Historisch belegt: Nienborger Bürgerschützen wachten über die Heimat

hzSerie zum Jubiläum

Der Allgemeine Bürgerschützenverein Nienborg feiert 2020 sein 500-jähriges Bestehen. In einer Serie blicken wir auf die Vereinsgeschichte zurück. In Teil zwei geht es um Aufgaben und Bräuche.

von Martin Mensing

Heek

, 19.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bürgerschützen waren im Ursprung keine reine Spaßgesellschaft. Ihnen oblagen wichtige Aufgaben in Nienborg. Aufgaben, die dem Schutz der Heimat gleich im doppelten und dreifachen Sinne dienten. Und es waren Aufgaben, die heute auf verschiedene Schultern verteilt sind. Doch werfen wir einen Blick zurück in die Historie des Vereins.

Neben dem Schutz der Heimat mit der Waffe oblag den Bürgerschützen auch die Aufgabe die Brandbekämpfung. Hinzu kamen polizeiliche Pflichten, wie sicheres Geleit für Kaufleute, Reisende, hohe Herren oder die Stellung von Ehrenwachen. Auch den Transport von Gefangenen hatten die Schützen zu erfüllen.

Die Beziehung zwischen Kirche und Bürgerschützen

Über die Beziehung von Kirche und Schützengesellschaft in Nienborg ist wenig überliefert. Da war der Ehrendienst bei Beerdigungen und Prozessionen. Besonders bei den „Hagelprozessionen“ und Umgängen zum Segnen der Felder bediente man sich der Schützen, einerseits zum Tragen des „Himmels“ oder der „Andachtsbilder“, andererseits aber auch, damit diese über die Sicherheit draußen, weitab vor den Toren der Stadt wachten.

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Zwar war die Schützenbruderschaft in kirchlichen Unterlagen vor 1800 nicht genannt, doch erscheint in einer Akte des Bistumsarchivs Münster aus dieser Zeit ein Fahnenträger bei der Hagelprozession nach Heek. Dieser erhielt eine Vergütung von vier Stüber Coesfeldisch. Es ist anzunehmen, dass der Fahnenträger durch den Schützenverein gestellt worden ist. Noch heute begleiten die Schützen bei den Prozessionen das Allerheiligste.

Der Schützenverein organisiert das Osterfeuer

Ein weiterer auch für das vergangene Jahrhundert schon belegter kirchlicher Brauch des Schützenvereins ist die Organisation des Osterfeuers. Damals entwickelte sich das Schützenfest zum Volksfest des Jahres – und das ist es heute in Nienborg immer noch. Der Höhepunkt war und ist heute noch das Königsschießen mit dem anschließenden „Gelag“.

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In Nienborg findet diese Ringen um die Königswürde am Kirmesmontag statt. Die Kirmes oder das Kirchweihfest wurde zum Jahresgedächtnis der Einweihung der alten Pfarrkirche „Verklärung Christi“ am ersten Sonntag im August abgehalten. Die Kirche wurde um 1640 errichtet. Als sie um 1790 einzustürzen drohte, riss man sie ab und errichtete an diese Stelle das Heilige Geist Armenhaus.

Die Kirmes fand lange auf dem alten Kirchplatz statt

Auf dem alten Kirchplatz am Armenhaus wurde jahrzehntelang die Kirmes abgehalten. In unmittelbarer Nähe fand das Vogelschießen statt. Als Zielobjekt wählte man anfangs einen hölzernen Papagei, dem später der heute noch übliche Holzadler folgte. Der Ehrenpreis für den neuen König ist auch heute noch die silberne Schützenkette, die er als Zeichen seiner Würde tragen darf, bis ein anderer sie ihm abgewinnt.

Eine Nienborger-Schützenfestnachfeier in den 50er-Jahren

Eine Nienborger-Schützenfestnachfeier in den 1950er-Jahren © Repro Martin Mensing


Nach alter Sitte muss er für die Kette ein silbernes Schildchen stiften und für das nächste Schützenfest einen neuen Vogel beschaffen. Auch hat der König Repräsentationspflichten zu erfüllen, zu denen auch das Freihalten des Thrones während des Festes gehört. Um 1870 war es Brauch, dass der König den Offizieren nach gelungenem Königsschuss „Stippmilch“ und Pfannkuchen verabreichte.

War das Königsamt nicht mit Vorteilen verbunden?

Für Nienborg nicht belegt ist, dass das Königsamt mit Vorteilen verbunden war, die der Rat oder die Burgmänner gewährten. Es wird wohl so gehandhabt worden sein, wie es 1705 für Ahaus belegt ist, wo der König bis zu zwei Jahre von Wache und anderen Stadtdiensten befreit war. In anderen Orten brauchte der König für einen gewissen Zeitraum keine Steuern zu bezahlen.


Ein alter Brauch war in Nienborg auch eine während des Vogelschießens veranstaltete „Kinderbelustigung“. Diese bestand aus Spielen verschiedenster Art und Kuchenessen. Die Kinderbelustigung fand bis 1938 unmittelbar am Heilig-Geist-Armenhaus statt. In den 1950er-Jahren wurde dieser Brauch aufgegeben.

Das Schmücken der Vogelstange geht dem Fest voraus

Dem Fest voraus geht noch heute das Schmücken der Vogelstange, das Wegbringen de „Toogs“. Ein an der Vogelstange angebrachter grüner Birkenzweig soll das Nahen des Festes ankündigen. Bereits seit 1887 wurde in Nienborg in einem Zelt gefeiert, davor dienten wohl Lauben aus Grün als Veranstaltungsstätte.

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Die Pflege des Brauchtums beschränkte sich bei den Bürgerschützen nicht nur auf das Schützenfest. Vor allem Karneval wurde in früheren Jahren gefeiert. Zur „Fastnachtzehr“ lieferten die von den Junggesellen eingesammelten Würste die Grundlage. Nach unliebsamen Vorfällen und Ausschreitungen schaffte Pfarrer Friedrich Jost das Fastnachtsfest ab und führte dafür mit bischöflicher Erlaubnis vom 12. Dezember 1854 das 40-stündige Gebet ein.

Die Überlieferung berichtet, dass Pfarrer Jost dem Treiben der Schützen in Nienborg nicht sehr zugetan war. In seinem Tagebuch hielt er fest: „Die sogenannten Fastnachtstage waren seit langen Zeiten an vielen Orten Sauflage erster Klasse. Wer würde es geglaubt haben, wenn man vor 20 Jahren jemandem gesagt hätte: diese Tage werden bald die ersten Bettage werden. Deo omnia prohibitur. Gott gebe uns, dass Satan, dessen Fest an diesen Tagen aufgehoben, seine Feste nicht auf andere Tage verlegt.“

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