Angeklagter Ascheberger sagt stundenlang nicht-öffentlich aus

hzMissbrauchsprozess in Münster

Zweiter Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen einen 59-jährigen Mann aus Ascheberg: Für Zuschauer wird der Prozess in Münster zur Geduldsprobe.

Ascheberg, Herbern

, 13.05.2020, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 59-jähriger Mann aus Ascheberg soll die vier Enkelkinder seine Ehefrau sexuell missbraucht haben. In der Anklage ist von mehr als 30 Übergriffen die Rede. Am ersten Verhandlungstag hatte der Ascheberger über seine Verteidiger angekündigt, die Taten gestehen zu wollen, um den Kindern eine quälende Zeugenaussage vor dem Landgericht zu ersparen. Am Mittwoch sollte es nun so weit sein.

Zuschauer sofort ausgeschlossen

Doch bevor die beiden Rechtsanwälte auch nur das erste Wort der zusammen mit ihrem Mandanten aufgeschriebenen Erklärung verlesen hatten, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. In der Einlassung zur Sache würden intime Details zur Sprache kommen. Und in diesem Fall seien die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten wichtiger als das Interesse der Öffentlichkeit an der juristischen Aufarbeitung des Falles, sagten die Richter.

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Stundenlange Vernehmung

Tatsache ist: Die Vernehmung des Angeklagten dauerte anschließend mehrere Stunden. Nachdem die schriftliche Erklärung verlesen worden war, werden die Richter also noch eine Menge Nachfragen gehabt haben. Ein bloßes Abnicken der Vorwürfe würde nämlich nicht dazu führen, dass die Kammer auch tatsächlich beschließt, dass auf die Zeugenvernehmung der Kinder verzichtet werden kann.

Die zum zweiten Verhandlungstag erschienenen Zuschauer - zum Prozessauftakt selbst war nur ein einziger gekommen - wurden also auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Und als sich dann doch endlich die Saaltür öffnete, bremste die Protokollführerin die Erwartungen auch schon gleich wieder. „Das ist nur eine Pause. Danach geht es nicht-öffentlich weiter“, sagte sie den Wartenden.

Zuschauer kennt die Familie

Unter diesen befand sich auch ein Mann, der angibt, die betroffene Familie schon lange zu kennen und zu wissen, dass für die Kinder auch schon vor der Zeit der sexuellen Übergriffe psychologische Hilfe in Anspruch genommen wurde. „Es ist ein Jammer, was da passiert ist“, sagte er kopfschüttelnd.

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Mutter sagt als Zeugin aus

Für ihn und die übrigen Zuschauer sollte es aber nicht besser werden. Denn als die Vernehmung des Angeklagten endlich vorbei war und nunmehr die Mutter der Kinder als Zeugin befragt werden sollte, war es Opfer-Anwältin Julia Artmann-Eichler, die einen schriftlichen Antrag aus der Tasche zog. „Die von mir vertretenen Kinder möchten nicht, dass ihre Mutter in öffentlicher Sitzung berichten muss, was sie erlebt haben und wie es ihnen heute geht“, sagte die Rechtsanwältin. Die Richter gaben nach kurzer Beratung auch in diesem Fall dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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