„Ich glaube, ich spinne!“ Kerstin Krampe soll Raupen-Bekämpfung auf Gemeinde-Fläche zahlen

hzEichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner machen sich vor der Wohnung von Kerstin Krampe (55) breit. Sie soll für die Entfernung der Nester auf Gemeinde-Fläche zahlen. Eine Frechheit, wie sie findet.

Ascheberg

, 07.07.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kerstin Krampe (55) kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Mit den Händen in den Hüften steht die Tagesmutter vor ihrer Wohnung. Fassungslos beim Anblick der vielen weißen Stellen an der Eiche gegenüber ihrer Einfahrt. Dort, wo sonst Kinder spielen, ist Stille. Der Eichenprozessionsspinner hat sich breitgemacht – und Krampe fühlt sich von der Gemeinde Ascheberg auf den Arm genommen.

An Schulen, Kitas und Co. hat die Gemeinde die Nester der Raupe entfernt. Doch nicht bei der Tagesmutter im Außenbereich Aschebergs. Krampe soll die Entfernung selbst zahlen. Obwohl die befallene Eiche auf einer Gemeinde-Fläche steht. „Ich glaube, ich spinne!“, sagt Krampe zu diesem Vorschlag.

Anwohnerin: „Ich zahle Steuern und jetzt soll ich dafür aufkommen?“

„Ich zahle Steuern und jetzt soll ich dafür aufkommen? Was habe ich mit den Flächen der Gemeinde zu tun?“, sagt Krampe verärgert. „Und das kostet ja nicht nur ein paar Euro.“

Die Kosten der Raupen-Entfernung hängen stark vom Aufwand ab. Los geht es bei etwa 30 Euro pro Baum, nach oben ist aber viel Platz. Besonders, wenn wie bei Krampe die gesamte Straße befallen ist. Dann sind schnell mehrere hundert Euro fällig.

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„Wir können den Eichenprozessionsspinner nicht auf allen Gemeindeflächen entfernen lassen“, sagt Simone Bönisch, Pressesprecherin der Gemeinde Ascheberg. Die Gemeinde Ascheberg konzentriere sich auf sensible und zentrale Bereiche.

Der Bereich um Krampes Wohnung gehört nicht hinzu. Deshalb das Angebot der Gemeinde: Vernichtung ja, aber bezahlen müssen die Anwohner selbst. Das Problem: Die Schädlingsbekämpfer haben so viel zu tun in der Region, dass sie kaum hinterherkommen.

Krampe sind die Hände gebunden – doch ganz aufgeben will sie nicht

„Wenn die Gemeinde das nicht für nötig hält, dann muss sie aufpassen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht“, sagt Krampe. Sie sorgt sich um ihre fünf Enkel, die Kinder, die sie als Tagesmutter betreut, und um Fußgänger. „Fällt auch nur ein Nest runter, kann das böse enden.“

In ihrem Elan, mit dem Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner etwas Gutes tun zu können, fühlt sich Krampe gebremst. Ihr sind die Hände gebunden. „Ich weiß nicht, was ich noch machen soll“, sagt sie.

Ihr Plan: Warnschilder aufstellen, damit Eltern besonders auf ihre Kinder aufpassen und Hundehalter ihren Vierbeiner an der kurzen Leine halten. Mehr könne sie nicht machen – auch wenn sie gerne würde.

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