Wo Rosse wieherten, wird gebetet

Aus altem Rittersaal entsteht Gotteshaus

25.05.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Ursprünge des Gotteshauses gehen allerdings weiter als 100 Jahre zurück: Mit der Gründung der «Novum Castrum» (neue Burg) durch Bischof Hermann II. wurde auf dem Burggelände eine Kapelle errichtet. Unter den Burgherren war es Sitte, jeden Tag die Messe zu hören. Den Gottesdienst hielt der Pfarrer von Heek ab, denn Heek war die Mutterpfarrei. Bereits 1256 wird Nienborg zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Sie besteht aus der Burg, dem Vorort und der Bauerschaft Callenbeck. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert führen die Pfarrer von Nienborg den Titel Dechant, was gewisse Vorteile mitbringt: So wird 1313 das Einkommen des Pfarrers von Nienborg auf zehn Mark beziffert; der Pfarrer in Heek dagegen bekommt «nur» drei Mark. Von dem Wirken der ersten Pfarrherren in Nienborg ist nicht viel bekannt. 1771 berichtet Pfarrer Johann Heinrich Göffen dem Bischof von Münster über die in Nienborg bestehende Armenstiftung, 1790 droht der Einsturz der Kapelle im Heilig Geist-Armenhaus - ein neues Gotteshaus muss gefunden werden. Da zu dieser Zeit nur noch wenige Burgmänner in Nienborg wohnen, wird das früher den Burgherren als Convent- und Reitsaal dienende Gebäude in eine Kirche umgewandelt. In einem Bericht vom Juli 1882 über die Altertümer Nienborgs heißt es: «Der Rittersaal ist in eine Kirche umgetan, wo sonst die Rosse der Edlen wieherten, tönt jetzt der Gesang der betenden Menge.» Der Bau wird als frühgotisch mit einem Treppengiebel nach Westen beschrieben und dürfte im Kern aus dem 14. Jahrhundert stammen. Ihren Standort hatte die alte Kirche wie die Burghäuser im Oval der Burg zur Burgmauer hin auf dem Grundstück der ehemaligen Schule, des heutigen Pfarrheims. Unter Pfarrer Anton Schwicking (1815 bis 1848) wird die Kirche umgebaut und vergrößert.

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