Kampf gegen Eichenprozessions-Spinner: Dauereinsatz für Angelkort

hzSchädlingsbekämpfung

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sorgen auch 2020 für viele Aufträge bei Angelkort in Herbern. Man setzt auf Prävention. Die nächsten Wochen werden eine Herausforderung.

Herbern

, 04.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch in diesem Jahr sorgen die Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS) wieder für gut gefüllte Auftragsbücher bei Schädlingsbekämpfern. Besonders in der Nähe von Schulen und Kitas, aber auch an Straßen und öffentlichen Plätzen müssen die gefräßigen Tiere entfernt werden. Ihre Brennhaare führen zu unangenehmen und mitunter gefährlichen allergischen Reaktionen.

Dass die Raupen 2020 wieder für viel Arbeit sorgen würden, war schon im Winter abzusehen. „Damit die Eier stark dezimiert werden, hätten wir schon einige Tage Dauerfrost haben müssen“, sagt Monika Angelkort, Geschäftsführerin der gleichnamigen Firma für Schädlingsbekämpfung aus Herbern.

Laut einer Mitteilung des Deutschen Wetterdienstes von Ende Februar war der Winter 1019/2020 der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881.

Fallen, Nistkästen und heißer Wasserschaum gegen Raupen

Um den kriechenden Plagegeistern, auch präventiv, das Leben schwer zu machen, setzt Angelkort in diesem Jahr auf neue Methoden. Der Verkauf von Vogelhäusern gehört dazu, genauso wie eine Falle, in der die Raupen mit einem Lockstoff in einem Beutel gesammelt und unschädlich gemacht werden sollen. Mit dem Einsatz der EPS-Falle habe man bislang allerdings keine guten Erfahrungen gemacht. „Die Kunden melden uns, dass die Raupen sich zwar rund um den Ring sammeln, aber nicht in den Beutel gehen“, so Angelkort.

Viel besser funktioniere das Bekämpfen der Raupen mit dem neuen Heißwasser-Schaum-Gerät. Eine Mischung aus heißem Wasser und Stärke wird damit direkt aufgebracht. Da Eiweiße, aus denen die Raupen bestehen, bei 60 bis 70 Grad gerinnen, werden die Tiere so abgetötet und unschädlich gemacht.

Besonders bei kleineren Bäume habe sich diese Methode bislang als wirksam gezeigt, erklärt Angelkort.

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Mit Brennern zum Abflämmen der Raupen arbeitet die Firma nicht. Es bestehe die Gefahr von hitzebedingten Aufwinden, die zu Luftverwirbelungen und somit der Verbreitung der Gifthaare führen könnten.

Prophylaxe mit Bakterien

Bereits abgeschlossen ist die pro­phy­lak­tische Behandlung von Eichenblättern mit Bakterien des Bacillus thuringiensis. Wirksam ist die von April bis Anfang Mai, wenn die Larven im ersten bis dritten Entwicklungsstadium sind. Wirkungsweise: „Die Larve frisst das besprühte Blatt, und wird dann in ihrer Entwicklung gestoppt“, so Angelkort. Die Tiere sterben, noch bevor sie die giftigen Brennhaare ausbilden können. Mit dieser biologischen Bekämpfung gab es in der Vergangenheit gute Erfahrungen. So berichteten die Stuttgarter Nachrichten 2009 davon, dass Schädlingsbekämpfer in Tübingen und Esslingen den Raupenbefall so um 80 Prozent reduzieren konnten. Das Umweltbundesamt und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nennen die Behandlung mit den Bakterien als schonenste Möglichkeit, mit biologischen oder chemischen Substanzen gegen die Raupen vorzugehen. Sie soll trotzdem nur dann eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht reichen.

Absaugteams im Dauereinsatz

Gängigstes Mittel zur Raupenbekämpfung bleiben das Absaugen und anschließende Verbrennen der Tiere. Der häufigste Auftrag für die drei Teams, die für Angelkort unterwegs sind, um die Raupen zu bekämpfen.

Kein leichter Job. Denn die Schädlingsbekämpfer müssen auch bei Sommerhitze in voller Schutzmontur arbeiten. Die schwierigen Arbeitsbedingungen machen sich dafür beim Verdienst von angelernten Mitarbeitern, zum Beispiel Studenten, bemerkbar. „Da kann ich nicht den Mindestlohn als Maßstab nehmen. Das muss schon entsprechend honoriert werden“, sagt die Geschäftsführerin dazu.

Im Einsatz sind die Schädlingsbekämpfer dafür im ganzen Ruhrgebiet und bis nach Osnabrück. Die Prognose von Angelkort für den Raupen-Sommer 2020: „Die kommenden Wochen werden anstrengend.“

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