Die sichtbaren Pfeifen der Orgel in der St.-Benedikt-Kirche in Herbern sind sogenannte stumme Pfeifen. Sie dienen allein der Zierde. Die Orgel erklang nun in all ihren Facetten zum Orgeltag. © Claudia Hurek
Kirchen in Herbern

Alle Register gezogen: Orgeltag in Herbern gibt spannende Blicke hinter die Kulissen

Der Spruch „alle Register ziehen“ hat seinen Ursprung in den Orgelregistern. Wenn alle Register gezogen sind kommt der volle Klang der Orgel zur Geltung. Davon haben sich einige Herberner nun überzeugen können.

Seine Premiere feierte der westfälische Orgeltag erstmalig mit großem Erfolg im Jahr 2018. Die zweite Auflage, erstmals ökumenisch, fand nun am Sonntag (13. Juni) mit rund 120 Veranstaltungen statt, so auch in der St.-Benedikt-Kirche in Herbern.

Für den Tag zu Ehren der Orgel, hat sich Küster Uwe-Reiner Bochmann etwas besonderes einfallen lassen. Insgesamt drei Gruppen, jeweils zu verschiedenen Uhrzeiten, mit je fünf Personen durften einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Fleiter Orgel werfen, die seit dem Jahr 1894 in der St.-Benedikt-Kirche erklingt.

„Hier ist alles aus Holz, Metall, Leder oder Draht, und man kann alles reparieren“, weiß Küster und Organist Uwe-Reiner Bochmann. „Wir könnten unsere Orgel auch immer noch spielen , wenn einmal der Strom ausfällt.“

1000 verschiedene Töne und Klangfarben

Sollte dies einmal der Fall sein, müsste jemand mit viel Muskelkraft in einen kleinen Raum neben der Orgel kräftig auf die Pedale treten. Diese wiederum füllen den Blasebalg, der notwendig ist, um Töne auf der Orgel zu erzeugen. „Wenn da jemand aus dem Tritt kommt, zu schnell oder auch zu langsam tritt, hört es sich an wie Kirmesmusik“, so Bochmann.

Organist Uwe-Reiner Bochmann erklärt hier den Besuchern die unterschiedlichen Pfeifen der Fleiter Orgel und deren Funktionsweise. © Claudia Hurek © Claudia Hurek

Die Orgel hat 21 Register, 54 Tasten sowie 25 Pedale; das ergibt insgesamt über 1.000 verschiedene Pfeifentöne und Klangfarben. Das wichtigste Register war in früheren Zeiten, als die Orgel noch stromlos funktionieren musste, das Register Calcant. Sobald der Organist dieses Register zog, klingelte im „Pedalraum“ ein Glöckchen und ein Messdiener oder auch Gemeindemitglied wusste, dass er nun den riesigen Blasebalg mit Muskelkraft in Bewegung setzen musste. Inzwischen übernimmt diese oftmals schweißtreibende Arbeit der Orgelmotor.

Orgel in Herbern fast noch im Originalzustand

Die sichtbaren Pfeifen der Fleiter Orgel in St. Benedikt sind stumme Pfeifen. Sie sind nur Zierde. „Sieht schön aus, gibt aber keinen Ton von sich“, sagt Bochmann. Für die Töne sind 1119 Pfeifen zuständig, die sich hinter der Orgel befinden und für Kirchenbesucher unsichtbar sind. Bei den Pfeifen handelt es sich um sogenannte Labialpfeifen (Lippenpfeifen) und Lingualpfeifen (Zungenpfeifen) und bestehen aus Holz und Metall. Die kleinste Pfeife ist gerade einmal wenige Zentimeter lang, während die größte 4,80 Meter misst.

Besucher David Eidecker hätte sich das treten der Pedale für den Betrieb des Blasebalgs anstrengender vorgestellt. „Ist es auch bestimmt, wenn man das eine halbe Stunde macht.“
Besucher David Eidecker hätte sich das treten der Pedale für den Betrieb des Blasebalgs anstrengender vorgestellt. „Ist es auch bestimmt, wenn man das eine halbe Stunde macht.“ © Claudia Hurek © Claudia Hurek

Alle 20 bis 25 Jahre muss man die Orgel komplett reinigen lassen. Dies bedeutet, dass jede einzelne Pfeife entfernt wird. „Das ist ein enormer Aufwand, zuletzt im Jahr 2013“, sagt Organist Bochmann. „Gestimmt hingegen wird die Orgel einmal jährlich von einem Mitarbeiter der Firma Fleiter. Wenn einmal etwas kaputt geht oder der Holzwurm aktiv war, werden Ersatzteile extra angefertigt. Allerdings ist bei unserer Orgel tatsächlich noch fast alles im Originalzustand.“

Mit den Registern und Pedalen lassen sich rund tausend verschiedene Töne und Klangfarben erzeugen.
Mit den Registern und Pedalen lassen sich rund tausend verschiedene Töne und Klangfarben erzeugen. © Claudia Hurek © Claudia Hurek
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