Handy-Umfrage in Heek liefert viele Gründe für den Verbleib in der Kirche

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Die Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland nimmt immer weiter zu. Gründe für einen Verbleib werden aber selten genannt. Pastoralreferentin Mechtild Sicking aus Heek wollte diese erfahren.

Heek

, 10.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Mechtild Sicking, Pastoralreferentin der Heeker Pfarrgemeinde Heilig Kreuz, in den vergangenen Tagen in den Medien die Nachrichten zur weiter steigenden Zahl der Kirchenaustritte verfolgte, stellte sie fest: „Die Gründe für einen Kirchenaustritt sind einfach zu finden, zum Beispiel die Kirchensteuer oder die aufgedeckten Missbrauchsvorfälle."

Dagegen habe sie bei all den Diskussionen über Gründe für die Austritte und mögliche Gegenmaßnahmen Gründe vermisst, die für einen Verbleib in der Kirche sprechen, sagt die Pastoralreferentin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bei einem Treffen zur Firmvorbereitung hatte Mechtild Sicking den Jugendlichen die Frage „Warum wollt ihr euch firmen lassen?“ gestellt. Das führte zu interessanten Antworten. „Ich war überrascht, wie vielfältig die Gründe waren, die die Jugendlichen vorgebracht haben“, berichtet die Pastoralreferentin. Diese reichten von „weil es dazugehört“ bis zu differenzierten Überlegungen über Kirche und Glauben.

Überraschend große Zahl an Antworten

Durch diese Idee inspiriert, stellte Mechtild Sicking am vergangenen Sonntag die Frage „Welche Gründe veranlassen Sie, in der Kirche zu bleiben“ in den WhatsApp-Status ihres Handys. Der Kreis der Adressaten war relativ groß, weil Mechtild Sicking über dieses Mobiltelefon die digitalen „Impulse“, spirituelle Anregungen für jeden, in der Coronazeit an interessierte Gemeindemitglieder verschickt hatte. Dennoch hatte sie „vielleicht 10, 15 Antworten“ erwartet.

Als sie auf ihr Handy schaute, war sie sehr überrascht über die große Zahl an Rückmeldungen. Mittlerweile haben sich über 400 Leute gemeldet und es treffen weiterhin neue Antworten ein.

„Es gab wahnsinnig viele positive Antworten, aber auch Kritik“, bilanziert Mechtild Sicking. Viele Antworten zielten in die Richtung, dass für das Christsein vor allem die Gemeinschaft wichtig ist, ganz im Sinne des Verses „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ aus dem Matthäus-Evangelium. Genannt wurden aber auch die lebenslange Begleitung durch die Kirche, eine persönliche Bindung zu den Seelsorgern oder die Möglichkeit, kirchlich zu feiern.

Junge Leute denken an die Zukunft der Kirche

„Es hat mich besonders überrascht, wie viele jüngere Leute sich gemeldet haben“, stellt Mechtild Sicking fest. Antworten wie „Ich will später einmal kirchlich heiraten“ oder „Ich könnte dem Pastor nach einem Austritt nicht mehr in die Augen sehen“ zeigen aus ihrer Sicht die Verbundenheit mit der Kirche in der dörflichen Umgebung.

Einige junge Erwachsene denken bereits einen Schritt weiter. „Wenn wir alle aus der Kirche austreten, wird die Kirche irgendwann abgerissen und ohne Kirche kann ich mir unser Dorf nicht vorstellen“, fasst Mechtild Sicking einige Antworten zusammen.

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Gerade die Kritik mit Vorschlägen, wie und wo sich die Kirche verbessern kann, werde in die tägliche Arbeit der Gemeinde einfließen. Zudem erhalte jeder, der in Heek aus der Gemeinde Heilig Kreuz austrete, einen Fragebogen, um einen Überblick über die Gründe zu erhalten. Im vergangenen Jahr haben die Gemeinde 26 Mitglieder verlassen.

„Gerade aus der Kritik nehmen wir mit, dass wir ganz nah an der Bevölkerung sein müssen“, stellt Mechtild Sicking fest. Die Gemeinde werde das Ergebnis aufnehmen und damit weiterarbeiten.

Digitale Wege als Corona-Erkenntnis

Eine Erkenntnis aus der Corona-Zeit: „Wir versuchen, viele Menschen digital zu erreichen. Unsere Impulse haben großen Anklang gefunden.“ Deswegen werde man die Aktion zu besonderen Anlässen wie der Kreuzwoche oder der Adventszeit wiederholen.

„Die Menschen wollen Spiritualität erfahren, aber dazu nicht unbedingt die Kirche besuchen“, nimmt Mechtild Sicking wahr. Deshalb habe die Gemeinde bereits neue Wege eingeschlagen.

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