Streifzüge durchs Hohe Haus – Packende Geschichte und viel Herzblut

hzBurg Nienborg

Diederik von Bönninghause öffnet die Türen zum Hohen Haus in Nienborg und nimmt Besucher mit in längst vergangene Zeiten mit Erinnerungen an knarrende Dachböden und den alten Onkel Lodi.

Heek

, 26.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im schwachen Kerzenschein zwischen alten Koffern und Holzschränken auf dem uralten Dachboden in dunkle Winkel kriechen, nach Schätzen suchen und dabei komplett die Zeit vergessen. So sieht eine von Diederik von Bönninghausens schönsten Kindheitserinnerungen im Hohen Haus in Nienborg aus. Noch heute liebt er jeden Winkel des Hauses und öffnet gerne die Türen, um seine Faszination zu teilen.

​Die Steinfassade im Stil der niederländischen Renaissance hat das Hohe Haus schon seit dem 16. Jahrhundert

Die Steinfassade im Stil der niederländischen Renaissance hat das Hohe Haus schon seit dem 16. Jahrhundert © Christin Lesker

„Ich habe jetzt mit 51 noch genauso viel Spaß wie mit 15“, erzählt er strahlend als er in der historischen Eingangshalle steht. An den Wänden hängen Spiegel aus fast jedem Jahrhundert. „Die habe ich alle auf dem Dachboden gefunden“, sagt er und grinst verschmitzt. Denn in Kindertagen führte der Weg auf den Dachboden am mysteriösen Onkel Lodi vorbei.

Der mysteriöse Onkel Lodi

Regale gefüllt mit abgegriffenen Büchern, ein verrußter Kamin aus Stein und mitten im Raum ein verzierter Holztisch. Dort, in der Bibliothek saß Baron Ludwig von Bönninghausen, den alle Onkel Lodi nannten und trank seinen starken schwarzen Tee. „Wenn wir zu Besuch waren, haben immer gefragt: Dürfen wir auf den Dachboden gehen?“, erinnert sich Diederik von Bönninghausen.

Baron Ludwig von Bönninghausen, den alle nur Onkel Lodi nannten, starb 2005. Noch heute ist er im Hohen Haus aber auf verschiedenen Porträts und Gemälden präsent.

Baron Ludwig von Bönninghausen, den alle nur Onkel Lodi nannten, starb 2005. Noch heute ist er im Hohen Haus aber auf verschiedenen Porträts und Gemälden präsent. © Christin Lesker

Eine Tasse vom bitteren Tee mussten die Kinder mit ihm trinken, dann hat er sie gelassen und so sind viele Erinnerungen an abenteuerliche Entdeckungstouren auf dem knarrenden Dachboden entstanden. „Onkel Lodi war ein toller Mensch! Er hat das ganze Haus mit seinen eigenen Händen renoviert.“

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Seit Baron Ludwig 2005 starb, verwaltet die Stiftung der Familie das Haus. 1905 kam das Hohe Haus in den Besitz der Familie. Auch heute kommen die nächsten Generationen regelmäßig zu Besuch, um die gleiche Begeisterung wie Diederik von Bönninghausen zu entwickeln und später gut für das Hohe Haus zu sorgen.

Feste in romantischer Atmosphäre

Die Steinfassade im Stil der niederländischen Renaissance hat das Hohe Haus schon seit dem 16. Jahrhundert. Mit ihren verschiedenen Elementen lässt sie einen Teil der bewegten Geschichte erahnen. Ursprünglich gebaut, um die Dinkel als wichtigen Handelsweg zu schützen, hat das Hohe Haus heute weit romantischere Zwecke.

Der ehemalige Museumsdirektor Diederik von Bönninghause schaut sich zufrieden um. Er brennt für dieses Haus. „Begeisterung ist unser wichtigstes Kapital“, findet er.

Der ehemalige Museumsdirektor Diederik von Bönninghause schaut sich zufrieden um. Er brennt für dieses Haus. „Begeisterung ist unser wichtigstes Kapital“, findet er. © Christin Lesker

Die altertümlichen Säle im Erdgeschoss und im Keller der Burg bieten Platz für Konzerte, Dinnerpartys und Hochzeiten in romantischer Atmosphäre. „Weil nur 20 bis 50 Leute hier feiern können, ist es perfekt für eine Post-Corona Hochzeit“, meint Diederik von Bönninghausen und lacht.

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Für Besucher gibt es einige ausgewählte Termine, wie den Niederländischen oder Münsterländer Schlössertag, an denen das Hohe Haus geöffnet ist. Dann dürfen sie über das öffentliche Erdgeschoss hinaus, auch den sonst privaten Garten und Dachboden bestaunen.

Große schwere Steine schleppen

Neben der Zitronenmelisse im Garten stapeln sich große weiße Steine. Diederik von Bönninghausen erinnert sich, wie er die früher für Onkel Lodi schleppen musste. Viele Nienborger teilen das gleiche Schicksal. Wenn der 51-Jährige aus seiner Heimat Den Haag nach Nienborg kommt, freut er sich immer über den Besuch alter Bekannter. „Viele kommen vorbei und bringen Geschichten übers Haus, über Onkel Lodi oder übers Steine-schleppen mit.“

In den alten Mauern gibt es immer etwas zu tun. Doch Diederik von Bönninghause ist es das wert: „Ich bin stolz, denn es ist ein Vorrecht wegen so etwas wach liegen zu dürfen!“

In den alten Mauern gibt es immer etwas zu tun. Doch Diederik von Bönninghause ist es das wert: „Ich bin stolz, denn es ist ein Vorrecht wegen so etwas wach liegen zu dürfen!“ © Christin Lesker

Die ausgiebige Führung mit Diederik von Bönninghausen endet wieder in der Eingangshalle. Der ehemalige Museumsdirektor schaut sich zufrieden um. Er brennt für dieses Haus. „Begeisterung ist unser wichtigstes Kapital“, findet er. Und auch wenn die künftigen Veranstaltungen im Hohen Haus wegen Corona ungewiss sind und die laufenden Arbeiten viel Energie und Geld kosten, ist es ihm das wert. „Ich bin stolz, denn es ist ein Vorrecht wegen so etwas wach liegen zu dürfen!“

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