Beschneidung im Wohnzimmer ohne Betäubung: Syrischer Chirurg (43) muss ins Gefängnis

hzGerichtsurteil

Ein syrischer Arzt führt in Ascheberg eine Beschneidung im Wohnzimmer durch - ohne Betäubung und Desinfektion. Es gibt Komplikationen. Der Arzt wurde nach verdeckten Ermittlungen überführt.

Ascheberg/ Münster

, 11.10.2019, 17:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer völlig misslungenen und offenbar auch extrem schmerzhaften Beschneidung in Ascheberg ist ein syrischer Chirurg (43) zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte hatte einen Säugling auf dem Wohnzimmertisch beschnitten. Dabei war es zu erheblichen Komplikationen gekommen.

Der Eingriff hat laut Urteil des Landgerichts Münster eklatant gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen. Es habe keine ausreichende Abdeckung des „OP-Bereichs“ gegeben, keine geeignete Desinfektion und auch keine Betäubung.

Das Geschlechtsteil des Säuglings sei lediglich mit einer selbst angerührten Mischung aus Alkohol und Lidocain besprüht worden. Diese Methode habe laut Gericht jedoch nicht sicherstellen können, dass der Junge stillliegt.

Folge-OP in der Kinderklinik

Der in Essen lebende Angeklagte war im Januar 2019 von der Familie aus Ascheberg angerufen worden. Für die Beschneidung des Sohnes sollten 200 Euro gezahlt werden.

Die Richter gehen davon aus, dass der Säugling erhebliche Schmerzen erlitten hat, weil bei dem Eingriff ein viel zu großer Teil der Vorhaut entfernt worden sei. Da keine Wundheilung eingetreten sei, habe der Junge zehn Tage später in einer Kinderklinik operiert werden müssen. Ob Folgeschäden eintreten werden, ist laut Gericht noch nicht absehbar.

Zwei ältere Jungen in Menden ebenfalls beschnitten

Ein richtiger Arzt soll der Angeklagte allerdings schon sein. Der 43-Jährige soll ins Syrien Medizin studiert haben und dort auch zu einem Chirurgen ausgebildet worden sein.

Neben der Beschneidung in Ascheberg hat er auch noch zwei etwas ältere Jungen aus Menden beschnitten. Auch diese Eingriffe sollen nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt sein. Negative Folgen waren hier allerdings nicht eingetreten.

Polizei setzte verdeckten Ermittler ein

Der 43-Jährige war festgenommen worden, nachdem ihn ein verdeckter Ermittler der Polizei zu einer Beschneidung in eine Flüchtlingsunterkunft nach Coesfeld bestellt hatte.

Im Prozess hatte der Angeklagte über seinen Verteidiger erklärt, dass er in Syrien bereits Hunderte derartiger Beschneidungen durchgeführt hat. Zu Komplikationen sei es dabei praktisch nie gekommen.

Beschneidung als gefährliche Körperverletzung

Für die Eingriffe hatte der 43-Jährige ein Gerät genutzt, bei dem mit Hilfe von Hitze gearbeitet wird. Nach eigenen Angaben sei das die Art und Weise, wie in Syrien gearbeitet werde.

Laut Urteil war dem Angeklagten trotzdem klar, dass er etwas Illegales getan hat. Das sehe man schon daran, dass er nach den Eingriffen immer schnell wieder weg gewollt habe. Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung. Der Angeklagte bleibt weiter in U-Haft.

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