Heeker Naturschützer kritisiert Nistkasten-Projekt als „blinden Aktionismus“

hzEichenprozessionsspinner

Vögeln soll der Eichenprozessionsspinner im wahrsten Sinne schmackhaft gemacht werden. 1000 Nistkästen wurden daher in Heek angebracht. „Blinder Aktionismus“ kritisieren Naturschützer.

Heek

, 25.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bekannt ist, dass neben Blau- und Kohlmeisen auch Rotkehlchen und Kleiber gerne Raupen fressen. Was liegt also näher, als diese auch als natürliche „Schädlingsbekämpfer“ gegen den Eichenprozessionsspinner, der im letzten Dürresommer auch in Heek für Unruhe sorgte, einzusetzen. Um es ihnen vor Ort besonders attraktiv zu machen, sprachen sich auch Experten für das Installieren von Nistkästen aus.

Neben Absaugen, Leimringen und Insektiziden eine Methode, um den haarigen Tierchen zu Leibe zu rücken. Auch deswegen, weil sie unter den genannten bei Umweltverträglichkeit und Kosten punkten kann. Quer durchs Land wurden aber auch jede Menge anderer, zum Teil kurioser Ideen entwickelt, um die Invasion der Prozessionsspinner in diesem Jahr zu stoppen. Schließlich kann der Kontakt mit ihren Brennhaaren für zum Teil erhebliche gesundheitliche Probleme sorgen: von Juckreiz, allergischen Reaktionen bis hin zu Asthma. Zudem sorgen sie auch durch den Fraß von jungen Blättern und Trieben für forstliche Schäden.

Konzertierte Nistkasten-Aktion mit Bürgerstiftung und Jägern

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, ist nicht nur der Heeker Gemeindeverwaltung daher längst klar, was dann in der konzertierten Nistkasten-Aktion mit Bürgerstiftung und Jägern mündete.

Und genau dazu meldet sich Heeks streitbarer Naturschützer Herbert Moritz zu Wort: „Als Nahrungsquelle für zum Beispiel Blau- und Kohlmeise kommen die Raupen jedoch nur in Frage, solange sie noch nicht ihre Gifthaare entwickelt haben.“ Der effektive Einsatz der Vögel sei daher auf einen kleinen Zeitraum begrenzt, bis die Raupen nämlich in ihrem dritten Entwicklungsstadium (insgesamt sind es fünf) die giftigen Härchen entwickeln.

Nistkasten-Projekt wird als „blinder Aktionismus“ kritisiert

Außerdem weist Herbert Moritz daraufhin, dass an den Einsatz von Nisthilfen auch besondere Anforderungen hinsichtlich Größe und Platzierung gestellt werden. Bei der Heeker Aktion aber hat er festgestellt, dass man dort diese häufig nicht beachtet hat und das den Erfolg des Projektes schmälern werde: „Sie sind oft viel zu klein und mitunter auch falsch ausgerichtet.“

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Moritz beruft sich bei seiner Kritik auf die Empfehlungen des bayerischen Landesverbandes Vogelschutz. Die Bodenplatte sollte mit 3 Löchern versehen werden damit Nässe abfließen kann und eine Größe von 18 mal 18 Zentimeter aufweisen. Ferner darf unter dem Ausflugloch keine Sitzstange angebracht werden, um möglichen Nesträubern wie zum Beispiel Rabenvögeln keine Gelegenheit zu bieten, die Jungvögel zu erreichen. Außerdem soll darauf geachtet werden, dass kein Regen in die nach Osten gerichtete Einflugöffnung eindringen kann.

Gleichzeitig weist der Heeker Nabu-Chef auch darauf hin: „Die Effizienz der Maßnahme wird vor allem in den Außenbereichen auch vom Einsatz diverser Pflanzenschutzmittel durch die Landwirte abhängig sein.“

Experten über die Wirksamkeit der Methode uneins

In der Tat sind sich auch Experten über die Wirksamkeit der Methode uneins. Andererseits gibt es aber auch sogar Befunde, dass manche Vögel auch durchaus in der Lage waren, selbst Raupen mit Brennhaaren zu fressen.

Einig ist man sich aber ohnehin in der Einschätzung, dass Nistkästen, falls sie korrekt angebracht sind, grundsätzlich ein Beitrag zu Natur- und Umweltschutz sind.

Übrigens: Nistkästen lassen sich auch in privaten Haushalten leicht nachbauen, um sie im eigenen Garten wirken zu lassen. Entsprechende Bauanleitungen gibt es dazu zahlreiche im Netz. Sicher ein sinnvolles Beschäftigungsangebot in Zeiten von Corona.

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