Untergetaucht: Betrügerischer Kirchenmusiker zahlt Geldauflage nicht

hzErmittlungsverfahren

Der wegen Urkundenfälschung und Betrug von der Staatsanwaltschaft Münster zu einer hohen Geldauflage verdonnerte Kirchenmusiker aus Heek ist untergetaucht. Das hat Konsequenzen.

Heek

, 16.09.2020, 12:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kirchenmusiker aus Heek, der wegen Urkundenfälschung und Betrug von der Staatsanwaltschaft Münster zu einer hohen Geldauflage verdonnerte wurde, ist untergetaucht. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Redaktion. Seine Geldauflage hat der Kirchenmusiker nicht gezahlt. Dabei ist die Frist längst abgelaufen.

Dunkle Wolken sind im August 2019 über der Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Heek aufgezogen. Der seinerzeit erst kürzlich eingestellte neue Chorleiter und Organist legte bei der Bewerbung gefälschte Zeugnisse vor. Er gab vor, studierter Kirchenmusiker (B-Kirchenmusiker-Examen) zu sein. Doch dem war nicht so. Die Hochschule für Musik und Tanz in Köln bezeichnete die Zeugnisse im Nachgang „als stümperhafte Fälschung.“

Staatsanwaltschaft Münster kommt ins Spiel

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelte in der Folge wegen Urkundenfälschung und Betrug gegen den Kirchenmusiker. Und dieser gab die Vergehen gegenüber der Staatsanwalt zu. Doch anstatt die vereinbarte Geldauflage in fünfstelliger Höhe zum Einstellen des Verfahrens zu zahlen, machte sich der Betrüger einfach aus dem Staub. Hals über Kopf verließ er Heek, löschte sein Facebookprofil und tauchte unter.

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Die Frist zur Zahlung der Geldauflage im Februar 2020 ließ er verstreichen. Das bestätigt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt auf Anfrage der Redaktion. Und er sagt: „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.“ Das wäre es bei Zahlung der Geldauflage gewesen, so aber ist die Staatsanwaltschaft weiter dran an der Sache. Und das könnte für den Kirchenmusiker deutlich schärfere Konsequenzen nach sich ziehen als die Geldauflage.

Staatsanwaltschaft macht Angebot nur einmal

„Generell macht die Staatsanwaltschaft nur ein Mal so ein Angebot (Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage – d. Red.)“, stellt der Oberstaatsanwalt klar. Mögliche Folge: Ein Strafverfahren. Also ein Gerichtsverfahren, in dem entschieden wird, ob eine strafbare Handlung vorliegt, und eine Strafe verhängt wird. Im Falle des Kirchenmusikers ist die Sache klar. Er hat seine Vergehen bereits eingeräumt. Das Ganze würde bei einer Verteilung auch im Führungszeugnis auftauchen.

Ein Blick in der Ludgerus-Kirche in Heek, in der der Kirchenmusiker ein knappes Jahr die Orgel spielte

Ein Blick in der Ludgerus-Kirche in Heek, in der der Kirchenmusiker ein knappes Jahr die Orgel spielte © Markus Gehring

Doch soweit ist es noch lange nicht. Knackpunkt ist derzeit der Aufenthaltsort des Kirchenmusikers. Dieser, darauf deutet laut Staatsanwaltschaft vieles hin, dürfte im Ausland sein. Einige Indizien sprächen dabei für Norwegen. Das wurde der Redaktion auch aus zwei anonymen Quellen zugespielt. Fakt ist: Die Zahlungserinnerung der Staatsanwaltschaft Münster konnte im Januar 2020 nicht ordnungsgemäß bei der zuletzt bekannten Meldeadresse zugestellt werden.

Wo hält sich der Kirchenmusiker auf?

„Wir haben keine gesicherte Erkenntnis zu seinem Aufenthaltsort“, so Martin Botzenhardt. Dementsprechend sei das Verfahren derzeit eingestellt. Aber nicht wegen der Rechtslage, sondern nur wegen des (noch) unbekannten Aufenthaltsortes, wie der Oberstaatsanwalt betont. „Das Verfahren ist noch lange nicht erledigt. Sobald wir eine ladungsfähige Adresse haben, geht es weiter.“

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Und dabei wird die Ermittlung dieser Adresse nicht dem Zufall überlassen. „Wir als Staatsanwaltschaft haben da natürlich Vorkehrungen getroffen, um an Informationen zu gelangen.“ Mehr ins Details gehen könne er nicht, sagt Botzenhardt, denn die Arbeit der Staatsanwaltschaft und aller, die daran beteiligt seien, soll nicht gefährdet werden.

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