„Bei Nikos“-Betreiber in Herbern zu Corona-Krise: „Die Situation ist extrem belastend“

hzCorona-Krise in Herbern

Tag um Tag bangen die Geschäftsleute in Deutschland um ihre Existenz. Auch Nicolas Pispas vom griechischen Restaurant „Bei Nikos“ treibt die Frage um, wie lange die Corona-Krise noch anhält.

Herbern

, 27.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Corona-Krise steht das öffentliche Leben nahezu still. Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen werden mit Bußgeldern geahndet, Einzelhändler und Gastronomen kämpfen hinter verschlossenen Türen um ihre Existenzen.

Auch Nicolas Pispas vom griechischen Restaurant „Bei Nikos“ in Herbern treibt die Frage nach dem „Wie lange noch?“ um. Seit dem 20. März müssen Restaurants und Speisewirtschaften in Herbern und Ascheberg geschlossen bleiben. Vorerst bis zum 19. April. Trotz allem wisse man nicht, ob die Krise nur ein paar Wochen anhalte oder mehrere Monate.

„Bei Nikos“ zu Corona-Krise: „Situation ändert sich jeden Tag

„Die Situation ändert sich ja jeden Tag“, sagt Pispas, „An einem Tag musste ich aus dem Fenster verkaufen, dann durften die Leute wieder rein. Man muss ja auch was gegen das Virus tun, aber wir wissen ja selber auch nicht alle Bescheid.“ Um in seinem Laden überhaupt noch zu verkaufen, hat sich der Herberner selbst beholfen. Mit Stangen und Frischhaltefolie hat Pispas eine Barriere auf der Theke gebaut, als Schutz zwischen Mitarbeiter und Kunden.

Nun dürfen die Kunden wieder kommen. Die Sitzmöglichkeiten und Tische sind zusammengeräumt. Auf dem Boden klebt ein Pfeil, der die Kunden in gewissem Abstand entlang eines gespannten Paketbandes zur Theke leitet. Dabei sollen sich aber so wenig Kunden wie möglich gleichzeitig im Laden aufhalten. „Gestern wollte sich hier jemand ein Bier aufmachen. Da musste ich ihm sagen, dass er das hier nicht darf“, so Pispas. Denn das Land NRW hat verfügt, dass Speisen in einem Umkreis von 50 Metern um eine Gaststätte nicht verzehrt werden dürfen.

Vom einen auf den anderen Tag bricht der Besucherstrom ab

Noch am vorletzten Wochenende sei sein Imbiss brechend voll gewesen. Weit voller als normalerweise. Die Leute seien in Gruppen gekommen. Kein Platz sei mehr frei gewesen. „Da war noch so viel los, da habe ich mich schon gefragt, ob das so gut ist“, sagt der Betreiber. Denn immerhin habe die Regierung da schon gewarnt. Am darauffolgenden Montag dann sei alles „runtergekracht“, auch aus Angst seien die Leute nicht mehr gekommen. Dann folgte ein Wirrwarr an Erlässen mit Schließungs-, Hygiene-, Liefer- und Außer-Haus-Bestimmungen.

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„Die Situation ist extrem belastend“, sagt Pispas. „Mein Vater hat den Laden vor über 30 Jahren aufgemacht, ich bin seit 15 Jahren dabei. Ich habe sowas in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.“ Nicht nur für ihn, auch für andere Betriebe und Gastronomen in Herbern und in der Umgebung sei die Situation extrem. Erst vor Kurzen habe ihm ein selbständiger Kunde erzählt, dass ihm derzeit die Aufträge wegbrächen, weil die Menschen Angst haben, Dienstleister in ihr Haus zu lassen. Vielen Betrieben gehe es in dieser Krise sehr schlecht. Gerade auf dem Land hätten viele zu kämpfen.

"Bei Nikos" in Herbern hat Nicolas Pispas einen Laufweg mit Pfeilen für die Kunden ausgewiesen und einen provisorischen Spuckschutz aufgebaut.

"Bei Nikos" in Herbern hat Nicolas Pispas einen Laufweg mit Pfeilen für die Kunden ausgewiesen. © Pispas

Fünf Vollzeitkräfte arbeiten in dem griechischen Restaurant, dazu kommen Teilzeitkräfte. Zuverlässige Leute, nennt Pispas sie. „Wir wollen die ja nicht im Regen stehen lassen.“ Die von der Bundesregierung versprochene Soforthilfe von 9000 Euro sei zwar eine Hilfe, aber dann wiederum in Anbetracht der laufenden Kosten auch nichts.

Wenn Pispas Kurzarbeit beantrage, habe das zur Konsequenz, dass seine Vollzeitkräfte nur noch 60 Prozent ihres Gehaltes bekämen. 67, wenn der Mitarbeiter ein Kind hat. „So lange wie es möglich ist versuchen wir, das Beste aus der Situation zu machen.“ Dafür telefoniere er jeden Tag mit seinem Steuerberater. Hilfsanträge seien in Bearbeitung.

„Bei Nikos“, das sei ein Treffpunkt im Ort, sagt Pispas. Ein Ort, an dem die Menschen zusammenkommen. „Das ist jetzt weg.“


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