Warum eine T-Kreuzung direkt vor Nienborg für Radfahrer große Gefahren birgt

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Der Radweg entlang der Nienborger Straße endet kurz bevor die Bebauung in Nienborg anfängt abrupt. Radfahrer müssen sich auf der Straße einordnen. Doch genau das birgt Gefahren.

Heek

, 05.08.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Pedelecfahrer (62) mit grünem Helm und schwarzer Weste reduziert merklich sein Tempo, ehe komplett zum Stehen kommt und absteigt. „Das ist mir zu unsicher. Ich schiebe an diese Stelle lieber das Rad“, sagt der 62-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Ort des Geschehens ist der Radweg entlang der Nienborger Straße. Wenige Meter bevor die Bebauung in Nieborg anfängt, mündet von rechts kommend die Bischof-Hermann-Straße in die Nienborger Straße. Was auf den ersten Blick wie eine normale T-Kreuzung aussieht, birgt jedoch einige Tücken.

Der Radweg endet abrupt

Denn der Radweg endet an dieser Stelle abrupt. Radler müssen sich dementsprechend in den Verkehr auf der Straße einordnen. Doch was ist, wenn von rechts aus der Bischof-Hermann-Straße ein Auto oder Motorrad kommt? Hat der Radler Vorfahrt? Muss er warten? Und wie genau erfolgt das Einordnen?

„Also ich bin mir absolut unsicher. Die Stelle ist gefährlich“, so der 62-Jährige. Zwar steht an der Nienborger Straße ein Vorfahrtsschild, aber: „Gilt das denn jetzt auch für mich als Radfahrer, wenn ich vom Radweg runterfahre?“

Die Unsicherheit des Pedelecfahrer zeigt, dass die Verkehrsregelung ist an dieser Stelle noch nicht hundertprozentig ausgeklügelt ist.

Die Verkehrsführung ist einfach nicht eindeutig

Und es vermutlich auch nie sein wird. Herbert Gausling von der von Gemeindeverwaltung stellt klar: „Einen Königsweg gibt es an der Stelle nicht. Aber es gilt, das Optimum zu finden.“

Aus Sicht der Verwaltung sei diese Stelle zwar derzeit kein Unfallschwerpunkt, sehr wohl aber sei die Verkehrsführung nicht eindeutig. „Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert“, ist sich der Pedelecfahrer sicher.

Der Kreis Borken lehnt Baumaßnahmen ab

Abhilfe schaffen könnte ein so genannter Einfädlungsstreifen. Mit diesem wäre es Radlern möglich, sich ohne Behinderung in den Fließverkehr einzuordnen – selbstverständlich vor der T-Kreuzung.

Ein solcher Streifen müsste natürlich angelegt werden. Und genau das ist der Kasus-Knacktus. Denn der Kreis Borken als Straßenverkehrsbehörde lehnt in Rücksprache mit Straßen NRW derzeit jegliche Baumaßnahmen ab.

Die Vorfahrt gilt nur Autofahrer

Der Kreis forciert eine andere Lösung. So soll die verblasste Wartelinie an der L 573 erneuert werden. Außerdem soll das Vorfahrtsschild ein paar Meter weiter nach links auf den Grünstreifen zwischen Straße und Radweg platziert werden.

„Einen Königsweg gibt es an der Stelle nicht. Aber es gilt, das Optimum zu finden.“
Herbert Gausling

Denn: Die Vorfahrt soll nur Autofahrer gelten. Radfahrer müssten warten, wenn aus der Bischoff-Hermann-Straße andere Verkehrsteilnehmer kommen. „Ach? Gut zu wissen“, so der 62-Jähriger Radler beim Vor-Ort-Gespräch. Seine Frau (64) ergänzt: „Offensichtlich ist das vorne und hinten nicht.“

Die geplanten Maßnahmen reichen zur Entschärfung nicht aus

Als Hinweis für die Radfahrer will der Kreis noch ein Schild mit dem Verweis auf das Radwegende aufstellen. „Damit wäre für mich die Situation aber immer noch nicht entschärft“, so der 62-Jährige.

Dass die vom Kreis geplanten Maßnahmen nicht zur Entschärfung der Situation ausreichen werden, darüber waren sich auch CDU und SPD in der jüngsten Sitzung des Bauausschuss einig.

Gemeindepolitiker stellen unmissverständliche Forderung

Die Forderung der Politiker: Radfahrer sollen an besagter Stelle Vorfahrt bekommen. Sprich: Kommt ein Auto aus der Bischof-Hermann-Straße, muss der Fahrer den Radler passieren lassen – mit oder ohne Einfädlungsstreifen.

Ob der Kreis auf diese Forderung in Form von baulichen Maßnahmen eingeht, wird sich zeigen. Erstmal ist jetzt die Gemeindeverwaltung am Zug, Rücksprache mit dem Kreis zu halten, um einen besseren Schutz für Radfahrer an dieser Stelle einzufordern.

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