Schläge, Tritte, Morddrohung: Mann soll seine Ex-Frau aus Heek (36) über Jahre gequält haben

hzGerichtsprozess

Die Vorwürfe in der Anklageschrift wogen schwer. Ein Mann aus Gronau (30) soll seine Ex-Frau aus Heek geschlagen, getreten und ihr sogar mit dem Tod gedroht haben. Beweisbar war kaum etwas.

Heek

, 28.08.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein Verhandlungsmarathon, der sich am Montagmittag vor dem Amtsgericht Ahaus samt Dolmetscher abspielte. Angeklagt war ein 30-jähriger Syrer aus Gronau, der seine Ex-Frau aus Heek (36), mit der er zwei gemeinsame Kinder hat, mehrfach geschlagen, aufs übelste beleidigt und mit dem Tod bedroht haben soll.

Doch so schwer die Anschuldigungen auch wogen - nach über drei Stunden Verhandlung wurde das Verfahren unter Auflagen eingestellt. Der 30-Jährige muss 350 Euro binnen sechs Monaten an die Staatskasse zahlen. Mehr gaben die wirtschaftlichen Verhältnisse des Mannes, der Sozialleistungen bezieht, nicht her.

Die Geschädigte macht widersprüchliche Aussagen

Dass es am Ende für den Angeklagten so glimpflich ausging, lag auch an den zum Teil sehr widersprüchlichen und ungenauen Aussagen seiner Ex-Frau, die nicht nur als Geschädigte, sondern auch als Nebenklägerin auftrat.

„Sie ist wie ein Mann, sie kennt das nicht anders.“
Angeklagter

So ließen sich die von ihr erhobenen Anschuldigungen letztlich bis auf eine Ausnahme schlicht nicht zweifelsfrei nachweisen.

Die Geschädigte hat Angst vor ihrem Ex-Mann

Zusammengefasst ging es in dem Verfahren um zwei Fälle der Körperverletzung und um einen Fall der indirekten Morddrohung. „Mein Ex hat aber noch viel mehr gemacht. Er ist krank. Ich habe Angst vor ihm“, sagte die Geschädigte aus. Der Angeklagte selbst kommunizierte bis auf wenige Worte in Deutsch nur mittels Dolmetscher.

Die angeklagten Taten sollen sich zwischen Dezember 2017 und Januar 2019 ereignet haben. Zwei Taten in der Wohnung der Geschädigten in Heek und eine in Ahaus auf dem Marienplatz.

Schläge, Tritte, Morddrohung: Mann soll seine Ex-Frau aus Heek (36) über Jahre gequält haben

Viele, viele Male sollen sich der Angeklagte und die Geschädigte, die als Nebenklägerin auftrat, während ihrer Beziehung gestritten haben. Gewalt sei da, so die Frau, an der Tagesordnung gewesen. (Symbolbild) © dpa

Und lediglich im Fall aus dem Dezember 2017 räumte der Angeklagte ein, seine Ex-Frau in der Heeker Wohnung infolge eines Streites geschubst zu haben. „Sie ist wie ein Mann, sie kennt das nicht anders“, sagte der Angeklagte. In der Folge des Schubsers knickte die Frau um und brach sich den Fuß. Dies belegten auch ärztliche Atteste, die dem Gericht vorlagen.

„Mein Ex hat aber noch viel mehr gemacht. Er ist krank. Ich habe Angst vor ihm.“
Geschädigte

Angebliche Gewalttaten waren nicht nachweisbar

„Der hat mich danach aber noch überall geschlagen und getreten, obwohl ich am Boden lag“, erklärte die Geschädigte den Richter unter Tränen. Nachweisbar war dies allerdings nicht.

Dass die zerrüttete Ehe letztlich 2019 auf Initiative der Heekerin zu Brüche ging, räumte diese ein. Und da sie selbst aus Jordanien stammt, musste sie ihren Mann dazu drängen, sie zu verstoßen. „Im Islam kann das eine Frau nicht machen. Das muss der Mann tun“, erklärte sie.

Schläge, Tritte, Morddrohung: Mann soll seine Ex-Frau aus Heek (36) über Jahre gequält haben

Die Geschädigte beschuldigte ihren Ex-Mann, sie oft und brutal geschlagen zu haben. In der Verhandlung am Montag konnte jedoch nur ein Schubser des Angeklagten nachgewiesen werden. (Symbolbild) © dpa

Auch das habe ihrer Meinung nach das angebliche Aggressionspotenzial ihres Ex-Mannes weiter geschürt. Darum würde sie dies auch alles erzählen, denn jeder solle wissen, dass ihr Ex-Mann ein „Monster“ sei.

Geschädigte erhebt ungefragt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann

So erzählte die Geschädigte in der Folge auch ungefragt Dinge über ihren Ex-Mann, die selbst den Richter merklich staunen ließen. So soll der Angeklagte, der 2015 nach Deutschland kam, im Syrienkrieg zwei Männer erschossen haben.

„Auf wessen Seite soll er denn gekämpft haben?“, fragte der Richter. „Ich weiß es nicht“, lautete die Antwort der Frau. Und das war nur die Spitze dessen, was zur Sprache kam. „Wir bleiben jetzt bei Angaben, die die Anklageschrift betreffen“, mahnte der Richter darum an.

Schläge, Tritte, Morddrohung: Mann soll seine Ex-Frau aus Heek (36) über Jahre gequält haben

Auch gegenüber den zwei gemeinsamen Kindern soll der Angeklagte laut der Geschädigten gewältigtig gewesen sein. Dies war jedoch nicht Bestandteil der Anklageschrift. (Symbolbild) © dpa

Mit zunehmender Dauer der Vernehmung verstrickte sich die Geschädigte in immer mehr Widersprüche und Ungereimtheiten. „Ich weiß es nicht mehr genau“, sagte sie des Öfteren.

„Wir sind hier nicht auf dem Basar. Hier gelten andere Regeln.“
Richter

Angebliche Morddrohung war nicht nachweisbar

Das betraf auch den dritten Punkt der Anklageschrift, der sich in Ahaus auf dem Marienplatz vor dem Kik-Markt abgespielt haben soll. Dort soll der Angeklagte nach einem erneuten Disput mit der Geschädigten mit seiner Mutter telefoniert und dabei die Worte `ich schlag ihr den Kopf ab` gewählt haben.

Doch diese indirekte Form der Morddrohung konnte in der Verhandlung nicht nachgewiesen werden. Der Angeklagte leugnete dies und die Geschädigte wusste nicht mal mehr genau, wann diese Drohung gewesen sein soll.

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Angesichts der vielen Ungereimtheiten sagte der Richter letztlich: „Ich könnte mir hier eine Gesamteinstellung des Verfahrens gegen Auflage vorstellen.“ Denn lediglich der Schubser des Angeklagten war durch die Beweisaufnahme einwandfrei nachweisbar.

Der Angeklagte will mit dem Richter die Geldstrafe verhandeln

Staatsanwaltschaft und Verteidigung stimmten dem Vorschlag zu. Nicht so aber die Anwältin der Geschädigten. „Wir tun uns schwer damit und sind nicht einverstanden.“

Geholfen hat der Einspruch letztlich nichts. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt. 350 Euro muss der Angeklagte nun in Raten in die Landeskasse zahlen.

Höhepunkt zum Schluss: Der 30-Jährige versuchte mit dem Richter über die Höhe der Geldstrafe zu feilschen. Doch damit kam er nicht weit. „Wir sind hier nicht auf dem Basar. Hier gelten andere Regeln“, stellte der Richter klar.

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