Hamm-Gas macht Ernst mit Bohrungen in Herbern

Antrag eingereicht

Kohle ist nie unter Herbern abgebaut worden - weil das Gestein unter Tage zu brüchig und das Gasaufkommen zu groß ist. Beides will sich Hamm-Gas jetzt zu Nutze machen. Das Unternehmen hat am Mittwoch beantragt, unter der Bauerschaft Nordick nach Flözgas zu bohren. Hier gibt's die Hintergründe.

HERBERN

, 07.05.2015, 11:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Nordick will Hamm-Gas noch im Herbst 2015 mit Probebohrungen beginnen - auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Radbod 7.

In Nordick will Hamm-Gas noch im Herbst 2015 mit Probebohrungen beginnen - auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Radbod 7.

Spätestens im September soll der Auftakt für ein 12-Millionen-Euro-Projekt erfolgen. Das Projekt ist umstritten, obwohl es mit Fracking nichts zu tun haben will.

Insgesamt zwei Aufsuchungsbohrungen seien vorgesehen, sagte Hamm-Gas-Geschäftsführer Ralf Presse: die eine jetzt unter dem ehemaligen Schacht Radbod 7, die zweite 2016 auf einer noch nicht näher benannten Fläche. Beide zusammen sollen um die 12 Millionen Euro kosten. Presse selbst gab an, keine Zahlen nennen zu wollen, dementierte diese im Vorfeld bekannt gewordene Summe aber auch nicht. 

Sollte das Unternehmen schon vorher fündig werden, sei es durchaus vorstellbar, dass es die zweite Bohrung gar nicht erst abwarte, sondern vorher schon einen Antrag auf Förderung stelle, bestätigte der Geschäftsführer auf Nachfrage. „Wir wollen natürlich schnellstmöglich fördern.“ Und möglichst lange sowieso. Hamm-Gas hofft auf 100 Milliarden Kubikmeter Gas - genug, um die nächsten 20 bis 30 Jahre fördern zu können, sagte Unternehmenssprecher Marcel Winter. 

Bohrort durch neuen Analysemethode gefunden

1700 Meter weit wird sich der Bohrer unter Nordick fortbewegen: knapp 1000 Meter in die Tiefe, dann schräg weiter. Wo genau die Mitarbeiter von Daldrup und Söhne ansetzen sollen, hat Hamm-Gas mit einer neuen Analysemethode erkundet: der Tektomechanik – ein eigens geschaffenes Kunstwort. Gemeint ist eine Analyse der Kohle- und Gesteinsschichten durch die Auswertung verschiedener Daten und die Ergebnisse von Überfliegungen: die Vorlagen für ein 3D-Modell des Untergrunds. „Wir wissen genau, wo wir hineinbohren“, versicherte Presse. 

Anders als beim Fracking sei es nicht nötig, mit hohem Druck eine Wasser-Chemie-Mischung in den Boden zu schießen. „Das Gestein ist ja bereits zerklüftet“, erklärte der Geschäftsführer. 

Die Sorgen von Umweltschützern kann Presse nicht verstehen: Zum Einsatz komme nichts Neues, sondern „konventionelle, klassische, bekannte Bohrtechnik“. Risiken sehe er da nicht, zumal es sich bei dem Bereich unter Nordick um ein „trockenes Gebirge“ handele. Mit Wassereintritt sei nicht zu rechnen.  „Alles ist abgedichtet - von der Zementierung der Bohrung bis zur Lagerstätte selbst“, sagte er. Unerwünschte Gasaustritte seien so nicht denkbar. 

Gesetzeslage ändert sich

Und wenn doch? Ein Versicherungskonzept stehe, sagte  Presse. Über die Summe wolle er sich aber nicht öffentlich äußern. Als es um die Beweispflicht bei möglichen Schäden ging, gab er sich ähnlich zugeknüpft: „Für uns gilt Recht und Gesetz.“

Das geltende Gesetz ist allerdings gerade im Umbruch. Nur 24 Stunden, nachdem Ralf Presse den Betriebsplan für die Aufsuchungsbohrung „Herbern 58“ öffentlich erläutert hat, stand im Bundestag die erste Lesung des Gesetzesentwurfs zur Änderung des Bundesbergrechts an. Er hat die Regulierung der Schiefergasförderung zum Inhalt und sieht eine Umkehrung der Beweislast vor. Muss bislang der Anwohner nachweisen, dass er in Folge des Bergbaus einen Nachteil erlitten hat, soll künftig der Bergbautreibende seine Unschuld nachweisen. 

Zeitplan von Hamm-Gas ist eher optimistisch

Hamm-Gas hofft darauf, noch vorher bohren zu können. Die ersten Probebohrungen sollen noch im dritten Quartal 2015 beginnen – obwohl sich die jetzt erfolgte Antragsstellung um fünf Monate verzögert hatte. Dass dieser Zeitplan etwas sehr optimistisch ist, hatte Andreas Nörten von der Genehmigungsbehörde bereits im Vorfeld gesagt. Schließlich sollen Kommunen und andere Träger öffentlicher Belange eine verlängerte Frist zur Stellungnahme bekommen. 

Dass es Gesprächsbedarf gibt, hat nicht nur die Gemeinde Ascheberg angekündigt. Auch die Nachbarstadt Werne hat sich bereits bei Hamm-Gas gemeldet mit der Bitte, zeitnah eine Bürgerversammlung durchzuführen. Die besondere Sorge vieler Nordicker Landwirte: die Grundwassersituation. Als in den 1980er-Jahren der Bergbau Probebohrungen machte, waren bei manchen die Brunnen trocken gefallen. Das befürchten sie jetzt wieder. 

Info-Abend in Werne geplant
Hamm-Gas will Gas aus Kohleflözen unter der Herberner Bauerschaft Nordick fördern – an der Stadtgrenze zu Werne. Dazu haben auch Werner viele Fragen, wie Frank Adamietz, Leiter des Kommunalbetriebs, bestätigte. Zur Klärung soll ein Bürgerinformationsabend – nicht nur in Ascheberg, sondern auch in Werne – beitragen. Adamietz geht von einem Termin noch vor den Sommerferien aus.

In diesen Erlaubnisfeldern, insgesamt mehr als 330 Quadratkilometer groß, darf Hamm-Gas nach unkonventionellem Erdgas suchen. Unsere Karte zeigt auch den Bohrbetriebsplatz in Nordick, wo noch in diesem Herbst mit Bohrungen begonnen werden soll:

 

Lesen Sie jetzt