Gas-Bohrungen: "Niemand braucht Angst zu haben"

Flözgas unter Herbern

Das Ascheberger Unternehmen Daldrup und Söhne AG hat von der Hamm-Gas den Auftrag bekommen, unter der ehemaligen Schachtanlage Radbod 7 in Herbern-Nordick nach Flözgas zu suchen. Wir haben mit Geschäftsführer Andreas Tönies (49) gesprochen - über Risiken, Bohrtiefe und trockene Brunnen.

HERBERN

, 13.05.2015, 05:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Glückwunsch zum Auftrag vor der Haustür. Haben Sie seit Bekanntwerden schon weitere Glückwünsche erhalten, oder hagelt es Protest? Ich habe noch keinen Glückwunsch bekommen. Kritik hört man dagegen öfter, schon seit Bekanntwerden des Projekts. Das ist aber so üblich bei Bohrungen, allgemein. Zumal dieses Vorhaben immer wieder mit Fracking in Verbindung gebracht wird – völlig zu Unrecht.

Warum? Weil es mit Fracking nichts zu tun hat. Wir bewegen uns ja nur in Tiefen von 1000 Metern. Wir bohren mit einem großen Neigungswinkel, am Schluss mit 73 Grad. Die Länge der Bohrung beträgt daher 1700 Meter. In einer solchen Tiefe kann man gar nicht fracken, das ist viel zu nah an der Oberfläche. Außerdem ist das Gestein viel zu zerklüftet. dafür.

Frackt Ihr Unternehmen auch? Klares Nein.

Was sagen Sie denen, die trotzdem Angst haben vor Umweltschäden? Bei Bohrungen, die in Deutschland durchgeführt werden, unter der Aufsicht des deutschen Bergrechts, sind die Sicherheitsstandards derart hoch, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Das gilt auch für unsere Bohrung. Wir haben umfangreiche Sicherungsmechanismen.

Was heißt das? Das zu erklären, würde hier zu weit führen. Nur einige Punkte. Wir beugen gegen Belastungen von oben und von unten vor.

Fangen wir oben an. Das heißt? Wir sammeln sämtliche Wässer von oben, auch die Regenwässer, analysieren sie, reinigen sie und leiten sie erst dann unter Behördenaufsicht ab. Es wird eine Asphaltschicht im inneren Bereich aufgebracht wie bei einer Straße. Und im äußeren Bereich, wo etwa die Container für Sozialräume stehen, wird geschottert.

Und was heißt abdichten von unten? Wir haben bei der Bohrung ein 80 Meter langes Standrohr. Das wir abgedichtet. In den oberen Schichten, aus denen die Landwirte ihr Wasser ziehen, kann keinerlei Verunreinigung entstehen.

Rechnen Sie damit, radioaktives Material anzutreffen? Nein, definitiv nicht. Es gibt immer eine natürliche Radioaktivität. Bei den 57 vorherigen Bohrungen gab es keinerlei Auffälligkeiten. 

Ist die Bohrung in diesem zerklüfteten Gestein etwas Besonderes für Sie? Nein, wir sind ein Unternehmen, das Bohrungen für Geothermie in ganz Europa betreibt – meistens in zerklüftetem Gestein. Da haben wir reiche Erfahrung. 

Wie tief bohren Sie bei Geothermie? Im vergangenen Jahr haben wir eine Bohrung bis 6039 Meter abgeschlossen. Im Durchschnitt liegt die Tiefe aber bei 2500 bis 4000 Metern. Wir führen aber auch flache Geothermiebohrungen durch und machen Brunnenbau. Unser Unternehmen deckt das gesamte Spektrum ab. 

Vorhin hatten wir über Radioaktivität gesprochen. Lassen Sie uns jetzt über Wasser sprechen. Es ist immer von einem „trockenen Gebirge“ unter Nordick die Rede. Rechnen Sie also nicht damit, in der Tiefe auf Wasser zu stoßen? Nein. Deshalb ja auch das Standrohr von 80 Metern Tiefe. Aus dieser Tiefe wird das Trinkwasser gezogen. Wir benutzen im Übrigen nur Materialien, die standardmäßig im Brunnenbau verwendet werden. Also keine besonderen Spülzusätze etwa, die irgendwie belastend wären. Alles ist Wassergefährdungsklasse 1. Wobei man wissen muss, dass es eine Wassergefährdungsklasse 0 gar nicht gibt. 

In Nordick hatten mehrere Anwohner die Erfahrung machen müssen, dass bei Probebohrungen des Bergbaus Brunnen trocken gefallen waren. Diese Angst besteht jetzt wieder. Besteht diese Gefahr? Nein. Das kann man ausschließen, dass diese Bohrungen Einfluss auf die Trinkwasserbrunnen haben werden. Damals hatte das auch nach meinen Informationen nichts mit den Bohrungen zutun, sondern mit der seismischen Exploration im Vorfeld. (Anmerkung: "seismische Exploration" bezeichnet die Erkundung von Rohstofflagern im Erdreich durch das gezielte Auslösen von Vibrationswellen.)

Ihr Unternehmen ist jetzt für Aufsuchungsbohrung verpflichtet worden. Könnte man mit der Bohrung auch in eine spätere Förderung einsteigen? Die Bohrung wird so ausgeführt – mit so hohen Sicherheitsstandards und so hochwertigem Material, etwa hoch festem Stahl -, dass man damit auch fördern könnte. Wir nennen das eine förderfähige Aufsuchungsbohrung. 

Würde Ihr Unternehmen auch bei der Förderung dabeibleiben? Nein, das wäre dann nicht mehr nötig. Dafür gibt es Förderungsunternehmen. Unser Geschäftsfeld ist das nicht. 

Der reine Bohrprozess läuft zwei Monate lang – rund um die Uhr. Ist 24-Stunden-Betrieb nötig?  Ja, dieses Vorhaben lässt nicht zu, dass man 17 Uhr den Hebel umlegt und Feierabend macht – schon aus Sicherheitsgründen für das Personal. „Twentyfourseven“ ist da üblich: Sieben Tage, 24 Stunden. Dafür haben wir klare Auflagen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Ein Sachverständiger aus Hannover, der sich mit den Besonderheiten von Bohrungen gut auskennt, hat die Lärmauswirkungen untersucht und festgestellt, das wir deutlich unter den Grenzwerten bleiben werden. Der Bohrturm wird zu sehen sein, aber es werden keine Lärmauswirkungen von ihm ausgehen.

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