Rollerfahrt von Heek nach Gronau kostet 19-Jährigen 600 Euro

hzGerichtsprozess

Für 600 Euro kann man 150 Mal mit dem Bus von Heek nach Gronau fahren. Monatstickets sind deutlich günstiger. Ein junger Heeker aber muss diese stolze Summe für eine einzige Fahrt berappen.

Heek

, 30.07.2019 / Lesedauer: 2 min

Eine Rollerfahrt ohne Führerschein von Heek nach Gronau kostet einen 19-jährigen Heeker 600 Euro. Wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis stand der junge Mann am Montag vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Ahaus. Freimütig erzählte er, dass er sich den Roller eines Bekannten geliehen hatte, um nach Gronau zu fahren. „Die Busverbindungen in Heek sind ja nicht so gut wie die in Ahaus“, rechtfertigte sich der 19-Jährige.

In Radarkontrolle geraten

Unterwegs wurden er und ein Mitfahrer auf dem Sozius von der Polizei mit Tempo 39 km/h geblitzt. „Da reicht Ihr Mofaführerschein nicht aus“, so der Richter. „Ich habe ja überhaupt keinen Führerschein“, räumte der Angeklagte ein. „Das ist ja noch schlimmer“, sagte der überraschte Richter und befand: „Sie sind mir eigentlich ein bisschen zu gut gelaunt dafür, dass Sie hier als Angeklagter sitzen.“

Und das war für den Angeklagten keine Premiere: 2016 stand er wegen Körperverletzung vor Gericht, 2017 wegen Diebstahls und 2018 wegen Beleidigung. Zuletzt wurde er zu 40 Sozialstunden verurteilt. „Hat das denn nicht gewirkt?“, wollte der Richter wissen. „Ja doch“, sagte der Angeklagte, „ich beleidige niemanden mehr.“ Der Richter konnte es nicht fassen: „Sie brauchen wohl für jede einzelne Deliktart einen auf den Deckel.“

Angeklagter fährt jetzt Fahrrad

In diesem Fall ließen Richter und Staatsanwalt einvernehmlich Milde walten und verzichteten auf ein Urteil. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 600 Euro und einer verpflichtenden Teilnahme an einer Verkehrserziehung vorläufig eingestellt. Der Staatsanwalt mahnte den Angeklagten aber eindringlich, verkehrsrechtlich nicht ein zweites Mal aufzufallen. Dann könne er nämlich seinen Führerschein, den der Angeklagte inzwischen in Angriff genommen hat, bis auf weiteres vergessen. Der 19-Jährige versprach: „Ich fahre mit dem Fahrrad, bis ich den Führerschein habe. Oder ich habe ein Fahrer.“

Infos

  • Die Polizei führe keine Radarkontrollen speziell für Mofas oder Roller durch, sagt Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizei Borken. Bei allgemeinen Geschwindigkeitskontrollen nehmen die Polizeibeamten aber auch Zweiräder ins Visier.

  • Nicht selten, so Frank Rentmeister, seien Mofas „frisiert“, also technisch manipuliert, sodass sie deutlich schneller als 25 km/h fahren können. In diesen Fällen sind die Mofafahrer ohne die nötige Fahrerlaubnis unterwegs, auch wenn sie einen Mofaführerschein besitzen. Rentmeister: „Das ist ein weitverbreitetes Phänomen, weil es relativ leicht ist, die Mofas zu frisieren.“

  • Die Polizei führt aus diesem Grunde von Zeit zu Zeit Schwerpunktkontrollen an Schulen durch. Dabei kommt auch ein Rollenprüfstand zum Einsatz, auf dem die Höchstgeschwindigkeit der Mofas getestet wird.
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