Ascheberger Ehepaar verbringt Urlaub auf einer „Geisterinsel“

hzUrlaub in Corona-Zeiten

Lange hat das Ehepaar Weustenhagen aus Ascheberg überlegt, ob es seinen Urlaub im Ausland antreten soll. Sie verbrachten schöne, aber ungewöhnliche Tage auf einer „Geisterinsel“.

Ascheberg

, 08.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Promenade wie leergefegt, kaum Menschen, die am Strand liegen, Maskenpflicht auch im Freien. So sieht die Situation derzeit auf Mallorca aus, der Lieblingsinsel der deutschen Touristen. Ab Juni durften Urlauber aus der EU und den Schengenstaaten wieder unbegrenzt in das „17. Bundesland“ einreisen.

Fast menschenleere Strände fanden Elke und Jörg Weustenhagen im September auf Mallorca vor. Die Corona-Pandemie hielt viele Touristen fern.

Fast menschenleere Strände fanden Elke und Jörg Weustenhagen im September auf Mallorca vor. Die Corona-Pandemie hielt viele Touristen fern. © Weustenhagen

Unbekümmerte Zusammenkünfte von Partytouristen führten Mitte Juli zur Schließung aller Lokale auf der berühmten Schinkenstraße und letzten Ende Mitte August zu einer erneuten Reisewarnung der Bundesregierung.

Ehepaar hat lange überlegt, ob es fliegen soll

„Wir haben lange überlegt, ob wir nun fliegen sollen oder nicht“, so das Ehepaar Jörg (56) und Elke (57) Weustenhagen aus Ascheberg. Die Finca im kleinen Ort Llubi, weit weg vom Ballermann in der Mitte der Urlaubsinsel gelegen, hat das Ehepaar bereits im vergangenen Jahr, also lange vor Corona, gebucht, ebenso die Flüge. „Der Ort und, dass wir auf der Finca mit niemandem in Berührung kamen, haben für uns den Ausschlag gegeben, die Reise anzutreten. Einen Hotelurlaub hätten wir definitiv storniert“, so Jörg Weustenhagen.

Trotz Corona lässt sich Jörg Weustenhagen die gute Laune nicht verderben.

Trotz Corona lässt sich Jörg Weustenhagen die gute Laune nicht verderben. © Weustenhagen

Nach den für Spanien erforderlichen Einreisebestimmungen ging es Mitte September für das Ehepaar von Düsseldorf aus Richtung Mallorca. „Der Flughafen war schon gespenstisch leer. Im Flieger dann war alles perfekt organisiert und der notwendige Abstand eingehalten.“

Landung auf einer „Geisterinsel“

Gelandet sind sie dann auf einer „Geisterinsel“, wie beide feststellen mussten. „Wir kennen Mallorca aus vielen vorangegangenen Urlauben wie unsere Westentasche, aber so haben wir das noch nicht erlebt.“

Mit dem Mietwagen ging es entlang leerer Promenaden und Strände zum Urlaubsdomizil. „Wir sind keine Strandlieger und haben uns in den kommenden Urlaubstagen viele Orte der Insel angesehen“, erzählt Elke Weustenhagen. Orte wie Cala Ratjada, Cala Agulla oder auch Arta, in denen normalerweise tausende Touristen zum Stadtbild gehören, waren wie ausgestorben. „Wir haben uns sehr sicher gefühlt, aber die Reisewarnung ist der Todesstoß für sicherlich viele, die vom Tourismus leben.“

Hohe Arbeitslosigkeit auf den Balearen

Bereits im Frühsommer stieg die Arbeitslosenquote auf den Balearen um 92 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Tourismusgeschäft macht auf den Balearen rund die Hälfte der Wirtschaftsleistungen aus. „Wir haben während unseres Aufenthaltes mit vielen Menschen, sowohl Spaniern als auch deutschen Auswanderer, gesprochen“, berichtet das Ehepaar.

"Der Flughafen war gespenstisch leer" - Die Weustenhagens vor dem Abflug in Düsseldorf.

"Der Flughafen war gespenstisch leer" - Die Weustenhagens vor dem Abflug in Düsseldorf. © Weustenhagen

Der deutsche Besitzer des kleinen Strandimbiss „bei Petra“ in Cala Millor verdient nach eigenen Angaben zurzeit grad einmal 30 Euro am Tag; ein minimaler Bruchteil seiner sonstigen Einnahmen. Ohne Unterstützung aus der Heimat wäre hier schon längst Schluss.

„Die Geschäfte gehen alle über die Wupper“

„Die gehen alle über die Wupper“, sagt Weustenhagen. „Geschäfte wie die Faneteria von Büchners oder Jenny Delüx, die vielen aus einer Fernsehsendung bekannt sein dürften, haben ebenso geschlossen wie rund 90 Prozent der Hotels. Zimmermädchen mit Zeitverträgen erhalten kein Kurzarbeitergeld und keinerlei Sozialleistungen.“

Unfassbar findet es das Ehepaar „mit einer Keule eine Reisewarnung auszusprechen, ohne über Konsequenzen nachzudenken“. Hier sollte es nach seiner Meinung für Individualtouristen doch eine andere Möglichkeit geben. Die Mallorca Zeitung berichtet aktuell über einen hohen Verlust der Wirtschaftsleistung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist diese um 35 bis 40 Prozent gesunken. Hier hofft man schon jetzt auf das Frühjahr 2021.

So leer hat man Mallorca zu dieser Jahreszeit wohl noch nie gesehen.

So leer hat man Mallorca zu dieser Jahreszeit wohl noch nie gesehen. © Weustenhagen

Weiterhin berichtet das Ehepaar:“ Wenn man das nicht selbst gesehen hat, glaubt man das nicht. Keine Radfahrer, die sich sonst durch die Berge quälen; traumhafte Buchten, die menschenleer sind und neben den Abstandsregeln überall Maskenpflicht, auch im Freien. Wir sind fast jeden Abend essen gegangen und man kann sich nicht vorstellen, wie dankbar die Menschen sind, dass überhaupt jemand kommt. Die Gespräche mit den Einheimischen waren schon sehr einschneidende Erlebnisse, die nun auch einige Zeit nach unserer Urlaubsrückkehr noch sehr präsent sind. Wir haben uns dort niemals unsicher gefühlt. Da ist hier zu Hause, das Gefühl zum Beispiel beim Einkaufen, schon ein deutlich anderes.“

Nach zehn Tagen ging es für die Altenpflegerin und den kaufmännischen Angestellten mit dem Flieger zurück in die Heimat. Das Ergebnis des notwendigen und vorgeschriebenen Coronatestes lag bereits nach zwei Tagen vor und beendete die kurze heimische Quarantäne und lautete: negativ.

„Wenn wir noch Urlaub hätten, würden wir sofort wieder rüber fliegen, alleine schon, um die Menschen dort zu unterstützen.“

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