Hört auf zu heiraten! Eine Hochzeitsparty in der Corona-Krise geht gar nicht!

hzKolumne Klare Kante

Erst Hamm, jetzt Ascheberg. Bei Hochzeitsfeiern mit großer Partygesellschaft haben sich gleich mehrere Gäste mit dem Coronavirus infiziert. Muss das sein? „Hört auf zu heiraten!“, sagt unsere Autorin.

Ascheberg

, 07.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es soll der schönste Tag im Leben sein. Wer seine Liebste oder seinen Liebsten heiratet, der wünscht sich einen perfekten Tag - mit der Familie, mit Freunden, Bekannten und Nachbarn. Diesen Tag möchten viele am liebsten mit der ganzen Welt teilen - siehe Facebook, Instagram und Co. Eine ordentliche Feier mit schönem Essen soll es bitteschön auch sein. Ein Wunsch, der in der Corona-Krise lange undenkbar schien.

Seit Mitte Juni waren in NRW wieder Partys mit 50 Gästen erlaubt. Ab Mitte Juli sogar mit 150 Gästen. Einzige Bedingung: Es muss eine Gästeliste geben, mit der man alle Teilnehmer der Veranstaltung zurückverfolgen und im Falle der Fälle kontaktieren kann. Außerdem sind nur Feierlichkeiten zu herausragenden Anlässen erlaubt. Eine Hochzeit zählt dazu. Und eine Gästeliste hat das Brautpaar schon längst Monate vorher erstellt.

Keine Maskenpflicht und Abstandsregelung bei Hochzeiten

Das Okay für eine Hochzeit mit maximal 150 Personen zu bekommen, ist also ein Kinderspiel im Vergleich zur Zusammenstellung des Hochzeits-Büfetts. Dann kann herrlich gefeiert werden - in einer Gaststätte, im Saal oder im eigenen Garten. Keine Maske, kein Abstand ist dann die Devise.

Denn diese strengen Regeln wurden nicht nur lange diskutiert, sondern Verstöße dagegen in Bussen und Bahnen oder auf dem Wochenmarkt mit hohen Bußgeldern streng geahndet. Während man im Restaurant und im Supermarkt schon längst wie ein Ritual die Maske über Mund und Nase zieht, ist das bei einer Hochzeitsfeier nämlich gar nicht nötig. Hier gilt keine Maskenpflicht.

Toll! Endlich kann man sich wieder frei bewegen, vernünftig atmen, die Brille beschlägt nicht mehr. Und der Sicherheitsabstand? Auf einer Hochzeit nicht nötig! Wunderbar, endlich kann man wieder ausgelassen tanzen und bei den Lieblingsliedern mitgrölen, sich umarmen und nach endlichem Wiedersehen mit der Freundin sich ein Küsschen auf die Wange geben. Eine herrliche Unbeschwertheit dank der Corona-Verordnung, die in einigen Punkten Fragen aufwirft.

Das Virus kennt keine herausragenden Anlässe

Eine Hochzeit in Corona-Zeiten - es ist eine kurze Ablenkung der strikten Regeln, der gefühlt geraubten Freiheit. Es ist eine Auszeit vom Alltag, der nicht mehr alltäglich ist und ein willkommener, kurzzeitiger Ausflug in eine andere Welt. Doch diese Welt ist gefährlich.

Das Virus kennt keine herausragenden Anlässe, vor dem es einen Bogen macht. Auch ein Brautpaar kann Corona bekommen! Wie schnell aus dem schönsten Tag für viele Gäste ein Tag zum Vergessen werden kann, sah man erst in Hamm, jetzt in Ascheberg. Auf großen Hochzeitsfeiern haben sich mehrere Gäste infiziert, viele weitere mussten in Quarantäne. In Olfen musste eine Grundschule geschlossen werden, weil es hier nach der Hochzeit in Ascheberg mehrere Coronafälle gab.

Hochzeit lieber verschieben

Ist eine Hochzeit so ein Chaos wert? Natürlich möchte das Brautpaar feiern und das Glück teilen. Aber muss das ausgerechnet in dieser Zeit sein, in der wir unseren Alltag bereits angepasst haben und weiter höllisch aufpassen müssen, damit sich die Zahlen nicht noch weiter in eine kritische Richtung bewegen?

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Ich wurde auf zwei Hochzeiten in diesem Jahr eingeladen. Beide Partys wurden - natürlich schweren Herzens - auf das nächste Jahr verschoben. „Wir hätten Gäste wieder ausladen müssen. Außerdem wollten wir, dass meine 90-jährige Oma dabei sein kann. Das Risiko war in diesem Jahr einfach zu hoch“, erklärte eine Freundin.

Ich finde, das ist die einzig richtige Entscheidung gewesen. Wer möchte denn verantworten, dass sich die Freunde, die Großeltern oder Nachbarinnen, die als Erzieherinnern arbeiten, auf der eigenen Hochzeit infiziert haben? Da hört der Spaß doch auf! Also lieber abwarten, bis bessere, sichere Zeiten kommen und dann eine schöne Feier ohne Ängste feiern. Bis dahin appelliere ich: „Hört auf zu heiraten!“

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