Schützenpaar von Horn: Tobias (31) und Tayana (30) lernten sich ausgerechnet beim Karneval kennen

hzDeutsch-brasilianisches Schützenpaar

Der Schützenverein Horn hat seine erste brasilianische Schützenkönigin. Seit vier Jahren lebt die 30-Jährige in Deutschland. Den ersten Kulturschock hat sie längst überwunden – und in Herbern ihr Glück gefunden.

Herbern

, 15.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war ein Schock“, sagt Tayana Silva de Carvalho und lacht. Die 30-Jährige war gerade zwei Wochen in Deutschland und der Karneval in Münster so ganz anders, als der in ihrer Heimat Brasilien. Im Februar 2015 war das – vier Jahre später sollte sie die erste brasilianische Schützenkönigin in Herbern werden. So spielt das Leben…

Verkleidet war sie damals in Münster nicht, als sie ihren heutigen Freund Tobias Großerichter kennenlernte. Die beiden seien ins Gespräch gekommen, erzählt der 31-jährige Landwirt aus Herbern. So kam eins zum anderen – und der Kulturschock beim Karneval war schnell vergessen.

„Prince und Queeny“

„Ich habe hier meinen Hof und den kann ich nicht mit nach Brasilien nehmen.“
Tobias Großerichter

Anfang Juli nahm Tobias Großerichter seine Tayana zur Schützenkönigin von Horn, nachdem er mit dem 179. Schuss den letzten Rest des hölzernen Vogels von der Stange holte. Das erste Schützenfest, das Tayana 2015 miterlebte, war das in Nordick. „Und das war eigentlich ganz cool“, erzählt sie und schaut rüber zu Tobias.

„Prince und Queeny“, riefen ihre Freunde bei der Proklamation. So nennen sich die beiden manchmal untereinander. Für die nächsten zwei Jahre sind „Prince und Queeny“ nun also das Königspaar der Bauerschaft. 25 Jahre, nachdem Tobias’ Eltern Richard und Agnes Großerichter in Horn regierten.

„Da haben wir vorher schon mal drüber gesprochen, ob das ok wäre“, sagt Tayana und lächelt. Überhaupt lächeln die beiden viel an diesem Morgen. Eine Woche nach ihrem großen Tag beim Vogelschießen Anfang Juli.

Tayanas Heimatstadt ist eine Millionenmetropole

Zweimal war Tobias schon in Brasilien. Tayana stammt aus Belém, einer Millionenstadt im Norden des südamerikanischen Landes. Belém ist neben Manaus die wichtigste Stadt des brasilianischen Amazonasgebietes. „Es ist immer warm“, sagt Tayana. Und so waren 2015 nicht nur die deutschen Karnevalisten ein Schock, sondern auch die Minustemperaturen in Münster.

Heute wohnt Tayana in Essen, arbeitet dort an der Uni-Klinik. Nach vier Jahren in Deutschland wollte sie als Doktor der Neurowissenschaften eigentlich zurück in ihr Heimatland. „Nun bleibe ich hier“, sagt sie, will zu Tobias auf den Hof ziehen. Käme eine Auswanderung nach Brasilien denn auch infrage? „Nein“, sagt Tobias. „Ich habe hier meinen Hof und den kann ich nicht mitnehmen.“

Tayana vermisst ihre Lieben, sagt sie. Ihre Familie, ihre Freunde. Doch im Münsterland fühlt sie sich wohl und auch angenommen. Hier hat sie Tobias kennengelernt. Und Cousin und Cousine wussten das schon eher: „Sie haben immer Spaß gemacht: Tayana, du lernst in Deutschland bestimmt einen Mann kennen.“

„Ach nein“, habe sie immer gesagt. Na ja... so spielt das Leben.

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