„Das könnte eine Zeitenwende sein“ - So erlebten Ascheberger Ortsverbände die Europawahl

hzEuropawahl Werne/Ascheberg

Nach der Europawahl ist für die Parteien vor der Kommunalwahl: Die Grünen sehen die Ergebnisse als Startschuss für Großes, während bei der CDU Wunden lecken angesagt ist.

von Mario Bartlewski, Lea Nitsch

Herbern, Ascheberg

, 27.05.2019, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Europawahl hat für viele Überraschungen gesorgt: für einige Parteien im positiven, für andere im negativen Sinne. Großer Gewinner waren die Grünen, die in Ascheberg ihren Stimmenanteil fast verdreifachen konnten. „Das könnte eine echte Zeitenwende sein“, sagt Hubertus Beckmann, Ratsmitglied der Grünen in Ascheberg.

„Ich hoffe, das ist auch ein Startschuss für Veränderungen auf kommunaler Ebene“, sagt Beckmann zum Ergebnis der Grünen. 21,2 Prozent der Wähler haben sich in Ascheberg für die Grünen entschieden. Ein Ergebnis, das er selbst noch nicht ganz glauben kann.

„Als ich die Zahlen auf dem Handy gelesen habe, musste ich zweimal hinschauen, um sicherzugehen, dass ich mich nicht verlesen habe“, so Beckmann. Er sieht die Gründe für die positiven Ergebnisse in guter Klima-Politik, Ereignissen wie den Diesel-Skandalen und der Kommunalpolitik. „Etablierte Parteien haben die wichtigen Themen verschlafen.“

„Noch sind wir in Ascheberg klein, aber wir wollen den Schwung mitnehmen“, so Beckmann. Doch generell ist er sich sicher: Es muss sich was tun. Aus seiner Sicht gebe es nur zwei Varianten. Entweder ändern etablierte Parteien etwas und nehmen den Grünen wieder Stimmen ab oder der Zuwachs bei den Grünen werde noch stärker.

CDU nimmt Negativ-Trend ernst

„Es wird sich so oder so etwas tun“, ist sich Beckmann sicher und greift damit auf, was auch die CDU Ascheberg nach dem Negativtrend bei der Europawahl sagt.

Etwas mehr als zehn Prozentpunkte haben die Christdemokraten in Ascheberg verloren. Die CDU ist somit immer zwar noch die stärkste Kraft in Ascheberg, trotzdem nimmt die Partei die Entwicklung durchaus ernst.

CDU gesteht: In Sozialen Medien nicht gut aufgestellt

„Wir sind mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden“, sagt Dietmar Panske, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU Ascheberg. „Der Klimawandel ist auch Thema bei uns. Wir haben das nicht richtig kommuniziert.“ So erkläre man sich auch den drastischen Zuwachs der Grünen.

In den sozialen Medien sei man ebenfalls nicht gut aufgestellt gewesen. „Es hat sich schon im Vorfeld abgezeichnet, wie das Ergebnis ausfällt“, merkt Panske an. „Auch auf bundesweiter Ebene.“ Nun gelte es die Auswertung der Wahlergebnisse in Berlin abzuwarten, um entsprechende Schritte für die kommenden Kommunalwahlen einzuleiten. Wie die aussehen sollen, ist offen.

SPD: Konnten nur wenige Botschaften vermitteln

Auch für die SPD war es ein enttäuschendes Ergebnis, wie Johannes Waldmann, SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Ascheberg, bestätigt. „Offensichtlich konnten wir nur wenige von unseren Botschaften vermitteln“, so Waldmann.

15,8 Prozent der Wähler haben sich in Ascheberg nur für die SPD entschieden. Das ist ein Minus von fast 10 Prozentpunkten im Vergleich zur Europawahl 2014. „Das lässt uns ratlos zurück.“ Doch gleichzeitig schöpft Waldmann Mut. Auch die CDU musste in Ascheberg herbe Verluste (12, 3 Prozentpunkte weniger als 2014) verbuchen.

Waldmann will „mobile Wähler“ für die SPD gewinnen

„Das zeigt uns, dass die Wähler mobil sind und nicht zwangsläufig ihr Kreuz bei der CDU machen.“ Genau solche „mobilen Wähler“, wie er sie nennt, möchte Waldmann bei der Kommunalwahl für die SPD gewinnen.

„Die Parteibindung der Leute lässt nach.“ Gleichzeitig ist Waldmann klar, dass der Wähler sehr gut zwischen Bundes- und Kommunalpolitik trennen könne.

FDP will positive Stimmung in Ascheberg nutzen

Auch die FDP will sich für die Kommunalwahlen gut aufstellen „Wir wollen die momentane positive Stimmung für die Partei nutzen“, so Peter Leyers, Fraktionsvorsitzender der FDP Ascheberg. Die Partei habe ihr Ergebnis im Vergleich zu den Wahlen 2014 fast verdoppeln können. Das stünde entgegen dem landesweiten Trend. „Wir liegen über dem Durchschnitt.“

Man habe die rechten Kräfte im Zaum halten können, so Leyers. „Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Wähler verstanden haben, dass Europa wichtig ist.“

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