Die Probe-Gasbohrungen in Herbern beginnen

Unternehmen und Gegner im Video

Seit Dienstag gräbt sich ein riesiger Meißel in den Nordicker Boden – bis zu einer Tiefe von 1700 Metern. Etwa einen Monat werden diese Probebohrungen dauern. Dann wird Auftraggeber Hamm-Gas erfahren, ob es tatsächlich in den nächsten 20 bis 30 Jahren unter dem Münsterland Flözgas fördern kann.

HERBERN

, 17.05.2016 / Lesedauer: 3 min
Die Probe-Gasbohrungen in Herbern beginnen

Seit Dienstag wird in Nordick gebohrt.

„Nach einem Monat wissen wir mehr“, sagt Andreas Tönies, Vorstand des Ascheberger Bohrunternehmens Daldrup und Söhne. Und meint damit: In einem Monat werden die Arbeiter wissen, ob Flözgas zur Förderung dort vorhanden ist. Oder auch nicht.

Eine Alternative zum russischen Gas?

Während der Pressekonferenz zum Auftakt der Probebohrung auf der ehemaligen Schachtfläche Radbod 7 bescheinigt Tönies Ralf Presse, Geschäftsführer von Hamm-Gas, „großen unternehmerischen Mut“, der dem Industriestandort NRW gut zu Gesicht stehe. „So gelingt es uns, Alternativen zum russischen Gas zu finden.“ Jürgen Blümer, der zum selben Zeitpunkt mit einer Handvoll anderer Gasbohrgegner auf der anderen Seite des blickundurchlässigen Bauzauns steht, sieht das komplett anders.

„Das hier ist heute eine große Niederlage für die Energiewende“, sagt Blümer, der für das Bündnis der örtlichen Gasbohrgegner vor Ort ist. Wer glaube, dass Russland einmal kein Gas mehr liefern werde, solle ein Interesse haben, es so lange wie möglich als Reserve in der Erde zu lassen, „zumal der Preis zurzeit im Keller ist.“

Zwei, maximal drei Monate lang wird laut Hamm-Gas der 22 Meter hohe, orangefarbene Bohrturm als weithin sichtbare Landmarke in den Himmel stechen. „Dann bauen wir ihn komplett ab“, so Ralf Presse, auch wenn der Meißel unter Nordick auf das erhoffte reiche Gasvorkommen gestoßen sei. Bevor es an die Förderung gehe – „dafür brauchen wir ja auch eine eigene Genehmigung“ –, werde erst eine zweite Aufsuchungsbohrung beim Wasserturm in Hamm durchgeführt.

Wird es Auswirkungen auf das Trinkwasser geben?

„Ob das in diesem Jahr noch etwas wird, kann ich noch nicht sagen“, so Presse. Und zu den Kosten für Probebohrungen will er nichts sagen „Das sind Unternehmensinterna.“ Einsilbig gibt er sich, wenn es um eine mögliche Entschädigung der Anwohner geht, falls deren Trinkwasserbrunnen durch die Bohrung in Mitleidenschaft gezogen werden sollten. „Das wird nicht passieren“, so Presse.

„Wahrscheinlich nicht in den nächsten 30 Jahren“, stimmt ihm Frank Holtrup zu, der einzige Herberner, der sich an diesem Mittag auf den Weg zum Bohrgelände gemacht hat. „So etwas tritt später auf.“ Er habe in jedem Fall sein Trinkwasser schon testen lassen – zur Beweisführung.

Andreas Tönies ist überzeugt davon, dass das nicht nötig werde. Die Grundwasserschichten, die die Nor- dicker nutzen, seien 40 bis 60 Meter tief. Bis 80 Meter werde die Bohrung verrohrt – flüssigkeits- und gasundurchlässig. „Wir kennen uns als Unternehmen für Tiefenbohrungen damit aus.“

Lesen Sie jetzt

Halterner Zeitung Deutsch-brasilianisches Schützenpaar

Schützenpaar von Horn: Tobias (31) und Tayana (30) lernten sich ausgerechnet beim Karneval kennen