Experten hatten es Ende 2018 prognostiziert: Durch die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist die Nachfrage nach Schweinefleisch extrem eingebrochen. Das spüren auch Ascheberger Schweinebauern.

Ascheberg, Herbern

, 01.10.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Afrikanische Schweinepest-Virus (ASP), das vor wenigen Wochen erstmals in Deutschland bei Wildschweinen in Deutschland nachgewiesen wurde, drückt die Schweinepreise in Deutschland. Lange Zeit konnte sich Deutschland vor dem Einfall des Virus schützen, nachdem es bereits in Nachbarländern wie Polen und Belgien aufgetreten war. Im September dann wurden erste Fälle in Brandenburg entdeckt. 36 Fälle von infizierten Wildschweinen sind es bis einschließlich des 28. September in Brandenburg. Am Mittwoch (30. September) kam ein Verdachtsfall im Landkreis Märkisch-Oderland östlich von Berlin dazu.

Für den Menschen und andere Tiere ist das ASP-Virus ungefährlich, da es nur Wild- und Hausschweine befällt. Für Schweinebauern ist das Virus allerdings eine wirtschaftliche Gefahr: Infiziert sich ein Schwein in einem Betrieb mit solch einem Virus, mussten in der Vergangenheit ganze Schweinebestände vernichtet werden. Das war etwa beim Auftreten der Rinderseuche BSE, das als Auslöser für die Creutzfeld-Jakob-Kranktheit gilt, zur Jahrtausendwende in Deutschland der Fall.

ISN hatte Exportbann nach China vorausgesagt

Ende 2018 hatte Matthias Quaing von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) prognostiziert, dass beim Auftreten der ASP in Deutschland die Schweinehalter aus der Panik heraus versuchten, viele Schweine noch kurzfristig zu verkaufen und der asiatische Markt, der im Jahr 2017 400.000 Tonnen an Nebenprodukten des Schweines wie Schwänze, Pfoten, Ohren und Bauch abgenommen hat, Deutschland als Importland sperrt. Beides ist jetzt eingetreten.

„Deutschland ist für den Export in die meisten Drittländer, unter anderem in China und Südkorea, gesperrt.“ Dabei sei die Nachfrage in Asien im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen, weil das Angebot an Schweinefleisch dort knapp ist - 585.000 Tonnen gingen aus Deutschland nach China, 105.000 Tonnen nach Südkorea. Und die Preise dort seien sehr viel höher. „Die afrikanische Schweinepest hat dort fast jedes zweite Schwein verschwinden lassen. Das entspricht annähernd jedem vierten Schwein weltweit“, so Quaing.

„Es ist erschreckend, dass das so viele sind“, sagt Georg Silkenbömer, Kreislandwirt des Kreises Coesfeld, der selbst Schweine auf seinem Hof in Ascheberg hält, zu den neuen Fällen in Brandenburg. Die Folgen der Corona-Krise für die Schweinebauern seien gerade abgebaut gewesen, weil einerseits durch die Schließung der Restaurants, Kantinen und Mensen die Nachfrage nach Schweinefleisch gesunken war und andererseits Betriebe wie Tönnies durch die Corona-Ausbrüche in den Schlachtbetrieben ihre Kapazitäten reduzieren mussten, da kam das ASP-Geschehen auf, sagen Quaing und Silkenbömer.

Schweinepreis ist von über 2 Euro auf 1,27 Euro gefallen

Zeitgleich sei aber die Nachfrage nach deutschem Schwein etwa in Spanien, den Niederlanden, Dänemark und den USA gestiegen. Der Schweinepreis ist aber dennoch eingebrochen: „Von über zwei Euro zu Jahresbeginn auf nur noch 1,27 je Kilogramm Schlachtgewicht“, so Quaing. „Je Schwein entspricht das einem Erlösrückgang von rund 70 Euro je Schwein.“ 500 Schweine verkaufe ein Halter in NRW im Durchschnitt im Monat. „Das entspricht also Mindereinnahmen von 35.000 Euro, jeden Monat“, so Quaing. Der Preis für Ferkel, die pro Stück verkauft werden, ist derweil von rund 80 Euro auf 27 Euro gesunken. Für die deutschen Schweinefleisch-Konsumenten bedeutet das: „Der deutsche Markt wird also die Mindererlöse entweder auffangen müssen oder das Fleisch kommt in Zukunft aus anderen Ländern nach Deutschland (zum Beispiel Spanien). Tönnies hat ganz aktuell schon angekündigt, in Spanien einen großen Schlachthof bauen zu wollen“, so Quaing.

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Auf dem Schweinemarkt sei es normal, dass es ab und an „Preistäler“ gebe, sagt Silkenbömer. „Jetzt sind wir erstmal auf einem Tiefstand.“ Wichtig sei aber, dass diese nicht zu lange anhielten. „Denn sonst stallen die Betriebe nicht mehr auf oder machen zu. Der Wunsch ist immer, dass man das zügig eingezäunt hat und die Jäger das Schwarzwild da erlegen und ausrotten können“, so der Ascheberger. Laut ISN wurden in Brandenburg sogenannte Restriktionszonen um die Fundorte am Virus verstorbener Wildschweine in Brandenburg eingerichtet, in denen Jäger das sogenannte Schwarzwild intensiv bejagen können. Zeitweise wurde in der Nähe dieser Gebiete sogar ein Ernteverbot verhängt, damit die Tiere nicht aufgeschreckt werden und sich noch weiter verteilen. „Wildschweine können am Tag bis zu 40 Kilometer machen“, so Silkenbömer. In Tschechien sei das Vorgehen erfolgreich gewesen.

Den Höfen selber bleibt derweil nur die Möglichkeit, die eigene Biosicherheit ihrer Höfe zu erhöhen. Also etwa keine betriebsfernen Personen hereinzulassen, die Futterstellen und Schweineställe abzusichern und verhindern, dass Schwarzwild auf den Hof gelangt. „Wenn man das gut macht, dann kann man das Virus aus dem Betrieb heraushalten. Es muss ja erstmal über Blut und Tröpfchen reinkommen“, so Silkenbömer.

Gleichzeitig sei es aber auch die Verantwortung der Konsumenten, Essensreste und insbesondere Fleisch sachgemäß in Mülltonnen zu entsorgen und nicht daneben, weil so sonst möglicherweise kontaminiertes Fleisch von Wildschweinen aufgenommen werden könnte. Landwirte in Niedersachsen etwa hatten im Sommer 2018 Reisende und Lkw-Fahrer darüber informiert.

Für Landwirte sei die aktuelle Preisentwicklung und der Exportbann nach Asien ärgerlich, sagt Silkenbömer. Weil sich auf den Höfen ja nichts getan habe. Und bei Hausschweinen habe man das ASP-Virus in Deutschland bisher nicht nachweisen können. „Der Markt muss sich jetzt wieder finden“, sagt Silkenbömer.

Am 13. September 2018 wurde der erste ASP-Fall im Dreiländereck Frankreich, Luxemburg, Belgien, 60 Kilometer entfernt von der Deutschen Grenze, bekannt. Im Sommer 2017 traten die ersten Fälle in Tschechien und Rumänien auf, so das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, hatte sich die ASP 2014 von Georgien über Russland und Weißrussland nach Polen ausgebreitet. Bevor es dann in Belgien aufgetreten ist.
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