Lehrer, Politiker, Historiker: Josef Farwick (90) blickt auf ein bewegtes Leben zurück

hz90. Geburtstag

Josef Farwick, ehemaliger Schulrektor, Politiker, Historiker, Heimatforscher und Buchautor feierte seinen 90. Geburtstag. In Herbern kennt ihn jeder - seine Familie reiste aus der ganzen Welt an.

von Marion Schnier

Herbern

, 20.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Herzlich willkommen, ich freue mich, dass ihr alle da seid, euer Dasein belebt meinen Geist. Auch wenn ihr alle weit weg wohnt, ihr findet immer wieder den Weg nach Herbern.“ Mit diesen Worten begrüßte Josef Farwick am Dienstag, 17. Dezember, seine Gäste im Herberner Hotel Wolfsjäger.

Stolze 90 Jahre alt wurde Josef Farwick an diesem Tag. Er feierte diesen Ehrentag im Kreise seiner Familie, mit Freunden und Nachbarn. Bürgermeister Dr. Bert Risthaus zählte ebenfalls zu den Gästen: „Bis vor kurzem war Josef Farwick noch im Archiv der Gemeinde Ascheberg tätig. Es ist so bemerkenswert, er hat mit eigenen Projekten das Archiv auf Vordermann gebracht“.

Familie des Heimatforschers lebt in der ganzen Welt verstreut

Zu Farwicks großer Familie gehören seine Ehefrau Maria, die Töchter Martina aus Varel, Andrea aus Köln und Marion aus London, die Schwiegersöhne, acht Enkel und inzwischen eine Urenkelin, die vierjährige Ava aus London. Enkel Peter reiste aus Genf an. Er ist Zimmermann und mit seinem Kollegen auf Wanderschaft.

Traditionell trugen die beiden Zimmerleute ihre entsprechende Zunftkleidung.

Traditionelles gab es an diesem Tag auch vom Heimatverein, bei dem Farwick über zehn Jahre lang erster Vorsitzender war. In den Volkstrachten gratulierte eine Abordnung mit einem Gedicht im münsterländer Platt, hier ein kleiner Teil übersetzt: „Du bist noch so rüstig, was ist die Medizin? Hoch sollst du leben. Was wäre es nett, wenn unser Josef 100 Jahre wird“.

Geburtstags-Ständchen in Trachten vorgetragen

Sie stimmten das Geburtstagslied „Zum Geburtstag viel Glück“ an, bei dem auch die fast 40 Gäste mit einstimmten. Farwick selbst hatte im Juni 1975 mit dafür gesorgt, dass die Tradition der Volkstrachten im Heimatverein neu auflebte. Bei besonderen Anlässen vertreten seitdem wieder ein Bauer, eine Bäuerin und auch ein Kiepenkerl den Verein.

Aber auch die Enkel hatten sich auf diesen Tag vorbereitet. Ein selbst geschriebenes, humorvolles Gedicht über das Leben ihres Opas, mit den Werten, die ihm wichtig waren und die er ihnen für ihr Leben mitgegeben hat. Bildung war ihm als ehemaligem Lehrer, immer das Wichtigtste, lachte eine Enkelin. Toll fanden die Enkel auch, dass er immer an allem interessiert ist. Vielleicht sei dies das Rezept für 90 Jahre Zufriedenheit.

Lehrer, Politiker, Historiker: Josef Farwick (90) blickt auf ein bewegtes Leben zurück

Traditionell gratulierte der Heimatverein dem Geburtstagskind Josef Farwick. © Marion Schnier

Geboren wurde Farwick in Münster geboren und wuchs in Bösensell auf. In Münster studierte er und startete 1954 als Lehrer in der Volksschule Herbern. Vier Jahre später unterrichtete er die Klassen eins bis acht gemeinsam in der Bauernschaftsschule Nordick. In dieser Zeit war er der einzige Lehrer an der Schule. 1966 wurde die Schule aufgelöst und er wechselte zur Marienschule in Werne, an der er als Konrektor tätig war. 1969 übernahm er als Rektor die Gemeinschaftshauptschule in der Gemeinde Ascheberg. Mit 62 Jahren ging er in den Ruhestand, nahm den jedoch nicht so ganz wörtlich.

Arbeit hält jung - das ist das Motto des Historikers

Sein Motto in all den Jahren war immer: „Arbeit hält jung!“. Farwick kann sich auch Heimatforscher, Histroriker und Buchautor nennen. Inzwischen hat er sechs Bücher geschrieben. Sehr bekannt sind die Veröffentlichungen: „Herbern: Geschichte eines Dorfes im Münsterland“ und die „Biographische Geschichte jüdischer Familien in Herbern und Ascheberg 1710-1945“.

Erst im letzten Jahr hat er sich aus der Politik verabschiedet. 60 Jahre lang war er Mitglied in der CDU. Er saß im Kreistag und war zuständig für den Schulausschuss. Zum Schluss gehörte er dem Fraktionsvorsitz im Herberner Rat an. Weiterhin ist er stolzer Besitzer des Bundesverdienstkreuzes. Nun teilt er sich nur noch einen Wunsch mit seiner Ehefrau: „Gesund bleiben und das Leben genießen.“

Lesen Sie jetzt