Risiko gewagt: Landwirt Bernhard Borgert setzt seit einem Jahr voll auf die Bio-Karte

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Mittlerweile ist es ein Jahr her, dass der Nienborger Landwirt Bernhard Borgert es einfach mal wagte, auf Bio umzustellen. Das Unterfangen war mit viel Arbeit verbunden, aber zeigt Erfolge.

von Alex Piccin

Heek

, 23.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das erste Jahr ordnet Bernhard Borgert in die Schublade Lehrjahr ein. 2018 hat er seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf Bio umgestellt. Damit verbunden waren eine Menge Stress, viele Umbau- einige Neubaumaßnahmen, das Beachten von neuen Richtlinien und Parametern – aber immerhin eher weniger äußerliche Veränderungen bei ihm selbst. „Für graue Haare bin ich nicht so empfänglich“, sagt Borgert lachend.

Die Arbeitstage wurden in den ersten Monaten länger als gedacht. Sonntags bis 22 Uhr noch mittendrin im Tagewerk zu sein, war keine Seltenheit. Das hat sich mittlerweile etwas gelegt: „Ab dem Sommer wird die Arbeit weniger, nach dem letzten Produktionszyklus.“

Weitere Projekte stehen an

Als nächstes Projekt steht ein weiterer Ferkelaufzuchtstall auf dem Planungsbogen, später sollen noch ein Quarantänestall sowie ein Mastbereich folgen.

In den vergangenen 15 Monaten gingen einige Dinge schief, offenbart Borgert. Unter anderem fühlte er sich falsch informiert, so dass er die zwei Jahre Übergangsphase für die Biopflanzen hätte anders planen können. So entstand ihm ein wirtschaftlicher Schaden im fünfstelligen Bereich. Diesen konnte er allerdings durch andere Maßnahmen abfedern.

Sauen und Ferkel bekommen spezielles Fressen

Die Übergangsproduktion der zwei Jahre ist ausschließlich als Futtermittel vorgesehen. Seine Sauen und Ferkel bekommen einen Getreide-Mix zu fressen, den angebauten Mais verkaufte Bernhard Borgert an Betriebe, die Rinder halten: „Getreide kann ich günstiger zukaufen als Mais.“

„Ich habe eine Vielzahl an Hummeln und Bienen auf unseren Äckern festgestellt.“
Biolandwirt Bernhard Borgert

Dass er die Fruchtfolge auf den Feldern verändert hat, zahlt sich aus. Früher standen 50 Prozent Mais, 30 Prozent sogenanntes Schwergetreide und 20 Prozent Gerste auf seinen Ackern. Der Maisanteil liegt heute bei maximal 30 Prozent, hinzugekommen sind unter anderem Sommergerste, Hafer, Kleegras oder die Ackerbohne – ein sehr guter Eiweißlieferant für die Tiere und Alternative zu Sojaschrot. Auf langer Sicht baue sich dadurch ein großer Humusanteil im Boden an, was die Pflanzenqualität nachhaltig verbessern soll.

Auch der Insektenschutz spielt eine große Rolle

Ein anderer Aspekt, mit dem sich Bernhard Borgert auseinandersetzen muss, ist das „Aktionsprogramm Insektenschutz“. Dieses hat die Bundesregierung in der vergangen Woche verabschiedet. Demnach möchte der Bund die Verwendung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat bis Ende 2023 verbindlich verbieten.

Direkte Auswirkungen auf Borgerts Betrieb hat diese Regelung nicht, da er als Biobauer generell auf Chemie verzichtet. Das habe sich bereits nach einem Jahr bewährt: „Ich habe eine Vielzahl an Hummeln und Bienen auf unseren Äckern festgestellt.“

Borgert bezieht keine Produkte mehr aus Übersee

Weiter soll eine Umschichtung von EU-Gelder erfolgen, die derzeit nach Fläche verteilt werden. Sie sollen nach dem Grad der Nachhaltigkeit der betriebenen Landwirtschaft bemessen werden. Die käme Bernhard Borgert durchaus zupass: „Ich hoffe, davon profitieren zu können. Wir beziehen schon nichts mehr aus Übersee.“ Die Bio-Landwirtschaft sei eine Kreislaufwirtschaft, bei konventionellen Betrieben sei das nicht immer der Fall.

Risiko gewagt: Landwirt Bernhard Borgert setzt seit einem Jahr voll auf die Bio-Karte

Biolandwirt Bernhard Borgert aus Nienborg hat biotechnisch noch viel vor. © Alex Piccin


Was ihm aber gar nicht schmeckt, ist der Beschluss des Bundeskabinetts, ein staatliches Tierwohl-Label einzuführen. „An sich ist das eine feine Sache, nur nicht für Biobauern. Das ist eher ein Schlag ins Gesicht“, echauffiert er sich. Seit Juli sind seine Produkte als Bio verkaufbar, was auch gut angelaufen sei.

Die Frage nach der Menge des Fleischverzehrs ist entscheidend

Zum Tierwohl-Label: Fleisch aus konventioneller Produktion, das auf der besten Stufe eingruppiert wird, stünde auf derselben Ebene wie das der Biobetriebe. Eine klare Benachteiligung, auch gemessen an den höheren Produktionskosten. „Das Fleisch gehört zum Menschen dazu, die Frage ist nur die Menge. Muss man sieben Tage in der Woche Fleisch essen?“, führt Borgert aus.

Von Verboten hält er nichts und fordert stattdessen, dass das Produkt einen der Qualität angepassten Preis bekomme. „Fleisch muss ein Genussstück sein.“

Tiere haben auf dem Hof größere Freiheiten

Auf seinem Hof haben die Ferkel und Sauen größere Freiheiten. Nach der Biorichtlinie verfügt ein Ferkel jetzt über einen errechneten Platz von 0,6 Quadratmeter mit Ruhenest, Fütterbereich und so weiter, zuzüglich 0,4 Quadratmeter im Außenbereich – vorher waren es insgesamt nur 0,4.

Borgert hat festgestellt, dass die Ferkel einfacher im Umgang sind: „Das Treiben geht mittlerweile viel einfacher. Die Ferkel sind den Unterschied zwischen hell und dunkel gewohnt.“ Die Abferkelbucht für die Sauen hat ihre Größe auf jetzt über acht Quadratmeter verdoppelt. Dazu kommen 5,3 Quadratmeter Auslauf.

Bernhard Borgerts Biobetrieb läuft mit langsamen, aber stetigen Schritten an. Im gesamten Biobereich sieht er „einiges an Leistungspotenzial. Es fehlt aber Geld für die Forschung.“

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