Wegen Corona: Terhünte setzt auf Schuh-Verkauf per Videotelefonie

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Für viele Einzelhändler wird die Corona-Krise zu einem wirtschaftlichen Drahtseilakt. Das Schuhhaus Terhünte aus Heek hat diese Herausforderung innovativ angenommen.

Heek

, 30.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hält die Welt ungebrochen in Atem. Für viele Gastronomen, Einzelhändler und Selbstständige ist es schon längst ein wirtschaftlicher Überlebenskampf. Wie man diesen in Zeiten der Digitalisierung angehen kann, zeigt das Schuhhaus Terhünte in Heek seit knapp zwei Wochen. Alles, was dazu benötigt wird, sind zwei mobile Endgeräte.

„Schau mal, wie gefällt Dir dieser Schuh?“, fragt Stefanie Gausling und zeigt Leon (7) einen blauen Schuh mit Klettverschlüssen. Dabei hält sie den Schuh in der linken Hand, in der rechten liegt das Smartphone. Leon und seine Mutter mustern jede ihrer Bewegung und jedes Details des Schuhs. „Der sieht toll aus“, sagt Leon nach einigen Sekunden.

Die Ladentüren sind schon seit Tagen geschlossen

Und – zack – gehört der Schuh zu einem von drei Paaren, die sich der Siebenjährige und sei Mutter von Schuhhaus Terhünte nach Hause liefern lassen. So funktioniert der Schuh-Verkauf in Corona-Zeiten. Zumindest im Schuhhaus Terhünte. Denn die Ladentüren müssen für Kunden wegen der Pandemie schon seit Tagen geschlossen bleiben.

Und so sieht der Arbeitsalltag von Stefanie Gausling, Tochter der Inhaber Beate und Heinz-Jürgen Gausling, eben derzeit etwas anders, etwas digitaler als gewöhnlich aus. Die Terminabsprache zur Video-Telefonie erfolgt unkompliziert am Telefon. „Einfach anrufen und wir besprechen alles weitere“, sagt Stefanie Gausling.

Resignation war für die Inhaber keine Option

Am 18. März war das Schuhgeschäft übrigens das vorerst letzt Mal regulär geöffnet. Dann kam der Cut durch den Eilerlass der Landesregierung. Doch Resignation war keine Option für die Inhaber. Aus zwei Gründen. „Wir hatten viele Anfragen von Eltern, die in „Sorge“ waren, jetzt für ihre Kinder keine passenden Schuhe mehr für den Frühling und Sommer bekommen zu können“, berichtet Heinz-Jürgen Gausling. Und natürlich gilt es auch, den wirtschaftlichen Schaden durch die Corona-Krise so gut es geht zu minimieren.

Stefanie und Heinz-Jürgen Gausling vom Heeker Schuhhaus Terhünte begegnen der Corona-Krise in ihrem Geschäft auf innovative Weise.

Stefanie und Heinz-Jürgen Gausling vom Heeker Schuhhaus Terhünte begegnen der Corona-Krise in ihrem Geschäft auf innovative Weise. © Till Goerke

„Dass dadurch Einnahmen wegfallen, ist ja kein Geheimnis“, so Heinz-Jürgen Gausling. Für die handvoll Mitarbeiter ist darum derzeit Kurzarbeit angesagt. „Kündigen wollen wir niemanden. Wir sind hier ein Team.“ Und solange die Corona-Pandemie wütet, eben ein dezimiertes, aber sehr kreatives. Denn auch Beratung, Reparatur- und Putzservice laufen ungebrochen weiter.


Auch die Beratung erfolgt per Videotelefonie

Aber wie funktioniert das jetzt mit der Beratung? Schlichte Antwort: Ebenfalls per Videotelefonie. „Und ein Blick in die Kundendatei hilft auch“, erklärt Stefanie Gausling. Auch vor dem Videotelefonat mit dem siebenjährigen Leon und seiner Mutter hat sie erst in der Datei nachgesehen.

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Und bevor es zum Vorführen der unterschiedlichen Modelle kam, stellte der Siebenjährige zunächst seinen Fuß auf die Sohle (s)eines alten Schuhs. Unter fachmännischer Beobachtung von Stefanie Gausling. „Daran erkennt man vieles, was für einen neuen und damit passenden Schuh wichtig ist.“

Die Auslieferung erfolgt kontaktlos

Das Ausliefern der Schuhe erfolgt unmittelbar nach der Bestellung. Innerhalb der Dinkelgemeinde natürlich mit dem Fahrrad. Gleiches gilt für den Fall, wenn Schuhe zurückgegeben werden sollen. Bezahlt wird per Überweisung. „Oder einfach passend in einen Umschlag bereitlegen“, so Stefanie Gausling. Denn: Die Lieferung erfolgt in dieser Krisenzeit kontaktlos. Maximale Risikominimierung ist das Zauberwort.

Bevor passende Schuhe vorgeführt werden können, stellen Kunden ihren Fuß auf die Schuhsohle eines alten Schuhs – daran erkennt Stefanie Gausling, welcher neuer Schuh infrage kommen könnte.

Bevor passende Schuhe vorgeführt werden können, stellen Kunden ihren Fuß auf die Schuhsohle eines alten Schuhs – daran erkennt Stefanie Gausling, welcher neuer Schuh infrage kommen könnte. © Till Goerke

Interessanter Punkt: Bisher seien es vor allem Kinder gewesen, die den Schuhkauf per Videotelefonat ausprobiert hätten. „Ein paar Damen waren auch schon dabei“, sagt Stefanie Gausling. Nur aufseiten der Herren steht noch die Null. „Das kann sich ja noch alles ändern“, merkt Heinz-Jürgen Gausling an. Denn eine Ende der Corona-Krise ist noch nicht in Sicht. Und damit auch nicht des Schuh-Verkaufs per Videotelefonie.

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