert wurde. „Jene Firma, bei der sein Bruder Heinrich Schneider offensichtlich führend beschäftigt war“, erklärt Rudolf Nacke. Übrigens: Die historische Fassade der Fabrik ist bis heute eine Art Wahrzeichen der Dinkelgemeinde.

Die Post arbeitete damals deutlich schneller als heutzutage

„Dieses Staunen hat Soldat Karl Schneider wohl dazu veranlasst, die Karte aus Heek an seinen Bruder zu schreiben“, vermutet Rudolf Nacke. Somit ist das Geheimnis dieser 118 Jahren alten Postkarte gelüftet. Zumindest in weiten Teilen. „Es macht einfach Spaß, solche Geheimnisse zu lösen“, sagt Rudolf Nacke, der selbst eine große Heim-Bibliothek sein Eigen nennt.

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Bemerkenswert ist übrigens auch, wie schnell seinerzeit die Post arbeitete. Rudolf Nacke erklärt: „Aufgaben- und Ankunftsstempel belegen, dass die Karte noch am selben Tag zugestellt wurde, also innerhalb weniger Stunden.“ Heutzutage ein Ding der Unmöglichkeit.

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