Kahlschlag im Stiegenpark

Bäume gefällt

Der Anblick treibt manchen an diesem Morgen die Tränen in die Augen: Auf einem über 2000 Quadratmeter großen Grundstück am Rand des Stiegenparks hat die Gemeinde Rodungen vorgenommen. Fichten, Kiefern, aber auch alte Obstbäume und Rhododendren sind der Säge zum Opfer gefallen. Was genau auf dem Areal entstehen soll, bleibt vorläufig der Gerüchteküche überlassen.

HEEK

, 20.01.2017, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Ich habe gestern bestimmt eine Stunde mit einer Freundin darüber gesprochen und überlegt, was da passiert", erzählt Ashley Matz. Die 25-Jährige kommt drei Mal täglich hier vorbei, wenn sie mit ihrem Hund Spike Gassi geht. Zwei Tage lang habe sie nun miterlebt, wie Gemeindemitarbeiter mit schwerem Gerät den zahlreichen Bäumen zu Leibe rückten, die hier standen. "Ich wohne seit sechs Jahren hier, aber so etwa habe ich noch nicht erlebt", sagt sie. "Ich mag gar nicht hinsehen."

Eine andere Passantin, die nicht namentlich genannt werden möchte, bekommt feuchte Augen, während sie auflistet, was auf dem Gelände eines früheren Privatgartens alles stand: "Alte Obstsorten, Rhododendren, ein alter Buchsbaum - der war über zwei Meter hoch." Allein ein alter, über zwei Meter hoher Ilex-Baum steht noch. Sie ist fassungslos. Sie habe gehört, dass dort ein Festplatz entstehen solle, im Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung des nahegelegenen Marktplatzes. "Dort wollen sie einen Schandfleck entfernen, jetzt schaffen sie hier einen."

Maschinen sacken ein

Dabei sei das Ansinnen aus ihrer Sicht unsinnig, denn am Donnerstag waren die Maschinen während der Arbeiten im Boden versunken und hätten herausgezogen werden müssen. "Der Boden ist gefroren, aber die sacken trotzdem ein", stellt sie fest. "Wie soll das dann erst im Frühjahr gehen?"

Beim Bauamt der Gemeinde wird dieser Eindruck bestätigt: "Ohne weitergehende Maßnahmen wäre das schwer möglich", sagt Bauamtsleiter Herbert Gausling auf die Frage nach einer etwaigen Festdiele. Die Gemeinde habe das Grundstück aus Privatbesitz erworben, um es dem Stiegenpark anzugliedern, erklärt er stattdessen. "Wir führen da Gehölzmaßnahmen durch." Das sei nur bei Frost machbar. "Anders ist es nicht möglich." Zu welchem Zweck die Fläche gerodet wird, das könne er beim gegenwärtigen Stand nicht sagen. Allerdings sollten die Obstbäume stehenbleiben, wie er sagt. "Gestern waren sie noch da."

Alter Baumbestand

Fakt ist: Am Freitag stehen noch drei Obstbäume - von ursprünglich elf. Laut einer Anwohnerin allesamt alte Sorten. "Die bekommt man heute gar nicht mehr", sagt die Frau. "Es ist eine Sünde, so etwas zu fällen." Den alten Buchsbaum etwa hätte man durchaus versetzen können, meint sie. Und nicht nur um die Bäume sei es schade. Für Vögel und überwinternde Igel sei der Garten ein Refugium gewesen. "Der sah wirklich wunderschön aus."

Der Garten sei zuletzt nicht mehr bewirtschaftet worden, erklärt dagegen Gausling. 2150 Quadratmeter misst das fragliche Areal in Gänze. Der rückwärtige Teil des Gartens Richtung "Katthagen" gleicht am Freitag einer Waldlichtung nach einem Lawinenabgang. Im vorderen Teil stehen die verschonten Bäume.

Zukunft ungeklärt

"Wenn etwas Schönes zurückkommen könnte", überlegt Ashley Matz, während sie den Blick über den zerfurchten Boden und die übrig gebliebenen Stümpfe schweifen lässt, "das wäre schön."

Darüber gibt es aber zurzeit nicht mehr als Gerüchte und Mutmaßungen. Wie es mit dem Grundstück weitergeht, ist noch ungeklärt. Allerdings lässt Gausling durchblicken, dass da im Frühjahr eine Rasenfläche entstehen könnte, "um eventuell Obstbäume zu pflanzen."

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