2012 wurde die Volksbank in Herbern überfallen. Ein Täter wurde bisher nicht gefasst. Ihm wird eine ganze Raubserie angelastet. © pixabay
Banküberfall

Bankraub in Herbern: 9 Jahre danach wird Täter im Fernsehen gesucht

9 Jahre nach dem Überfall auf die Volksbank in Herbern sucht das LKA immer noch nach dem Täter. Ihm werden insgesamt 14 Taten zugeschrieben. Dabei reicht die Geschichte der Raubserie 23 Jahre zurück.

Der 9. Mai 1998, eine Bankfiliale in Remscheid. Zwei Bankangestellte, eine Frau und ein Mann, gehen zum Tresorraum. Die Angestellte öffnet den Tresor. Hinter ihrem Kollegen nähert sich unbemerkt ein maskierter Räuber. Er drückt dem Bankangestellten eine Waffe in den Rücken, befiehlt ihm sich auf den Boden zu legen. Die Frau soll den Tresor öffnen. Der Täter nimmt das Geld aus einer Geldkassette, befiehlt auch der Frau sich hinzulegen und fesselt dann beide mit Schnürsenkeln an den Händen. Danach flieht der Täter durch ein Fenster, wobei er zuvor noch einen Angestellten bedroht.

Der unbekannte Täter soll zumindest zeitweise Brillenträger gewesen sein.
Der unbekannte Täter soll zumindest zeitweise Brillenträger gewesen sein. © LKA NRW © LKA NRW

So wurde die 23 Jahre zurückliegende Tat in der Sendung Aktenzeichen XY im ZDF dargestellt. Was das alles mit Ascheberg und Herbern zu tun hat? Es ist der erste Fall, der eben jenem Bankräuber zugeordnet wird, der am 8. Juni 2012 auch eine Filiale der Volksbank in Herbern überfallen haben soll.

14 Taten werden dem Bankräuber zugeschrieben

Insgesamt 14 Taten werden dem Bankräuber aufgrund von DNA Spuren und seiner speziellen Vorgehensweise bislang zugeschrieben. Wie Kriminalhauptkommissar Joachim Kledtke vom Landeskriminalamt NRW in der Sendung am Mittwochabend (15. September) deutlich machte, gehe man davon aus, dass es auch mehr Taten sein könnten.

Diese Phantombilder wurden nach einem Raub im Jahr 2015 erstellt.
Diese Phantombilder wurden nach einem Raub im Jahr 2015 erstellt. © LKA NRW © LKA NRW

Mehr als zwei Millionen Euro hat der unbekannte Täter auf seinen Raubzügen bislang erbeutet. Die bisherigen Tatorte liegen maximal 300 Kilometer weit auseinander – zwei in Rheinland-Pfalz, der Rest in Nordrhein-Westfalen. Eine besondere Häufung sei zwischen dem Rhein und der Grenze zu den Niederlanden erkennbar, so Kledtke. „Wir vermuten, dass der Täter einen Bezug zu der Gegend hat.“ Er könnte aus dem Rheinland oder aus dem angrenzenden Bergischen Land kommen.

Täter geht immer nach demselben Muster vor

Bei seinen Taten geht der Bankräuber immer nach demselben Muster vor. Der Täter verschafft sich Zutritt zu den Bankräumen und versteckt kleine Funk-Kameras (kabellos, zumeist chinesische Produktion). Dann beobachtet er von einem Raum innerhalb des Gebäudes die Geschehnisse und wartet.

Auch nach dem Überfall auf die Volksbank in Herbern hatten Polizei und Staatsanwaltschaft davon gesprochen, dass der Täter vor der Tat in die Bank eingestiegen sei und dort auf die Mitarbeiter gewartet habe.

Die Polizei geht davon aus, dass der unbekannte Täter heute zwischen 50 und 65 Jahre alt ist. Nach Zeugenangaben soll er zwischen 1,85 und 1,90 Meter groß sein mit einer sportlichen Figur. Bei einem Überfall im Jahr 2015 soll er dunkelblonde bis blonde Haare gehabt haben. Dies könnte sich aber zwischenzeitlich geändert haben so Kledtke. 2020 bei einem Raub in Rees soll das Gesicht des Mannes faltig und zerfurcht gewesen sein.

Mann kennt sich mit Schließtechnik aus

Weiterhin geht die Polizei davon aus, dass der Täter keiner regulären Arbeit nachgeht und auch nicht in einer engen Beziehung lebt, da ein fester Partner Verdacht schöpfen könnte. Allerdings habe der unbekannte Mann offenbar ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, sei handwerklich begabt und kenne sich mit Tür- und Fenstermechanik sowie Elektro- und Schlüsseltechnik aus. Eventuell könnte er in einem dieser Bereiche auch eine Ausbildung absolviert haben, so das LKA. Außerdem wurde immer wieder berichtet, der Täter habe mit Akzent gesprochen. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass er seine Stimme entsprechend verstellt hat. Diese Vermutung hatte unter anderem ein Zeuge von einem missglückten Überfall in Bad Münster 2009.

Mittlerweile sind für Hinweise, die zur Aufklärung der Raubserie führen, gleich mehrere Belohnungen ausgesetzt. 36.500 Euro insgesamt. Die Volksbank Ascheberg-Herbern eG hatte 2012 exakt 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters und/oder zur Wiederbeschaffung der Beute führen.

Die bislang bekannten Tatorte:

  • 06.05.1998, Sparkasse Remscheid, 42897 Remscheid, Hasenberger Weg 11,
  • 08.02.2000, Sparkasse Krefeld, 41372 Niederkrüchten, Goethestr. 5,
  • 18.04.2006, Kreissparkasse Heinsberg, 41812 Erkelenz, Gerderath, Lauerstr. 15,
  • 05.12.2006, Volksbank Erkelenz, 41372 Niederkrüchten Elmpt, Goethestr. 1
  • 13.04.2007, Sparkasse Siegen, 57250 Netphen, Martin-Luther- Str. 2,
  • 18.01.2008, Sparkasse Lippstadt, 59556 Lippstadt, Bad Waldliesborn, Parkstr. 18,
  • 27.02.2009, Sparkasse Krefeld, 41751 Viersen-Dülken, Lindenallee 15 a
  • 13.10.2009, Sparkasse Bad Münster, 55583 Bad Münster am Stein, Berliner Str. 46
  • 30.10.2009, Sparkasse Westerwald / Sieg, 57548 Kirchen, Lindenstr. 5,
  • 08.06.2012, Volksbank Ascheberg-Herbern, 59387 Ascheberg, Merschstr. 20
  • 07.03.2014, Volksbank Krefeld, 41334 Hinsbeck, Markt 9,
  • 25.09.2015, Sparkasse Düren, 52355 Düren-Lendersdorf, Hauptstr. 78,
  • 16.03.2017, Sparkasse Duisburg, 47239 Duisburg-Rumeln, Dorfstr. 33
  • 16.01.2020, Volksbank Emmerich-Rees, 46459 Rees am Niederrhein, Dellstr. 1-3

Hinweise nimmt das LKA NRW unter Tel. 0211 9390 entgegen.

Über die Autorin

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.